Dieter Althaus kehrt nach Thüringen zurück (Foto: ddp)
Rund elf Wochen nach seinem Skiunfall hat sich Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus erstmals wieder öffentlich zu Wort gemeldet. Durch den Unfall sei er von heute auf morgen in ein anderes Leben gekommen, sagte der CDU-Politiker in einem Interview mit der "Bild am Sonntag". Die Nachricht über den Tod der Skifahrerin Beata C. sei ein "furchtbarer Schock" gewesen. Althaus kehrt vermutlich am nächsten Mittwoch nach Thüringen zurück. Derzeit befindet er sich noch in einer Reha-Klinik am Bodensee.
"Schuld ist nicht die richtige Kategorie, um ein solch tragisches Unglück zu bewerten, sagte Althaus dem Blatt. "Ich fühle mich aber verantwortlich." An den Unfall selbst habe er keine Erinnerung mehr. "Mein allererstes festes Bild stammt aus Jena, etwa zehn Tage nach dem Unfall. Da stehen der Chefarzt und seine Ärzte bei der Visite um mich."
"Es lässt mich auch jetzt noch nicht los"
Seine Frau habe ihm schon früh von dem Unglück und der toten Frau erzählt. Anfangs habe er die Tragweite nicht erfassen können. Doch als er es verstanden habe, sei für ihn klar gewesen, dafür gerade zu stehen. "Es lässt mich auch jetzt noch nicht los, dass ein so schreckliches Unglück passieren konnte. Und dass ich in diesen tragischen Unfall verwickelt bin."
Er selbst sehe sich auf einem guten Weg. In den ersten Wochen nach dem Unfall sei er unkonzentriert gewesen, auch sei der Sprachfluss zeitweise stark beeinträchtigt gewesen. Das habe sich nun geändert. Vor allem in den letzten zwei Wochen habe er "große Fortschritte" gemacht. Er brauche deutlich weniger Medikamente, und auch die Therapie schlage an. "Die Talphase habe ich hinter mir. Jetzt geht es aufwärts."
Ambulante Therapie in Thüringen
Althaus bekräftigte seine Entschlossenheit, ab Sommer wieder aktiv Politik zu machen: "Nach Abschluss der Klinikphase kehre ich nach Thüringen zurück. Dort folgt eine Phase der ambulanten Therapie. Noch vor der Sommerpause werde ich politisch wieder an Bord sein."
Spitzenkandidat für die Landtagswahl
Am Samstag hatten ihn die Delegierten der thüringischen CDU in Abwesenheit zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl Ende August gekürt. Althaus erhielt 94,6 Prozent der Stimmen. Bei seiner Nominierung hatte Althaus lediglich eine Erklärung zu dem Unfall und zu seinen politischen Zukunftsplänen verlesen lassen.
Rückkehr in den nächsten Tagen?
Nach Informationen der "Thüringer Allgemeinen" kehrt Althaus schon innerhalb der nächsten Tage in seinen Wohnort Heiligenstadt im Eichsfeld zurück. Für nächsten Dienstag haben die Ärzte der Rehabilitationsklinik in Allensbach am Bodensee eine letzte Pressekonferenz angekündigt, auf der sie über den stark verbesserten Gesundheitszustand des Regierungschefs berichten werden.
Althaus bezeichnet Reaktionen als fair
Althaus selbst sagte der Zeitung, er freue sich darauf, seine Arbeit wieder voll aufzunehmen. Der CDU-Politiker forderte zugleich die Opposition zu Fairness im Wahlkampf auf. "Bisher haben sich nicht nur meine politischen Freunde vorbildlich verhalten, sondern auch unsere politische Gegner haben grundsätzlich fair auf meinen Skiunfall reagiert", sagte Althaus. Er wünsche sich, dass diese Fairness auch den Wahlkampf prägen werde.
Verhandlungen mit Angehörigen laufen noch
Auf einer Piste in Österreich war er mit der 41 Jahre alten Beata Christandl zusammengestoßen, die auf dem Weg ins Krankenhaus starb. Althaus selbst erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Er war in einem Blitzverfahren in Österreich wegen fahrlässiger Tötung zu einer Strafe von 33.000 Euro und einem Schmerzensgeld von 5000 Euro verurteilt worden. Mit den Angehörigen wird zudem noch über weitere Zahlungen verhandelt.