Chinesische Polizisten vernichten das verseuchte Milchpulver : 21 Menschen sind in dem Fall angeklagt (Foto: Reuters)
In den Prozessen rund um den Milchpulver-Skandal in China sind die ersten Urteile gefällt worden. Ein Gericht in Shijiazhuang in der nördlichen Provinz Hebei verurteilte nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua drei Männer zum Tode. Viele Eltern der durch eine Melaminverseuchung erkrankten Kinder, konnte die harten Urteile nicht besänftigen.
Eine Verurteilung wurde auf Bewährung ausgesetzt. Die Männer verseuchten nach Ansicht des Gerichts im vergangenen Jahr Milch mit der Industriechemikalie Melamin und verkauften sie.
Die frühere Chefin des chinesischen Milchunternehmens Sanlu, Tian Wenhua, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie bekannte sich im Laufe des Prozesses schuldig, qualitativ minderwertige Ware hergestellt und verkauft zu haben. Tian räumte ein, ihr Wissen über eine Verunreinigung der Milch monatelang für sich behalten zu haben.
Produkte verseucht und verkauft
Drei weitere ehemalige Sanlu-Mitarbeiter müssen für bis zu 15 Jahre hinter Gitter. Zwei der zum Tode Verurteilten sollen die giftige Chemikalie Melamin hergestellt beziehungsweise die verseuchten Milchprodukte verkauft haben. Einem weiteren 40-Jährigen warf das Gericht vor, das größte Labor zur Melamin-Produktion betrieben zu haben.
Chemikalie ließ Milch proteinhaltiger erscheinen
Eine weitere lebenslange Haftstrafe wurde gegen einen Mann verhängt, der wissentlich rund 230 Tonnen verseuchtes Milchpulver verkauft haben soll. Insgesamt sind 21 Menschen in dem Fall angeklagt. Weitere 39 Verdächtige sitzen in Haft - es sind noch andere Milchfirmen in den Skandal verwickelt. Dem Milchpulver für Babys war Melamin beigemengt worden, um so einen höheren Proteingehalt der Milch vorzutäuschen. Der Verzehr der Chemikalie in größeren Mengen kann zu Nierensteinen und Nierenversagen führen. An dem verseuchten Pulver waren im vergangenen Jahr sechs Babys in China gestorben, rund 300.000 Kinder erkrankten zum Teil schwer. Auch in Deutschland waren Lebensmittel aufgetaucht, die mit verseuchter Milch hergestellt wurden.
Die Todesurteile und hohen Strafen konnten viele empörte Eltern nicht besänftigen. "Nein, es ist nicht genug", sagte Hou Longbo, Vater eines einjährigen Jungen, der ausgerechnet am Tag der Urteilsverkündung eingeäschert wurde. Vor allem die lebenslange Haft für die Unternehmerin Tian Wenhua reiche nicht aus. "Sie hätte mit dem Leben bezahlen müssen", protestierte Hou Longbo. Dass die Anklage gegen die Spitzenmanagerin von der Produktion "giftiger" auf "qualitativ unzureichende" Nahrungsmittel abgeschwächt wurde und sie damit der Todesstrafe entging, sei für einige Eltern "eine Ungerechtigkeit".
Familien fordern höhere Entschädigungen
Vor dem Gericht in Shijiazhuang versammelten sich zahlreiche Angehörige von erkrankten oder verstorbenen Babys. Mehr als 200 Familien haben eine "zivile" Klage eingereicht, um eine höhere finanzielle Entschädigung zu erreichen. Die angeklagten Molkereien hatten bereits eine Entschädigung in Höhe von insgesamt umgerechnet 124 Millionen Euro angeboten. Zusätzlich hatte die Regierung den erkrankten Kindern eine kostenlose Behandlung versprochen - zahlreiche Familien berichteten von Krankenhäusern, die eine Behandlung trotzdem ablehnten.