30.01.2012, 16:30 Uhr
Krailling-Prozess: Oberstaatsanwältin Andrea Titz unterrichtet die Medien über die Aussage der Mutter (Quelle: dapd)
Immer wieder kämpft sie mit den Tränen, aber sie steht die Vernehmung durch: Abgeschirmt von der Öffentlichkeit hat die Mutter der beiden in Krailling ermordeten Mädchen vor dem Landgericht München ausgesagt. Sichtlich mitgenommen, aber gefasst, habe die 42-Jährige geschildert, wie sie am frühen Morgen des 24. März ihre toten Kinder in der Wohnung fand, berichtete Oberstaatsanwältin Andrea Titz aus der Sitzung.
"Sie ringt um Fassung, sie ringt um Worte, sie weint." Dennoch habe die Vernehmung nicht unterbrochen werden müssen. "Sie ist sehr um Fassung bemüht", sagte Titz. "Sie macht einen tapferen Eindruck."
Eine Konfrontation mit dem mutmaßlichen Mörder ihrer Kinder blieb der Frau erspart: Auf Beschluss des Gerichts musste der Angeklagte während der Vernehmung den Saal verlassen.
Es bestehe sonst die Gefahr, dass sich der Gesundheitszustand der Frau verschlechtere und sie erneut traumatisiert werde, sagte der Vorsitzende Richter Ralph Alt. Der Angeklagte verfolgte die Vernehmung per Videoübertragung in einem anderen Raum. Die Mutter und ihr Lebensgefährte hatten die Leichen der achtjährigen Chiara und der elfjährigen Sharon in der Wohnung der Frau gefunden, als sie am frühen Morgen von der Arbeit in der nur 50 Meter entfernten Musikkneipe des Freundes nach Hause kamen.
Im zweiten Stock habe sie "auf ihrem eigenen Bett liegend ihre Tochter Chiara gefunden", blutüberströmt und mit einer Schlinge um den Hals, berichtete Titz weiter. Das Kind habe kein Lebenszeichen mehr gezeigt. Im unteren Stockwerk, auf dem Boden in Chiaras Zimmer, habe sie dann die leblose Sharon entdeckt.
Die Mutter wurde über einen nicht-öffentlichen Eingang in den Gerichtssaal geführt, den schon morgens Schaulustige belagerten. Der vom Gericht bestellte Psychologe Günther Lauber sagte am Morgen in seinem Gutachten, eine öffentliche Aussage sei der Mutter nicht zuzumuten. "Die Öffentlichkeit ist für sie ein Teil des Traumas." Auch eine Vernehmung in Anwesenheit des Angeklagten bedeute mit Sicherheit eine massive Stressbelastung.
Im Wesentlichen bestätigte sie die Angaben, die sie auch schon bei früheren Befragungen durch die Polizei gemacht hatte. Insbesondere wird sich die Frau auch noch zu den finanziellen Beziehungen zwischen ihr und dem mutmaßlichen Mörder der Kinder äußern. Der Mann soll die Mädchen laut Staatsanwaltschaft in der Nacht zum 24. März 2011 aus Habgier getötet haben.
Am Montag hat auch der Lebensgefährte der Mutter die Tatnacht geschildert. Die beiden Mädchen hätten blutüberströmt in der Wohnung der Mutter gelegen, als er mit dieser gemeinsam nach Hause gekommen sei. Der 53-jährige Zeuge schilderte die Vorgänge ruhig, stockte aber immer wieder und war sichtlich bewegt.
Der Angeklagte muss sich seit dem 17. Januar wegen Mordes verantworten. Ihm wird vorgeworfen, er habe die Mädchen mit einem Messer, einem Seil und einer Hantelstange attackiert. Er habe auch vorgehabt, die Mutter zu töten, um so seine Frau zur Alleinerbin des Familienvermögens zu machen und seine Familie aus finanziellen Schwierigkeiten zu befreien. Der Mann hat bisher vor Gericht geschwiegen.
Quelle: dpa , dapd
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