05.01.2011, 21:10 Uhr
Nach Nordrhein-Westfalen hat auch Niedersachsen Stempelnummern veröffentlicht, an denen die Verbraucher dioxinbelastete Eier aus dem Futtermittel-Skandal erkennen können. Währenddessen verunsichert möglicherweise belastetes Geflügel- und Schweinefleisch die Kunden. Bis zu 150.000 Tonnen Futter mit dem krebserregenden Stoff haben Schweinefleisch und Geflügelprodukte verseucht. Politiker prüfen schärfere Regeln für Hersteller und fordern härtere Strafen für die schwarzen Schafe.
Das nordrhein-westfälische Umweltministerium reagierte zuerst und gab den Verbrauchern die Möglichkeit, die belasteten Eier zu erkennen. Es handelt sich um Eier aus zwei Legehennen-Betrieben in den Kreisen Soest und Steinfurt, von denen nachweislich Eier mit überhöhten Dioxinwerten in den regionalen Handel gebracht wurden - nach Ministeriumsangaben vermutlich über 100.000 Stück.
Diese Eier wurden bis zum 23. Dezember verkauft, es handelt sich um XL-Eier mit der Stempelnummer 2-DE-0513912 und um bräunliche Eier mit der Nummer 3-DE-0514411. Das Ministerium betonte, die betroffenen Landwirte hätten unwissentlich das verschmutzte Futter verwendet und trügen nun die Konsequenzen für das Fehlverhalten der Hersteller.
In Niedersachsen handelt es sich um Eier eines Betriebes, die laut amtlicher Probenuntersuchung aktuell die Dioxinhöchstmenge überschritten haben. Wenngleich keine direkten gesundheitlichen Folgen drohten, sei von ihrem Verzehr abzuraten. Die Eier tragen den Erzeugercode 2-DE-0355461.
Agrarminister fordern häufigere Lebensmittelkontrollen und strengere Sanktionen bei Verstößen. zum Video
Dem niedersächsischen Agrarministerium zufolge liegen bislang 18 amtliche Untersuchungsergebnisse vor. Neben einer Überschreitung des zulässigen Höchstgehalts an Dioxin seien in zwei Fällen "kritische Werte" ermittelt worden, in 15 weiteren Betrieben seien die Werte unproblematisch. Weitere Ergebnisse erwartet das Ministerium in den kommenden Tagen.
Inzwischen gibt es Hinweise, dass der Dioxin-Skandal viel früher hätte aufgedeckt werden können. Bereits am 25. November wurde bei einer Untersuchung von Futterfett ein erhöhter Dioxingehalt von 3600 Pikogramm (ein Billionstel Gramm) pro Kilogramm Fett festgestellt - das Tausendfache des erlaubten Wertes.
Dies geht aus einem Bericht des Bundeslandwirtschaftsministeriums an den Agrarausschuss des Bundestags hervor. Trotz der weit erhöhten Werte wurden die Futterfette aber noch vier Wochen lang bis zum 23. Dezember 2010 ausgeliefert.
Zum Vergleich: Ein Ei darf laut EU-Richtlinie nur einen Dioxingehalt von drei Pikogramm haben. Allerdings gibt es unterschiedliche Dioxine, weshalb Vergleiche schwierig sind.
Der Lebensmittel-Einzelhandel sieht derzeit noch keinen Grund, große Mengen an Eiern oder Fleisch aus den Geschäften zu holen. "Eine akute Gesundheitsgefahr besteht nicht. Deswegen ziehen die Unternehmen auch nicht flächendeckend Ware aus dem Verkehr", erklärte ein Sprecher des Handelsverbands Deutschland (HDE). Großketten wie Edeka, Tengelmann und Rewe hatten zuvor mitgeteilt, bislang nicht von dioxinverseuchten Geflügelprodukten betroffen zu sein.
Verbraucherschützer des Landes Niedersachsen dagegen haben eine "außerordentlich hohe" Dioxin-Belastung des in den Handel gelangten Tierfutters festgestellt. In einer Probe seien 123 Nanogramm Dioxin pro Kilogramm Fett ermittelt worden. Bernhard Aue, beim Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz (Laves) für die Futtermittelüberwachung zuständig, sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung": "Das ist ein außerordentlich hoher Wert." Von Teilen des Futters, das mindestens 15 Hersteller an Landwirte in Niedersachsen verkauft haben, gehe ein "erhebliches Kontaminationsrisiko" für Lebensmittel aus.
Währenddessen kündigte Thüringens Landwirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) noch für Januar ein Sondertreffen der Agrarminister der Länder an und forderte härtere Strafen für die "Scharlatane der Branche". Die Ernährungsindustrie verlangte, es müsse rasch alles unternommen werden, damit sich solch ein Fall nicht wiederhole.
Die Agrarminister der Länder würden am Rande der Grünen Woche in Berlin über Folgen aus dem Dioxin-Skandal beraten, sagte Reinholz, der Vorsitzender der Agrarministerkonferenz ist. Notwendig seien "in erster Linie deutlich schärfere Strafen bei Verstößen gegen das Lebens- und Futtermittelrecht". Nur mit harten, abschreckenden Sanktionen seien schwarze Schafe in der Branche zu beeindrucken. Bisher drohen bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe, wenn Lebensmittel oder Futter mit gesundheitsschädlichen oder verbotenen Zusätzen vergiftet werden.
Grafik: Der Weg des Dioxins (Grafik: dpa)
Welche Lebensmittel außer Eiern noch verseucht sein könnten, wird erst in einigen Tagen feststehen. Vermutlich kam auch dioxinbelastetes Geflügel aus Sachsen in den Handel, das wahrscheinlich längst gegessen wurde. Die Thüringer Behörden suchen nach belasteten Schweinen. Nach Informationen sollen Hunderte Tiere bereits in ganz Europa verkauft worden sein.
