12.01.2011, 17:23 Uhr
Dioxin in Eiern? Die Verbraucher reagieren misstrauisch (Foto: dpa)
Erst Eier, jetzt Schweine: Im Dioxin-Skandal jagt eine Hiobsbotschaft die nächste. Die jüngsten: Giftiges Futter war wohl schon seit März 2010 im Umlauf. Und: Von einem niedersächsischen Hof kamen Eier in den Handel, obwohl dieser wegen des Dioxin-Skandals gesperrt war. Die Folge: Verunsicherte Verbraucher kaufen jetzt die Bio-Regale leer, und China stoppt Importe.
Unterdessen wurde bekannt, dass aus einem mittlerweile gesperrten Mastbetrieb in Sachsen-Anhalt möglicherweise dioxinbelastetes Schweinefleisch nach Bayern geliefert und verkauft worden ist. Insgesamt sei im Dezember das Fleisch von 400 Tieren, die womöglich mit dioxinverseuchten Futtermitteln gemästet wurden, in die Region Nordbayern geliefert und dort in mehreren Supermärkten verkauft worden, teilte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen auf Anfrage mit und bestätigte damit einen Bericht der "Nürnberger Nachrichten".
"Derzeit steht noch nicht fest, ob das Fleisch tatsächlich mit Dioxin belastet war", sagte eine Behördensprecherin. Das nach Bayern gelieferte Schweinefleisch sei bereits verzehrt worden. Man warte derzeit auf Ergebnisse der Untersuchungen der Behörden in Sachsen-Anhalt. "Wir gehen der Sache nach und sind auf alle Fälle sehr wachsam", sagte die Sprecherin.
Bei Proben wurden die erlaubten Dioxin-Werte um bis zu 50 Prozent überschritten. zum Video
Auch in Niedersachsen, genauer gesagt auf einem Hof im Landkreis Verden, waren Kontrolleure auf erhöhte Dioxin-Werte in Schweinefleisch gestoßen, das bereits in den Handel gelangt sein könnte. Der Grenzwert wurde bei einer Probeschlachtung um die Hälfte überschritten. Das Landwirtschaftsministerium in Hannover hatte zunächst kategorisch ausgeschlossen, dass das Fleisch bereits in Supermarktregalen liegen könnte, dann seine Angaben aber korrigiert.
Der Verdener Kreisveterinär Peter Rojem hatte gleich die Sorge geäußert, dass das vergiftete Fleisch bereits in der ein oder anderen Bratpfanne gelandet sein könnte. Denn zuletzt seien Schweine auf dem Verdener Hof am 29. Dezember geschlachtet worden - gesperrt wurde der Betrieb aber erst Anfang Januar, warnte er.
Auf dem betroffenen Hof sollen nun 140 Tiere getötet werden; insgesamt stehen dort 536 Tiere im Stall. Der Bauer dort hatte sich das Futter selbst zusammengemischt. Allerdings hatte er die Fettkomponenten von Harles und Jentzsch aus Uetersen bezogen, dem Tierfett-Hersteller, von dem der aktuelle Dioxin-Skandal ausgegangen war. Für die Firma braut sich damit weiterer Ärger zusammen: So will das Verbraucherschutzministerium in Nordrhein-Westfalen Regressforderungen gegen Verursacher des Dioxin-Skandals prüfen.
Neun weitere Schweinemäster im Landkreis (zusammen stehen dort rund 8000 Tiere) hätten Futter aus diesem Werk erhalten, erklärte Kreisveterinär Rojem; die Höfe seien gesperrt worden. Erstaunlicherweise trugen die Produkte von Harles und Jentzsch das QS-Gütesiegel, mit dem Lebensmittel wie Fleisch, Wurst, Obst, Gemüse und Kartoffeln gekennzeichnet werden. Das Unternehmen, das das Siegel vergibt, gehört Verbänden der Ernährungswirtschaft. Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn forderte Aufklärung, wie es dazu kam.
Ein weiterer Fall im Dioxin-Skandal wird von den "Nürnberger Nachrichten" berichtet: Bereits im Dezember waren 400 geschlachtete Tiere von einem Mastbetrieb in Sachsen-Anhalt an mehrere Supermärkte in Nordbayern geliefert worden. Dies habe das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen dem Blatt bestätigt. Der Hof sei mittlerweile gesperrt worden, weil der Verdacht bestehe, dass die Schweine mit verunreinigtem Futtermittel gemästet wurden. Ob ihr Fleisch tatsächlich mit Dioxin belastet war, lässt sich aber nicht mehr feststellen - schließlich ist die Ware längst verkauft.
Nach neuen Erkenntnissen der Behörden war mit Dioxin belastetes Futterfett zudem schon seit Monaten im Umlauf - und nicht erst seit Weihnachten. Vom Tierfett-Hersteller Harles und Jentzsch sei bereits seit März 2010 giftiges Futterfett an Mischfutterhändler verkauft worden, sagte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums von Schleswig-Holstein, Christian Seyfert, dem Bielefelder "Westfalen-Blatt". Es gebe belastete Proben aus den Monaten März, Mai und September, sagte der Sprecher. Die genauen Mengen müssten noch ermittelt werden. Dies seien deutliche Hinweise, dass längere Zeit systematisch belastete Futterfette hergestellt und verkauft worden seien.
