DITIB eröffnet eine von Deutschlands größten Moscheen
26.10.2008, 20:04 Uhr
Die DITIB-Merkez-Moschee im Duisburger Stadtteil Marxloh (Foto: dpa)Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit ist am Sonntag im Duisburger Stadtteil Marxloh eine der größten Moscheen Deutschlands eingeweiht worden. Nach Schätzung der Polizei nahmen rund 5000 Gäste an der Feier teil.Die DITIB-Merkez-Moschee im Stadtteil Marxloh gilt als Vorzeigeprojekt: Der dreigeschossige Bau entstand in dreieinhalb Jahren auf dem Kantinengelände einer ehemaligen Zeche. Die Moschee beherbergt im Untergeschoss eine Begegnungsstätte, die als "Zentrum für interkulturellen Austausch" dient.
In Duisburg gab es im Gegensatz zu anderen Städten keine Proteste gegen den Bau der Moschee. Sie ist vielmehr schon heute Symbol einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen der islamischen Gemeinde und ihren deutschen Nachbarn.
Auf Vorschlag eines Projektbeirats, an dem Anwohner, politische Parteien und die christlichen Kirchen beteiligt waren, erhielt das Gotteshaus große Fenster, die Transparenz ausdrücken sollen. Eine Webcam überträgt das Geschehen im Gebetsraum. Die Architektur der Moschee folgt klassischen osmanischen Vorbildern mit Kuppeln und Säulen. Die Dachhöhe der großen Kuppel beträgt 23 Meter, das Minarett ist 34 Meter hoch. Die Moschee setzt damit auch städtebaulich einen Akzent der Anerkennung des muslimischen Glaubens.
Muezzin ruft nicht zum Gebet
Die von Mosaiken gezierten Gebetsräume fassen 1200 Gläubige - für männliche Besucher stehen im Erdgeschoss 800 Plätze zur Verfügung, für Frauen gibt es weitere 400 Plätze auf der Empore. Die DITIB-Merkez-Moscheegemeinde ist mit 740 Mitgliedern nach eigenen Angaben die größte in Deutschland. Auf einen Muezzin-Ruf vom Minarett, der sonst fünfmal am Tag erklingt und häufig Anlass für Konflikte bietet, verzichtet der Moscheeverein.
"Stätte des Dialogs"
Auf das von einem eigenständigen Verein betriebene Zentrum entfallen rund 40 Prozent der insgesamt knapp 2500 Quadratmeter Fläche des Gesamtbauwerks. Nach Angaben des türkisch-islamischen Dachverbandes DITIB soll das interkulturelle Zentrum den Moslems in Duisburg "eine kulturell-religiöse Heimat und allen Bürgern der Stadt eine Stätte der Begegnung, des Dialogs und des menschlichen Miteinanders sein".
Zur Hälfte durch Spenden finanziert
Bei der Eröffnungsfeier spielten die Duisburger Philharmoniker. NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) bekräftigte in seiner Rede das Recht der rund 3,3 Millionen Muslime in Deutschland auf repräsentative Gotteshäuser. "Wir brauchen mehr Moscheen in unserem Land, aber nicht in den Hinterhöfen, sondern sichtbar, erkennbar", sagte er. Muslime müssten hierzulande allerdings auch die Grundwerte der Verfassung wie die Religionsfreiheit und Achtung des anderen Glaubens als Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben dauerhaft annehmen. Das Land und die EU beteiligten sich an dem insgesamt 7,5 Millionen Euro teuren Bau mit 3,2 Millionen Euro. Fast vier Millionen Euro sind über Spenden zusammengekommen.
180 Moscheen für 3,3 Millionen Muslime
Marxloh ist bundesweit als Stadtteil mit besonders hohem Ausländeranteil und jahrzehntelang gewachsener Ausländerkultur bekannt. Knapp ein Drittel der rund 18.000 Einwohner sind Ausländer, die Mehrzahl Türken. Bundesweit sind derzeit etwa 180 neue Moscheen für die rund 3,3 Millionen Muslime in Deutschland im Bau oder geplant. Dagegen gibt es auch heftige Proteste. In Köln beispielsweise gab es jahrelang Streit um die neue Zentralmoschee der DITIB, die nun im Stadtteil Ehrenfeld entsteht. Auch der erste Moschee-Neubau auf ostdeutschem Boden, der vergangene Woche im Berliner Bezirk Pankow seine Pforten öffnete, wurde über Jahre hinweg von Protesten begleitet. So fordert etwa der jüdische Schriftsteller Ralph Giordano immer wieder einen Stopp der Projekte. Er nannte den Duisburger Bau vor kurzem "ein Zeichen tief integrationsfeindlicher Identitätsbewahrung".