30.01.2011, 18:00 Uhr | Ein Kommentar von Bernhard Felmberg
(Foto: The italien Voice)
Natürlich melden sich nun Bedenkenträger von allen Seiten. So berechtigt ihre Einwände teilweise sein mögen ich finde den Vorstoß von Volker Kauder im Grundsatz sehr gut. Dass die Zahl der Spenderorgane in Deutschland erhöht werden muss, ist unumstritten. Niemand will, dass Menschen leiden und sterben, weil es keine passenden Spenderorgane für sie gibt.
Zuletzt war es der Deutsche Ethikrat, der einen Vorschlag zur Erhöhung der Organspenden machte, und das war anno 2007. Geändert hat sich seitdem: nichts. Durch den offenen Umgang mit seiner Nierenspende an seine Frau hat Frank-Walter Steinmeier einen ersten, wichtigen Schritt gemacht, Volker Kauder geht diesen Weg konsequent weiter. Endlich ist wieder Bewegung in die Diskussion gekommen, und es ist zu hoffen, dass es nicht bei Worten bleibt.
Aus christlicher Perspektive ist die Bereitschaft, ein Organ zu spenden, ein beispielhafter Akt der Nächstenliebe, aber weder Bürger- noch Christenpflicht. Wer sich dafür entscheidet, handelt ethisch verantwortlich, er ergreift eine Möglichkeit, Nächstenliebe über den Tod hinaus zu praktizieren. Doch auch wer sich gegen eine Organspende entscheidet, kann Gründe haben, die zu respektieren sind. Moralischer Druck ist fehl am Platz.
In dieser Hinsicht ist Volker Kauders Idee vorbildlich, denn gerade dadurch, dass er die Organspendenbereitschaft automatisiert abfragen und mit einer eher bürokratischen Maßnahme verknüpfen will, wird eine außerordentliche, möglicherweise Druck erzeugende Fragesituation umgangen. Die Idee, eine solche Abfrage mit der Beantragung des Führerscheins zu koppeln, hat für mich einigen Charme. Denn hier verbindet sich mit der sinnvollen Frage nach der Organspende der Hinweis auf die Gefahr, die mit der Teilnahme am Straßenverkehr gegeben ist. Wer alt genug ist, Auto zu fahren, sollte auch alt genug sein für den Anstoß, die Zerbrechlichkeit seines Lebens nicht auszublenden und darüber nachzudenken, was im Todesfall mit dem eigenen Körper geschehen soll.
Trotzdem sind die Vorschläge Kauders natürlich beispielhaft gemeint. Es ist unstrittig, dass die Mitarbeiter eines Amtes die Beratung im Blick auf die Organspende nicht zu leisten vermögen. Dass diese Beratung notwendig ist, beschreibt Harald Terpe in seinem Kommentar zu Recht. Zu viele Menschen haben Ängste, Bedenken oder auch nur Fragen, die nicht durch ein Informationsblatt beantwortet werden können. Da braucht es qualifizierte Fachkräfte, die die nötige Aufklärung leisten können. Gut kann ich mir diese Aufgabe in einem Krankenhaus oder in einer Arztpraxis vorstellen. Bedenkenswert finde ich auch den Vorschlag von Professor Eckhard Nagel. Der Chefarzt und Leiter des Transplantationszentrums im Klinikum Augsburg hat sich unlängst dafür ausgesprochen, die Organspendebereitschaft im Zuge des Eintritts in die Krankenkasse abzufragen.
Eines darf bei all den Lösungsvorschlägen zur Organspende nicht vergessen werden: Nicht allein die Zahl der potenziellen Spender ist entscheidend. Auch die Krankenhäuser müssen adäquat ausgerüstet sein. Bislang gibt es zu wenige Transplantationsbeauftragte, die gewährleisten, dass die Möglichkeit einer Organspende überhaupt genutzt werden kann. Auch muss es sich rechnen, Transplantationen durchzuführen. Dafür allerdings ist Geld nötig. Ich bin zuversichtlich, dass die Bundesregierung bereit ist, für eine nachhaltige Lösung der Organspendenproblematik auch finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen.
Der Autor wurde am 20.7.1965 in Berlin geboren. 1984 - 1991 Studium der Evangelischen Theologie, Ordination im Dezember 2000. 2002 - 2009 Leiter der Abteilung für Theologische Aus-, Fort- und Weiterbildung im Konsistorium der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Seit Februar 2009 ist er Bevollmächtigter des Rates der EKD. Vorsitzender der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) und der Evangelischen Zentralstelle für Entwicklungshilfe (EZE); Aufsichtsratsmitglied des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED).
Ein Kommentar von Bernhard Felmberg
Stefan schrieb:
am 30. Januar 2011 um 19:24:45
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keinen Zwang
Ich habe seit meinem 18 Lebensjahr einen Organspendeausweis und gehe regelmäßig Blutspenden. Wenn man aber gezwungen wird ist
das keine Spende mehr. Ich würde jedem ins Gewissen reden der nicht dazu bereit ist zu spenden, aber niemals jemanden zwingen.
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Nina schrieb:
am 30. Januar 2011 um 19:00:28
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plötzlich Nächstenliebe
Solange schon Finanzielle- und Behandlungsprobleme bei normalen ärztl. Behandlungen gibt - warum sollen wir uns
auf so etwas einlassen. Es profitieren bestimmt nicht die gesetzl. Versicherten. Hier soll man Nächstenliebe üben - aber woanders nicht. Wir sind kein Ersatzteillager. Man soll lieber dafür sorgen das die Menschen nicht mit Lebensmitteln usw. vergiftet werden. Ministerin Aigner schafft das Vetorecht des Bundesumweltamtes bei Zulassung von Giften ab.
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Fiete schrieb:
am 30. Januar 2011 um 18:37:28
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Organspenden
Erst wird das Rauchen erschwert, weil Raucher sich schlechter als Spender ausschlachten lassen und nun sollen wir gesetzlich
gezwungen werden. Für Transplantationen ist Geld und Zeit da aber normale Kranke müssen warten.
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