06.01.2011, 22:01 Uhr
Der Dioxin-Skandal in Deutschland zieht weitere Kreise. Auch Rheinland-Pfalz und Hessen sind von der Futtermittelverunreinigung betroffen. In Baden-Württemberg gibt es Hinweise darauf, dass belastete Ware ins Land gelangt ist. Bisher wurden bundesweit 4709 Betriebe gesperrt.
Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Ministeriumskreise. Demnach liegen die meisten Höfe in Niedersachsen. Die Sperrung sei aber reine Vorsorge.
Derweil sind mit Hessen und Rheinland-Pfalz zwei weitere Länder von dem Dioxin-Skandal betroffen. An einen hessischen Mastbetrieb im Kreis Hersfeld-Rotenburg wurden 320 Ferkel ausgeliefert, die mit dioxinbelastetem Futter gefüttert wurden. Das rheinland-pfälzische Umweltministerium in Mainz teilte mit, dass auf Wochenmärkten belastete Eier aufgetaucht seien.
In Baden-Württemberg sind laut Agrarministerium in Stuttgart möglicherweise Schlachttiere und pasteurisiertes Flüssigei betroffen, hieß es in einer Mitteilung. Die Ware soll aus niedersächsischen Erzeugerbetrieben stammen, die dioxinbelastete Futtermittel verwendet haben. Bislang war für die in den Südwesten gelangten Lieferungen keine Belastung nachgewiesen worden.
Agrarminister fordern häufigere Lebensmittelkontrollen und strengere Sanktionen bei Verstößen. zum Video
Dem baden-württembergischen Verbraucherminister Rudolf Köberle (CDU) zufolge wurden die betroffenen Lebensmittel vorsorglich sichergestellt. Die Behörden hätten unverzüglich die Ermittlungen aufgenommen und eigene Laboruntersuchungen eingeleitet. Erste Ergebnisse seien frühestens Anfang kommender Woche zu erwarten, eine akute Gesundheitsgefährdung bestehe für die Verbraucher nicht.
Kurz zuvor war bekannt geworden, dass 410.000 Dioxin-Eier aus Niedersachsen auch nach Bayern gelangt waren. Ein kleiner Teil davon wurde an verarbeitende Betriebe weiterverkauft.
In Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg waren rund 3000 Tonnen mit Dioxion belastetes Industriefett an Legehennen, Mastgeflügel und Schweine verfüttert worden. Da nur geringe Mengen Fett ins Futter gemischt werden, können Schätzungen zufolge zehntausende Tonnen Tiernahrung mit dem Umweltgift belastet sein. Der Deutsche Bauernverband fordert unterdessen Entschädigungen und dringt auf eine Änderung des Lebensmittel- und des Futtermittelgesetzes.
Für die Verbraucher sieht der Bauernverband zunächst keine neue Bedrohungslage. "Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Höfe mit ihren Produkten, mit Ausnahme einiger Betriebe in NRW, weit unter dem zulässigen Grenzwert liegen", sagte der Generalsekretär, Helmut Born, der "Berliner Zeitung". "Für die Verluste der Bauern, die ihr Geflügel keulen und ihre Eier vernichten müssen, werden die Verursacher des Schadens aufkommen müssen." Born: "Wir werden uns jedenfalls juristisch an der Mischfutterindustrie schadlos halten." Nach seiner Einschätzung kann die Sperrung eines Hofs dessen Besitzer "sehr schnell 10.000 oder 20.000 Euro Umsatz" kosten.
Der in den Dioxin-Skandal verwickelte Futtermittel-Zulieferer Harles und Jentzsch im schleswig-holsteinischen Uetersen wandte sich derweil gegen Berichte, wonach eine Insolvenz unmittelbar bevorstehe. "Es ist nicht so, wir arbeiten weiter", sagte Geschäfstführer Siegfried Sievert. Futtermittel würden zur Zeit nicht verkauft, aber das Geschäft mit technischen Fettsäuren sichere die Existenz. Die Firma hatte die Verunreinigung von Futtermitteln mit Dioxin bei einer Routineuntersuchung festgestellt und gemeldet. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe ermittelt inzwischen gegen die Unternehmens-Leitung.
