24.01.2012, 14:57 Uhr | Von Sabine Dobel, dpa
In diesem Haus im bayerischen Krailling fand die Mutter die Leichen ihrer beiden Töchter Chiara und Sharon (Quelle: dapd)
Die Schwestern müssen vor ihrer Ermordung ein Martyrium durchlebt haben: Der eigene Onkel soll Chiara (8) und Sharon (11) in ihrer Wohnung in Krailling bei München mit einem Seil gewürgt, mit einer Hantelstange geschlagen und mit einem Küchenmesser erstochen haben, so die Anklage. Den Ermittlungen zufolge kämpften die Kinder um ihr Leben, versuchten zu fliehen - und bekamen mit, als der Täter das jeweils andere Mädchen malträtierte. Von Dienstag an steht der 51-Jährige nun vor dem Landgericht München II.
Schulden sollen der Grund für die Bluttat gewesen sein: Die Anklage nimmt an, dass er auch die Mutter - die Schwester seiner Frau - umbringen, die Tat als sogenannten erweiterten Suizid der Mutter tarnen und so an das Erbe kommen wollte, um die Finanznot der eigenen Familie zu lösen.
Der Postbote aus dem oberbayerischen Peißenberg, selbst Vater von vier Kindern, soll sich in der Nacht zum 24. März 2011 in die unverschlossene Wohnung geschlichen haben - mit einem grausigen Plan: Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wollte er erst die beiden Mädchen und dann die Mutter umbringen.
"Wir gehen davon aus, dass er erwartet hat, die Mutter im Laufe des Abends noch anzutreffen", sagte Oberstaatsanwältin Andrea Titz. Doch die Frau half in der etwa 50 Meter entfernten Musikkneipe ihres Lebensgefährten, kehrte erst am frühen Morgen heim - und fand die Leichen ihrer Kinder.
Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft beging der Mann die Tat heimtückisch und aus Habgier. Nach dem Bau eines Hauses soll wegen nicht bezahlter Schulden die Zwangsversteigerung gedroht haben. Der bis dahin nicht straffällig gewordene Onkel wurde im Zuge der Ermittlungen als Zeuge vernommen und gab sogar freiwillig eine Speichelprobe ab - ein Treffer: Seine DNA fand sich unter anderem an den Leichen der Kinder sowie an der Hantelstange, dem Messer und dem Seil.
Am 1. April holte die Polizei den Postboten bei seiner Familie ab. Er bestritt die Tat zunächst und behauptete, die DNA-Spuren in der Wohnung stammten von einem Nasenbluten bei einem Besuch zwei Wochen vor der Tat. Später schwieg er gegenüber den Ermittlern. Mindestens ein Mithäftling berichtete jedoch als Zeuge aus Gesprächen mit dem Angeklagten.
Der Vorsitzende Richter am Landgericht München II, Ralph Alt, wird den Prozess führen. Alt hatte 2011 den Nazi-Wachmann John Demjanjuk wegen Beihilfe zum Mord an mindestens 28.060 Juden zu fünf Jahren Haft verurteilt - ein Indizienprozess, wie es auch der Fall Krailling werden könnte. Die Ankläger benannten 63 Zeugen und neun Sachverständige. Ob sie alle geladen werden, entscheidet das Gericht.
Eine wichtige Zeugin dürfte die Ehefrau des Angeklagten sein, die sich inzwischen von ihm scheiden ließ. Im Sommer sagte sie dem Magazin "Stern", sie glaube an seine Schuld. "Für mich gibt es keinen Zweifel, dass er es war", sagte sie in dem Interview. "Das wären zu viele Zufälle."
Anfangs hatte die Frau ausgesagt, ihr Mann sei in der Tatnacht bei ihr gewesen - was sie später revidierte. Ihre Schwester, die Mutter der ermordeten Mädchen, hat sich nach der Tat mit ihrem Lebensgefährten vollkommen zurückgezogen.
Quelle: dpa
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