14.01.2011, 11:54 Uhr
Zum Teil ist belastetes Fleisch wohl schon auf dem Teller gelandet (Foto: dapd) (Quelle: dapd)
Der Dioxin-Skandal verdirbt den Bürgern den Appetit auf Eier, Schweinefleisch und Geflügel. Nach den Giftfunden im Futter ging der Absatz dieser Lebensmittel um zehn bis 20 Prozent zurück, wie die Ernährungsindustrie berichtete. Belastetes Schweinefleisch ist aber wohl schon auf dem Teller der Verbraucher gelandet.
Das Fleisch wurde Anfang Januar teils nach Polen und Tschechien verkauft, teils wird noch untersucht, wo es landete, teilte das Gesundheitsministerium von Sachsen-Anhalt mit.
Von Anfang bis Ende Dezember wurden 180 Schweine von einem Hof im niedersächsischen Kreis Verden an einen Schlachthof in Weißenfels in Sachsen-Anhalt geliefert. Der Hof war Anfang Januar gesperrt worden, nachdem dort stark mit Dioxin belastete Schweine gefunden worden waren. Erst am 11. Januar wurde der Schlachtbetrieb, die Firma Tönnies, über die Dioxin-Belastung der Tiere informiert.
Bei Proben wurden die erlaubten Dioxin-Werte um bis zu 50 Prozent überschritten. zum Video
Das Fleisch von 35 Schweinen wurde an einen Betrieb in Polen und zwei Weiterverarbeiter in Tschechien verkauft, wie das Gesundheitsministerium in Magdeburg mitteilte. Diese Tiere waren am 30. Dezember zum Schlachthof gebracht worden, die anderen in den Tagen davor. Ihr Fleisch dürfte längst verzehrt sein. Der Schlachthof prüfe derzeit die Vertriebswege, erklärte das Ministerium.
Der Vorsitzende des Ernährungsindustrieverbandes BVE, Jürgen Abraham, sagte der "Bild"-Zeitung, der Umsatz mit Eiern sei seit Bekanntwerden des Skandals um 20 Prozent eingebrochen. Bei Schweinefleisch und Geflügel lagen die Rückgänge demnach bei jeweils zehn Prozent.
Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Matthias Horst, sagte im SWR, das Ansehen der deutschen Ernährungsindustrie im Ausland sei durch den Dioxin-Skandal beschädigt worden. Der Skandal habe "ein großes Imageproblem für die gesamte Lebensmittelkette ausgelöst".
Die Ernährungsindustrie befürchte einen "Dominoeffekt", der auch auf andere Länder übergreifen könnte. Japan ordnete am Donnerstag schärfere Kontrollen für Fleisch und Eier aus Deutschland an. Zuvor hatten Südkorea und China Importverbote verhängt.
Massiv unter Druck steht derweil Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). In der "Passauer Neuen Presse" kündigte die Ministerin jetzt an, sie plane strengere Standards für die Futtermittelproduktion. "Es wird klar definiert, was in Futtermittel darf. Und das, was reinkommt, muss getestet werden".
Die Testergebnisse müssten den Länderbehörden verpflichtend zur Verfügung gestellt werden. "Außerdem werde ich für eine Trennung der Produktionsströme in Futtermittelbetrieben sorgen und das Dioxin-Monitoring umfassend ausbauen". Sie strebe zudem bei der Qualitätskontrolle von Futtermitteln bundeseinheitliche Standards an.
Quelle: dapd , AFP
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