20.02.2011, 14:20 Uhr
Krawalle in Dresden: Im Umfeld der Nazi-Demos liefern sich Linke Straßenschlachten mit der Polizei (Foto: dapd)
Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche haben sich tausende Menschen in Dresden einem Marsch von Neonazis entgegengestellt und den Aufzug verhindert. Der zunächst friedliche Protest war jedoch von Gewalt und Straßenschlachten linksextremer Demonstranten überschattet. Nach Stunden des Wartens wichen die Rechtsextremen nach Leipzig aus.
Dort wurden die rund 500 Neonazis von der Polizei erwartet. Die Beamten riegelten das Gleis, auf dem der Zug ankam, ab und ließen die Rechtsextremen nicht in die Stadt.
Zuvor hatten Gegendemonstranten in Dresden über Stunden hinweg die Gegend rund um den Hauptbahnhof blockiert und damit verhindert, dass zahlreiche Rechtsextreme zu ihren Treffpunkten gelangten.
Zeitweise eskalierte die Lage. Polizisten rüsteten sich mit Schilden aus, Wasserwerfer wurden zum Einsatz vorbereitet. Es flogen Pflastersteine, Feuerwerkskörper und Flaschen. Mindestens ein Dutzend Autos wurde beschädigt, in einem Bürogebäude gingen Scheiben zu Bruch.
Linke Gegendemonstranten nutzen in Dresden den Aufmarsch, um gewalttätig zu werden. Die Polizei setzt Wasserwerfer und Reizgas ein. zum Video
Autonome stapelten Sperrmüll auf Fahrbahnen. Dresdens Polizeipräsident Bernd Merbitz berichtete von sechs brennenden Blockaden südlich des Hauptbahnhofs. Die Polizei sprach von "massiven Angriffen" Gewaltbereiter auf Einsatzkräfte.
Bis zum Nachmittag nahm die Polizei zwei Dutzend Menschen in Gewahrsam. Wegen Körperverletzung, Widerstandes gegen Polizeibeamte oder Vermummung, sagte ein Sprecher.
Rund 600 Rechtsextreme waren zuvor an den Veranstaltungsorten angekommen. Ursprünglich hatten die Behörden mit 4000 Neonazis gerechnet. "Die Stimmung unter den Rechtsextremen ist extrem aggressiv und aufgeheizt, weil sie angesichts der Blockaden nicht marschieren können", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Frank Wend.
Er sprach von einem "bürgerlichen Klientel", das die genehmigten drei Neonazi-Veranstaltungen blockierte. Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes beteiligten sich mehr als 21.000 Menschen an Mahnwachen und Protesten. Die Kirchen richteten Mahnwachen an insgesamt 54 Gotteshäusern ein. Sie plädierten gegen Fremdenhass, Krieg, Gewalt und Rassismus.
Der Dresdner Polizeipräsident Dieter Hanitsch zeigte sich allerdings erschüttert von der Brutalität, mit der Rechts- und Linksextreme die Polizei angriffen. Mindestens 82 Polizisten seien verletzt worden, einige von ihnen schwer. Die Polizei hatte zunächst von 50 verletzten Einsatzkräften gesprochen. Sachsens Innenstaatssekretät Michael Wilhelm forderte Konsequenzen.
In Regie der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland waren bereits am vergangenen Sonntag knapp 1300 Neonazis am Rand des Dresdner Stadtzentrums marschiert. Etwa 17.000 Dresdner hatten aus Protest eine Menschenkette gebildet, etwa 3000 säumten Straßen in Sichtweite der Rechtsextremen. Deren Marschroute war von tausenden Polizisten abgesichert worden.
Quelle: dapd , dpa
Die Mexikanerin Natalia Juarez will mit dem Plakat aufrütteln. zum Video