Mecklenburg-Vorpommern hat sechs Schweinemastbetriebe vorsorglich gesperrt, sagte der Umweltminister des Landes, Till Backhaus, dem Sender NDR Info. Eine erste Analyse habe ergeben, dass die Grenzwerte für Dioxin aber nicht überschritten worden seien.
Mehr als 3000 Bauernhöfe in mehreren Bundesländern sind geschlossen. Sie dürfen ihre Ware erst wieder verkaufen, wenn sie auf eigene Kosten in Labortests die Unbedenklichkeit nachgewiesen haben.
Inzwischen wurde der Futterhersteller Harles und Jentzsch in Uetersen (Schleswig-Holstein) durchsucht. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe führt ein Ermittlungsverfahren gegen die Leitung des Unternehmens. Es soll vom 12. November bis 23. Dezember 2010 insgesamt 3000 Tonnen mit Dioxin belastetes Futterfett an 25 Futtermittelhersteller geliefert haben. Die Ware sei an Firmen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Sachsen-Anhalt gegangen, berichtet das Bielefelder "Westfalen-Blatt" und beruft sich auf das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. In dem Futterfett soll sich nach Angaben des Bundesamtes Industrie-Mischfettsäure befunden haben, die nicht für die Verwendung von Futtermitteln, sondern für den Einsatz zur Papierherstellung bestimmt war.
Die Mischfettsäure sei bei der Produktion von Biodiesel bei der Firma Petrotec in Emden angefallen. Die Ware wurde der Zeitung zufolge von der niederländischen Firma Olivet in Poortugaal bei Rotterdam gekauft und sofort an Harles & Jentzsch geliefert. Olivet habe die Ware korrekt als "technische Mischfettsäure" gekennzeichnet. Dies hätten die Kontrollen der niederländischen Behörden ergeben, sagte ein Unternehmenssprecher der Zeitung. Die Verschmutzung des Futters sei in Deutschland geschehen.
Außerdem haben Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft Oldenburg einen Anfangsverdacht gegen eine Spedition im niedersächsischen Bösel ergeben. Den Geschäftsführern wird vorgeworfen, an den Verstößen gegen das Lebens- und Futtermittel-Gesetzbuch durch Lagerung und Verarbeitung dioxinhaltiger Futtermittelfette beteiligt zu sein. Am Morgen seien bei der Firma Proben aus dem Tanklager gezogen worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Sämtliche Korrespondenz und Lieferunterlagen mit der Firma Harles und Jentzsch wurden beschlagnahmt. Bei der Firma Petrotec im ostfriesischen Emden bestehe kein Tatverdacht.
Nach Ansicht des Präsidenten des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), Eberhard Haunhorst, ist der Dioxin-Skandal auf eine "eher kriminelle Machenschaft" zurückzuführen. Der Mischbetrieb bei Cloppenburg, der die dioxin-verseuchten Fette beigemischt und an weiterverarbeitende Betriebe geliefert haben soll, sei illegal betrieben und deshalb nicht kontrolliert worden, sagte Haunhorst dem NDR Studio Oldenburg. "Angemeldete Betriebe würden drei bis vier Mal im Jahr kontrolliert, bei Betrieben, von denen man nicht wisse, dass es sie gibt, sei man machtlos." In diesem Fall handele es sich eindeutig um ein kriminelles Vorgehen.
Gegen den Geschäftsführer von Harles und Jentzsch, Siegfried Sievert, und drei seiner Mitarbeiter hat es bereits Morddrohungen gegeben. Mitarbeiter seien als "Mörder" beschimpft und unter anderem mit den Worten "Wir machen euch fertig" bedroht worden.
"Wir sind ziemlich deprimiert und können die Firma eigentlich dicht machen", sagte Vertriebschef Klaus Voss dem Bielefelder "Westfalen-Blatt". Die Verunreinigung von Futterfett mit Dioxin sei ein Einzelfall gewesen und von der Firma selbst gemeldet worden. Die betroffenen Lieferungen könnten genau eingegrenzt werden. Es habe keine Verunreinigungen über Jahre gegeben. Am Donnerstag erfolge in der Firma eine Bestandsaufnahme. Danach werde entschieden, ob notfalls Insolvenz angemeldet wird, berichtet das Blatt.
Tier- und Umweltschützer fordern angesichts der Dioxin-Funde in Tierfutter einen Kurswechsel in der industriellen Landwirtschaft. "Das Wachstum der Massentierhaltung und der Futtermittelindustrie vergrößert das Risiko für die Verbraucher", erklärte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Ein Bündnis aus mehreren Verbänden wolle am 22. Januar in Berlin gegen die Massentierhaltung demonstrieren.
Quelle: AFP , dpa , dapd
Verbraucher schrieb:
am 5. Januar 2011 um 21:47:50
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So ist es
"Geiz ist Geil und Geld regiert die Welt".Wie passend das doch klingt. Der Verbraucher hat es doch selbst in der Hand, wäre er/sie
bereit mehr zu zahlen, für die qualitativ sehr hochwertigen Nahrungsmittel in Deutschl., würden auch weniger Unternehmen auf solche Aktionen kommen..genau wie teilw. die hoch belasteten Nahrungsmittel aus dem Ausland, aber sie sind ja nunmal billiger..was solls also, Verbraucher wills ja so..selbst Schuld!
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Tutti schrieb:
am 5. Januar 2011 um 21:31:43
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Der Mensch
Die Natur nimmt Rache .
LG
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Josef schrieb:
am 5. Januar 2011 um 21:29:23
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Eier
Ich kaufe meine Eier bei ALDI,LIDL und CO,Dioxin interressiert mich nicht !Ich bin Michel!
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