Dieter Althaus wurde nach Jena verlegt (Quelle: ddp)
Nach der Verlegung an die Uni-Klinik in Jena haben die Ärzte ein striktes Besuchsverbot für Althaus verhängt. Dies galt auch für einen möglichen Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich am Wochenende zur CDU-Vorstandsklausur im nahegelegenen Erfurt aufhielt. "Ein Besuch von Angela Merkel ist aus medizinischer Sicht nicht in Herrn Althaus' Interesse, sagt der medizinische Vorstand der Klinik, Klaus Höffken nach einem Bericht der "Bild am Sonntag". Experten werteten das Verbot als ungewöhnlich.
Dennoch hofft die Staatsanwaltschaft, den verletzten Ministerpräsidenten bereits in dieser Woche erstmals vernehmen zu können. Das berichtet die "Leipziger Volkszeitung" unter Berufung auf nicht näher bezeichnete informierte Kreise in Erfurt.
Unterdessen muss Althaus wohl mit Schadenersatzforderungen rechnen. Das kündigte der Anwalt der Familie der bei dem Unfall tödlich verletzten Skifahrerin im "Focus" an. "Der Ministerpräsident hätte so fahren müssen, dass er niemanden gefährdet. Das war anscheinend nicht der Fall", zitierte "Focus" den Anwalt der Hinterbliebenen, Alexander Rehrl. Zur Höhe einer möglichen Schadenersatzforderung äußerte sich der Anwalt nicht. Rehrl sagte, er hoffe auf eine außergerichtliche Einigung. Andernfalls werde er eine Zivilklage anstreben.
Anklage wegen fahrlässiger Tötung möglich
Die Staatsanwaltschaft in Österreich will in rund vier Wochen darüber entschieden, ob es zu einer Anklage gegen Althaus wegen fahrlässiger Tötung kommt. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Leoben, Walter Plöbst, sagte gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Spiegel", ein tödlicher Unfall müsse nach österreichischem Recht vor Gericht verhandelt werden, auch wenn dem Überlebenden nur eine Teilschuld angelastet werde. Anwalt Rehrl geht laut "Spiegel" davon aus, dass die Staatsanwaltschaft nach Abschluss der Ermittlungen Anklage wegen fahrlässiger Tötung erheben wird.
Althaus war nach bisherigen Ermittlungen etwa 40 Kilometer pro Stunde schnell, als er am Neujahrstag auf der Skipiste in der Steiermark frontal mit der Skifahrerin zusammenprallte, berichtet der "Spiegel". Der thüringische Ministerpräsident war demnach entgegen der Fahrtrichtung links abgebogen und die andere Piste, auf der die Frau unterwegs war, ein Stück hochgefahren. Auch der österreichische Anwalt von Althaus räumte laut "Spiegel" ein, dass der Ministerpräsident "nach Lage der Dinge ein Stück bergauf" gefahren sei. Althaus habe sich aber weder "rücksichtslos, ungewöhnlich, noch auffällig" verhalten.
Vogel springt für Althaus ein
Zur Vorbereitung der Landtagswahl am 30. August und Kompensation des Ausfalles von Althaus springt nach CDU-Angaben der frühere Ministerpräsident Bernhard Vogel ein. Vogel werde "jeden Wahlkreis im Freistaat besuchen", sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Mike Mohring. Vogel habe auch angeboten "noch mehr zu tun", falls er gebraucht werde. Althaus hatte das Ministerpräsidentenamt am 5. Juni 2003 von seinem politischen Ziehvater Vogel übernommen.