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Dioxin auch in Schweinefleisch nachgewiesen

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Auch Schweinefleisch mit Dioxin belastet

11.01.2011, 21:41 Uhr

In Schweinefleisch haben Experten einen erhöhten Dioxinwert gefunden  (Foto: dapd)

In Schweinefleisch haben Experten einen erhöhten Dioxinwert gefunden (Foto: dapd)

Erstmals ist auch in Schweinefleisch ein stark erhöhter Dioxinwert nachgewiesen worden. Bei einem Mastbetrieb im niedersächsischen Landkreis Verden ergab eine Probeschlachtung bei einem Schwein den zu hohen Giftgehalt. Mehrere hundert Tiere des Hofes würden getötet und entsorgt, sagte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Hannover, Gert Hahne.

In den Fleischproben aus dem Schweinemastbetrieb im Landkreis Verden liegt der Dioxin-Wert um 50 Prozent über dem zulässigen Höchstwert. Die Probe habe einen Wert von 1,5 Billonstel Gramm Dioxin ergeben, sagte der zuständige Veterinär des Landkreises Verden, Peter Rojem. Der Grenzwert liegt bei 1,0 Billionstel Gramm. Der betroffene Betrieb gehörte den Angaben zufolge zu den Kunden, die mit Futtermitteln des Unternehmens Harles und Jentzsch aus Schleswig-Holstein beliefert worden waren. Die Firma steht im Verdacht, 3000 Tonnen mit Dioxin verseuchtes Fett verkauft zu haben, das zu Tierfutter verarbeitet wurde.

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Tiere werden geschlachtet

Bei einem zweiten Schweinemäster in Niedersachsen wurde zudem ein Tier entdeckt, dessen Belastung im Grenzbereich liegt. Dort werden weitere Proben genommen, der Hof bleibt gesperrt. Landrat Peter Bohlmann sagte, der Betrieb gehöre einem Futtermittelhändler, der auch einen Maststall habe. Insgesamt halte der Landwirt 536 Tiere. Davon müssen aus Gründen des Verbraucherschutzes jetzt 140 geschlachtet werden. Veterinär Rojem ergänzte, das Fleisch werde vernichtet. Die restlichen Schweine bekämen jetzt unbelastetes Futter und würden unmittelbar vor der Schlachtreife auf Dioxin überprüft.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums sind derzeit noch 330 Betriebe in Niedersachsen gesperrt. Die Schweine- und Putenmäster sowie Legehennenbetriebe würden einzeln kontrolliert, um Risiken für die Lebensmittelsicherheit auszuschließen. Zeitweise durften bis zu 5000 Agrarbetriebe bundesweit keine Eier oder Fleisch mehr verkaufen.

Kam das Fleisch in den Handel?

Widersprüchliche Angaben gibt es dazu, ob Dioxin-Schweinefleisch von dem Hof im Landkreis Verden in den Handel gekommen sein könnte. Der niedersächsische Agrarstaatssekretär Friedrich-Otto Ripke schloss dies kategorisch aus, der Verdener Kreisveterinär Peter Rojem ist sich da nicht so sicher. Zuletzt seien Schweine am 29. Dezember geschlachtet worden - gesperrt worden sei der Betrieb aber erst Anfang Januar, warnte er. Ripke hingegen erklärte im NDR, alle Betriebe, die belastetes Futtermittel empfangen haben, seien gesperrt worden. "Ich kann sicher sagen, dass belastetes Schweinefleisch nicht in den Handel gelangen wird, und wir können ausschließen, dass dioxinbelastetes Schweinefleisch bereits in den Handel gelangt ist", sagte er.

In mehreren Supermärkten der Region Hannover waren bereits Eier eines vorsorglich gesperrten Hofes in den Handel gelangt. Ein Verbraucher hatte sich am Montag mit einer entsprechenden Eierpackung an die Behörden gewandt.

Tückische Langzeitfolgen für den Menschen

Dioxin kann Krebs auslösen. Dennoch hätte der Verzehr von dioxinbelastetem Schweinefleisch nach Angaben des Berliner Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Gesundheit. "Wer gelegentlich ein Schnitzel, Würstchen, Schinken oder Wurstwaren isst, braucht nicht mit einer unmittelbaren Wirkung zu rechnen", sagte BfR-Experte Helmut Schafft. Tückisch seien aber, wie bei dioxinbelasteten Eiern auch, mögliche Langzeit-Folgen. "Je älter ein Mensch wird, desto mehr Dioxin lagert sich im Fett ein", sagte Schafft. Deshalb sei es so wichtig, dioxinbelastete Lebensmittel aufzuspüren.

