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Dramatischer Wandel im hohen Norden

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Dramatischer Wandel im hohen Norden

16.09.2009, 11:47 Uhr

Der Klimawandel lässt nicht nur das Eis schmelzen - das ganze Ökosystem der Arktis macht einen Wandel durch (Foto: Eric Post) Der Klimawandel lässt nicht nur das Eis schmelzen - das ganze Ökosystem der Arktis macht einen Wandel durch (Foto: Eric Post)

Riesige Gletscher, ausgedehnte Tundrengebiete, Rentierherden und schneeweiße Eisbären - hoch oben in der Arktis ist ein faszinierendes Ökosystem entstanden. Die Arktis ist aber auch das Gebiet, das am empfindlichsten auf den Klimawandel reagiert. Bereits heute können Wissenschaftler deutlich die Auswirkungen der globalen Erwärmung zwischen Alaska und Spitzbergen feststellen. Und für die Zukunft stehen dem hohen Norden voraussichtlich noch dramatischere Veränderungen bevor. "Die Arktis, wie wir sie kennen, könnte bald der Vergangenheit angehören", sagt der amerikanische Biologe Eric Post.

Der Wissenschaftler von der Pennsylvania State University leitet ein großes internationales Forscherteam, das das arktische Ökosystem studiert hat. Penns Team hat Auswirkungen des Klimawandels auf die verschiedensten Arten festgestellt - Pflanzen, Insekten, Vögel und Säugetiere. "Es ist egal, wo man hinschaut, auf den Boden, in die Luft oder ins Wasser, wir sehen überall Zeichen eines schnellen Wandels", sagt Penn. Nicht zuletzt betreffen diese Veränderungen auch die Menschen in der Region.

Problem Nummer eins: Schmelzendes Packeis

Betroffen sind vor allem die Arten, die auf das Packeis angewiesen sind. Dazu gehört nicht nur der bekannte Eisbär. Auch die Elfenbeinmöwe, das Pazifische Walross, die Ringelrobbe und die Mützenrobbe leiden schon heute unter den wärmeren Temperaturen - ihre Bestände sinken. Speziell dem Eisbären und der Ringelrobbe könnte das endgültige Aussterben bevorstehen.

Wanderung nach Norden

Gleichzeitig wandern Arten, die normalerweise weiter südlich leben, in die arktischen Gebiete ein. So beginnt zum Beispiel der Rotfuchs, den Polarfuchs zu verdrängen. Auch Bäume und Sträucher verlagern ihr Verbreitungsgebiet immer weiter nach Norden. Alle diese Veränderungen wurden durch eine Erwärmung von nur einem Grad ausgelöst. Wie weit sich der der Lebensraum Arktis durch die erwartete Erwärmung von sechs Grad noch verändern wird, ist kaum abzuschätzen.

Fluch oder Segen?

Wie unterschiedlich sich der Klimawandel auf die Bewohner der Arktis auswirkt, ist zum Beispiel an den Rentieren zu sehen. Auf der zu Norwegen gehörenden Inselgruppe Svalbard profitieren die Huftiere von den höheren Temperaturen, da der Schnee früher schmilzt - so können mehr Futterpflanzen wachsen. Weiter südlich, an der Südspitze Grönlands, können die Rentiere allerdings nicht mit mit dem Wandel in der Pflanzenwelt mithalten. Die Zeit, in der die Tiere ihre Jungen gebären, fällt nicht mehr mit der Zeit mit dem größten Pflanzenwuchs zusammen. Viele der Kälber verhungern.

Traditionelle Lebensweise in Gefahr

Rentiere sind auch wirtschaftlich wichtig - die Ureinwohner Grönlands machen traditionell Jagd auf die Tiere. "Die Menschen in unserem Forschungsgebiet haben die Rentierjagd schon fast aufgegeben", so Eric Post. Der Klimawandel zwingt die Menschen, ihre traditionelle Lebensweise aufzugeben.

Empfindliches Ökosystem

Wieso aber hat der Klimawandel gerade im hohen Norden so dramatische Auswirkungen? Grund dafür ist wahrscheinlich die geringe Artenvielfalt in der Arktis - Ökosysteme mit wenigen Arten sind empfindlicher für Veränderungen. Sind nur wenige Arten vorhanden, nimmt jede Art eine wichtige Rolle im System ein und kann nicht ersetzt werden. "Dann können schon kleine Veränderungen im Verbreitungsgebiet oder der Dichte einer Art grundlegende Veränderungen im Ökosystem bewirken", erklärt Eric Post, "in einem Ökosystem, das auch für den Tourismus und traditionelle Kulturen wichtig ist."

Quelle: wetter.info, mj


 

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