Die Firma war noch am 18. Oktober 2010 von der Sachverständigenorganisation Dekra für Qualität und Sicherheit zertifiziert worden. Das bestätigte die Dekra-Pressestelle der "Passauer Neuen Presse", schränkte allerdings ein: "Die Dekra Certification GmbH prüft oder analysiert im Rahmen der Zertifizierung keine Produkte und hat auch gemäß der QS-Anforderungen keine Analytik durchzuführen." Man habe keine Erklärung dafür, wie Dioxin in das Futtermittel geraten konnte.
Wie das Landwirtschaftsministerium von Schleswig-Holstein mitteilte, weist fast jede zweite Rückstellprobe von Harles und Jentzsch einen zu hohen Dioxin-Gehalt auf. Die Dioxin-Gehalte von 20 bislang untersuchten Proben schwankten zwischen 0,44 und 10,05 Nanogramm. In neun Fällen sei der zulässige Grenzwert von 0,75 Nanogramm überschritten. Die restlichen Ergebnisse der am Sonntag sichergestellten insgesamt 112 Rückstellproben werden in den kommenden Tagen erwartet.
Gegen den Geschäftsführer des Unternehmens, Siegfried Sievert, und drei seiner Mitarbeiter hat es Morddrohungen gegeben, berichtet das "Westfalen-Blatt". Die Polizei sei über die Drohungen informiert worden, die an mehreren Tagen am Telefon und per E-Mail eingegangen seien, sagte Sievert. Mitarbeiter seien als "Mörder" beschimpft und unter anderem mit den Worten "Wir machen euch fertig" bedroht worden.
"Wir sind ziemlich deprimiert und können die Firma eigentlich dicht machen", sagte Vertriebschef Klaus Voss dem "Westfalen-Blatt". Die Verunreinigung von Futterfett mit Dioxin sei ein Einzelfall gewesen und von der Firma selbst gemeldet worden. Bei Razzien im Firmensitz in Uetersen und einem Tochterunternehmen im niedersächsischen Bösel hatten die Behörden am Mittwoch zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt.
Jedoch wurden unter anderem von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) Rufe nach besseren Kontrollen der Lebensmittelbranche laut. Die Industrie kann aber nach Angaben des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure (BVLK) gar nicht vollständig überprüft werden. Es fehlten in Deutschland bis zu 1500 staatliche Prüfer, um die Branche effektiv zu überwachen, sagte der BVLK-Vorsitzende Martin Müller der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Lebensmittelsicherheit sei in Deutschland deshalb eine Mogelpackung.
Bisher seien bundesweit 2500 Kontrolleure für 1,1 Millionen Betriebe in der Lebensmittelindustrie zuständig. In manchen Regionen stehe nur ein Mitarbeiter für 1200 Firmen zur Verfügung. Die Folge sei, dass etwa jedes zweite Unternehmen in Deutschland innerhalb eines Jahres überhaupt nicht kontrolliert werde, sagte Müller. Das politische Versprechen, die gesamte Lieferkette für Eier, Getreide, Milch und Fleisch staatlich zu kontrollieren, sei reine Utopie.
Unterdessen sind nach Erkenntnissen der EU-Kommission möglicherweise 136.000 dioxinverseuchte Eier aus Deutschland in der niederländischen Nahrungsmittelindustrie verarbeitet worden. Sie seien nicht in den Handel gelangt, sagte der Sprecher von EU-Verbraucherkommissar John Dalli in Brüssel. Bisher sei nicht klar, in welchen Produkten die Eier verarbeitet wurden und ob sie tatsächlich mit Dioxin belastet waren. Die fragliche Charge Eier stammte von einer Firma aus Sachsen-Anhalt und wurde Anfang Dezember an ein Unternehmen im niederländischen Barneveld geliefert.
Quelle: dpa , dapd
wastel schrieb:
am 6. Januar 2011 um 21:40:53
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Dioxyin
es ist traurig das es so was gibt aber noch trauriger ist das jetzt die Leute die uns weismachen wollen das nur Bio produkte gut sind
und dabei wurden auch schon diese producke verseucht es geht nur noch um profit
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Walla schrieb:
am 6. Januar 2011 um 21:26:02
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Ei
Ei, Ei Ei, und das ist noch lange nicht alles.
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Wochenmärker schrieb:
am 6. Januar 2011 um 19:42:41
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Wochenmärkte
Nicht die Bauern sind schuld! Alles die Schuld von den FDP-Politikern, denn die haben die Hühnerhaltung liberalisert, weil sie
nicht wollen, dass die Bauern preiswerte Eier liefern!
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