Ruf nach hohen Strafen

Alle Parteien fordern Konsequenzen. Ministerin Ilse Aigner (CSU) regte an, dass Futterhersteller nur noch unter strengen Bedingungen zugelassen werden. Und sie sollen nicht mehr parallel Futterfette und technische Fette herstellen dürfen. Kriminelle Panschereien gelten als Ursache des Skandals. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel kritisierte: "Wer Lebensmittel stiehlt, wird bestraft, wer Lebensmittel vergiftet, kommt viel zu oft davon." Er forderte "die gläserne Produktion und den gläsernen Vertrieb von Lebensmitteln".

Der niedersächsische Justizminister Bernd Busemann (CDU) forderte hohe Strafen für die Verantwortlichen. "Wenn sich das alles so bewahrheitet, ist das erhebliche kriminelle Energie", sagte der Minister. Die Hauptverantwortung sieht Busemann nach den bisherigen Ermittlungen bei Harles und Jentzsch. "Hier wird über erhebliche Freiheitsstrafen nachzudenken sein", sagte er. Betrug im besonders schweren Fall zieht Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren nach sich

Industriefett künftig einfärben?

Niedersachsen will nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums vorschlagen, Industriefett künftig einfärben zu lassen. Die FDP will Panschereien in der Futterindustrie mit einer Gesetzesverschärfung unterbinden. "Die gängige Praxis, kontaminierte Futtermittel soweit zu verdünnen, dass sie unter dem festgelegten Auslösewert liegen, muss unterbunden werden", heißt es in einem Positionspapier der Fraktionssprecherin für Ernährung und Landwirtschaft, Christel Happach-Kasan. Sie schlug vor, schon am Anfang der Kette, etwa bei den Futterfettproduzenten, härtere Regeln einzuführen.

Bund und Länder wollen nach dem Dioxin-Alarm eine bundesweite Warnplattform für Lebensmittel einrichten, die EU erwägt schärfere Regeln für Futterproduktion. Die Verbraucher kaufen unterdessen aus Sorge um ihre Gesundheit die Regale mit Bio-Eiern leer.

Kurz vor Weihnachten hatte ein Mischfutterwerk erhöhte Dioxin-Werte in Legehennenfutter gemeldet. Danach entdeckten Kontrolleure dioxinverseuchte Eier- und Geflügelproben. Das Gift soll in einer Firma im niedersächsischen Bösel in das Futterfett gekommen sein. Das Unternehmen arbeitet als Spedition für Fette. Die Futterfettproduktion wurde dort wohl illegal betrieben. Die Firma ist ein Partnerunternehmen von Harles und Jentzsch, das nun im Fokus der Ermittlungen steht.


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Quelle: AFP , dpa , dapd

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Kommentare (70)

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Thema: "Dioxin auch in Schweinefleisch nachgewiesen "

horti schrieb: am 11. Januar 2011 um 20:42:56
(0) (0) Dioxin
Bitte setzt die zuständigen Politiker und Ämter in Trab, schaltet die Strafverfolgungsbehörden auf Hochtouren, um diesen Saustall
auszumisten. Die kriminellen Verursacher un ihre Handlanger gehören schnellstens hinter Gitter.
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Egal schrieb: am 11. Januar 2011 um 20:38:23
(0) (0) Dioxin in...
Auch wenn Ihr es nicht wahr haben wollt. wir Verbraucher sind schon mit daran Schuld. Wer will denn rund um die Uhr Alles und
Überall haben und das natürlich billg ? Wieviel Lebensmittel werden weggeworfen ?Wie wenig wird von einen Tier überhaupt gegessen (zu viele minderwertige Teile) ?Wieviele Lebensmittel werden in der kosmetischen Industrie vernichtet nur damit man die Falten nicht sieht ? Denkt mal darüber nach. Lebensmittel sollten trotzdem Giftfrei sein.
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prawda schrieb: am 11. Januar 2011 um 20:37:18
(0) (0) Schweinerei
Habt ihr euch je gefragt warum z.B. Streichwurst ohne Kühlung xxMonate haltbar ist? Warum Backwaren aus dem Billigregal im
Supermarkt auch nach Monaten nicht schimmeln? Früher konnte Brot binnen Wochenfrist Schimmel ansetzen ! Äpfel/Birnen/Apfelsinen und Kollegen bleiben heute über Wochen "dauerschön" ! Leute, Chemie ist überall !
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