Kurz darauf kam die nächste alarmierende Nachricht: In mehreren Supermärkten der Region Hannover gelangten Eier eines vorsorglich gesperrten Hofes in den Handel. Ein Verbraucher hatte sich am Montag mit einer entsprechenden Eierpackung an die Behörden gewandt. Die deutschen Verbraucher kaufen unterdessen aus Sorge um ihre Gesundheit die Regale mit Bio-Waren leer. Vor allem Bio-Eier sind gefragt - und vielerorts bereits ausverkauft. Und der Nachschub ist schwierig, weil in den vergangenen Jahren zu wenig Landwirte auf Öko umgestellt hätten, kritisiert Ulrich Hamm, Professor für ökologische Argrarwissenschaften von der Uni Kassel.
Immerhin gibt es auch eine vergleichsweise positive Nachricht: In den vergangenen Tagen waren nur in Proben von Eiern, Legehennenfleisch und zuletzt eben Schweinefleisch erhöhte Dioxin-Werte gemessen worden. Proben bei Hähnchen, Putenfleisch und Kuhmilch wiesen bislang keine Überschreitungen von Grenzwerten auf.
Die Zahl der noch vorsorglich gesperrten Höfe sank nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums vom Dienstagabend auf 490, davon 330 in Niedersachsen, 136 in Nordrhein-Westfalen und 13 in Sachsen-Anhalt. Zeitweise waren bis zu 5000 Höfe gesperrt gewesen.
Bund und Länder wollen nach dem Dioxin-Alarm eine bundesweite Warnplattform für Lebensmittel einrichten, die EU erwägt schärfere Regeln für die Futterproduktion. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) gerät zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik aus der Opposition. Ihre vorgeschlagenen Konsequenzen seien sehr konkret und alles andere als vage, wehrte sich Aigner. SPD und Grüne hatten ihr vorgeworfen, zu unkonkrete und ungenügende Maßnahmen vorzuschlagen.
Das Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) versuchte unterdessen, die Gemüter etwas zu beruhigen. "Wer gelegentlich ein Schnitzel, Würstchen, Schinken oder Wurstwaren isst, braucht nicht mit einer unmittelbaren Wirkung zu rechnen", sagte BfR-Experte Helmut Schafft. Tückisch seien, wie bei dioxinbelasteten Eiern auch, aber mögliche Langzeit-Folgen. Denn: "Je älter ein Mensch wird, desto mehr Dioxin lagert sich im Fett ein."
So wurde der aktuelle Dioxin-Skandal ausgelöst: Kurz vor Weihnachten hatte ein Mischfutterwerk erhöhte Dioxin-Werte in Legehennenfutter gemeldet. Danach entdeckten Kontrolleure dioxinverseuchte Eier- und Geflügelproben. Das Gift soll in einer Firma im niedersächsischen Bösel bei Oldenburg in das Futterfett gekommen sein. Das Unternehmen arbeitet als Spedition für Fette. Die Futterfettproduktion wurde dort wohl illegal betrieben. Die Firma ist ein Partnerunternehmen von Harles und Jentzsch, das nun im Fokus der Ermittlungen steht.
Inzwischen hat China bis auf Weiteres die Einfuhr von Schweinefleisch und Eiern aus Deutschland verboten. Die staatliche Behörde für Qualitätsaufsicht in Peking stoppte alle neuen Importe. Darunter fallen auch Produkte, in denen Schweinefleisch und Eiern verarbeitet werden. Die Einfuhren wurden ausgesetzt, um zu vermeiden, dass Lebensmittel mit schädliche Substanzen in China in den Umlauf kommen.
Quelle: dpa
Wolfi 24.110 schrieb:
am 12. Januar 2011 um 13:31:41
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Dioxin-Skandal: Deutsche kaufen Bio-Regale leer
Wenn ich so an der Fleischtheke stehe und folgenden Satz von einem Kunden/in, vor mir, höre.
"Aber bitte möglichst Mager". Wenn ich dann nicht nackig darstehen würde, würde ich aus der Hose fahren!!!!!
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oswin schrieb:
am 12. Januar 2011 um 13:21:47
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dioxin
Skandal!!!- ...und da lebt ihr noch? Leute! - Bin auf die Preisentwicklung gespannt !
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Moni schrieb:
am 12. Januar 2011 um 13:16:58
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Eierstempel
Ich habe 'mal gehört, dass nicht alle Eier in einer Packung gestempelt sein müssen, da sie aus dem selben Stall (Legebetrieb)
stammen. Dieser ganze Skandal ist hausgemacht, da engmaschige Kontrollen fehlen.Es müssen ganz andere, wirksame Kontrollmechanismen eingeführt werden, um diese kriminellen Machenschaften zu unterbinden.
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