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Die US-Vorherrschaft im All ist in Gefahr

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Die US-Vorherrschaft im All ist in Gefahr

29.07.2008, 10:34 Uhr | Von Peer Meinert, dpa

Noch immer der größte Erfolg der NASA: die weltweit erste Mondlandung 1969 mit "Apollo 11". Die Astronauten Neil Armstrong und Edwin E. Aldrin hissen die US-Flagge (Quelle: dpa) Noch immer der größte Erfolg der NASA: die weltweit erste Mondlandung 1969 mit "Apollo 11". Die Astronauten Neil Armstrong und Edwin E. Aldrin hissen die US-Flagge (Quelle: dpa)Schon seit Monaten wird bei der NASA der 50. Geburtstag begangen - es gibt Workshops, Foren, Konferenzen. Alles gut gemeint - nur die echte Feierlaune fehlt bei der US-Weltraumbehörde. Denn die großen Triumphe wie die Landung auf dem Mond liegen fast 40 Jahre zurück. Heute wird die Konkurrenz wird immer größer, Russen, Europäer und Japaner haben immer ehrgeizigere Pläne, China und Indien drängen mit Macht auch ins All. Die Jahrzehnte währende amerikanische Vorherrschaft im All ist stark gefährdet.

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Teure Riesenbehörde

Am 29. Juli 1958 unterschrieb Präsident Dwight D. Eisenhower die Gründungsakte der neuen US-Raumfahrtbehörde. Am 1. Oktober nahm die NASA ihre Arbeit auf - das ist auch der Termin für die offiziellen Feierlichkeiten dieses Jahr. Aber die Stimmung ist nicht gerade ideal für ein Jubiläum. Das Budget der NASA ist seit Jahren schwer zusammengestrichen, selbst die einst so gerühmtem Space-Shuttles werden demnächst eingemottet. Und die ersten privaten Projekte machen neben der internationalen Konkurrenz deutlich, wie schwerfällig und teuer die Riesenbehörde arbeitet.

"Wir leben von den Früchten"

NASA-Chef Michael Griffin höchstpersönlich schlug jüngst Alarm: "Wir haben viele Dutzend Milliarden Dollar ausgegeben, um im Weltall einen klaren Vorsprung über alle anderen Länder der Erde zu bekommen." Doch in den vergangenen 15 Jahren sei der NASA-Etat inflationsbereinigt um sage und schreibe 20 Prozent verringert worden. "Wir leben von den Früchten, die wir in den ersten 40 Jahren erreicht haben."

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Ein ur-amerikanischer Traum

Dabei hat die NASA - das bekannte Kürzel steht für "National Aeronautics and Space Administration" - den USA den größten nationalen Triumph seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges beschert. Die Landung auf dem Mond am 20. Juli 1969, die Bilder der Astronauten in ihren unförmigen glänzenden Schutzanzügen in der grauen Mondlandschaft, die Fußabdrücke im Mondstaub, der Sternenbanner auf dem Erdtrabanten - das alles sind süße Erinnerungen, tief eingegraben ins Bewusstsein der Nation. Schließlich ist Weltraumfahrt, vor allem die bemannte, ein Stück ur-amerikanischer Traum: eine Mischung aus Pioniergeist und Aufbruch zu neuen Grenzen.

Beginn mit einem Schock

So richtig begonnen hat das amerikanische Unternehmen Raumfahrt allerdings mit einer blamablen Niederlage: mit dem sogenannten "Sputnik-Schock". Als ausgerechnet die Sowjetunion im Oktober 1957 erstmals einen Satelliten ins Weltall transportierte, stürzte für die Amerikaner eine Welt zusammen. Mit einem Schlag wurde klar, dass die ansonsten in Wissenschaft und Technik eher belächelten Russen zu Überraschungen in der Lage sind. Präsident Eisenhower handelte prompt: Er unterzeichnete die NASA-Gründungsakte - zwei Monate später nahm die Behörde ihre Arbeit auf. 8000 Mitarbeiter zählte das neue Unternehmen von Beginn an, heute sind es rund 18.000.

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Noch eine Niederlage

Doch zunächst blieben die Sowjets im "space race", in dem vom Kalten Krieg geprägten Weltraum-Rennen, weiterhin in Führung. Am 12. April 1961 schickten die Russen mit Juri Gagarin den ersten Menschen ins Weltall. Eine neuerliche Niederlage: Es dauerte bis zum 20. Februar 1962, bis das mit Astronaut John Glenn auch der NASA gelang. Doch es war der letzte große Erfolg, den die kommunistische Konkurrenz für sich verbuchen konnte. Von nun an lief die NASA-Maschine auf Hochtouren.

Ein ehrgeiziger Plan

Präsident John F. Kennedy hatte 1961 das Ziel vorgegeben - bis zum "Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond zu landen und ihn wieder sicher zur Erde zurückzubringen". Das Apollo-Unternehmen begann. Es war die Hochzeit des Kalten Krieges und der Raumfahrt, niemals danach hatten die USA einen solche wissenschaftlich-technische Herkulesaufgabe erfolgreich bewältigt. Führender Kopf der NASA-Ingenieure war Wernher von Braun, der zuvor in Nazi-Deutschland die V2-Rakete entwickelt hatte, mit der Hitler britische Städte in Schutt und Asche legen wollte.

Zweifel immer größer

Doch mit dem Triumph auf dem Mond war der Zenit im Wettrennen im All überschritten: Der Vietnamkrieg und die Grenzen des Wachstums, Geldmangel und immer größer werdende Zweifel am Sinn und Nutzen der bemannten Raumfahrt lähmten den Drang. Hinzu kamen schwere Unglücke wie die Explosion der Raumfähre "Challenger" im Januar 1986 und die "Columbia"-Katastrophe, als im Februar 2003 der Shuttle beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühte - beide Male starben alle sieben Astronauten.

Ende einer Ära eingeläutet

Auch ansonsten erwiesen sich Raumfähren eher als Flops: Ursprünglich sollten die wiederverwendbaren Shuttles die Fliegerei ins All billiger machen. Doch die Rechnung ging nicht auf, tatsächlich fraßen die hochkomplizierten Raumgleiter über Jahrzehnte den Löwenanteil des NASA-Etats auf. Auch die von vielen Experten hochgelobte internationale Raumstation ISS konnte an den Problemen nichts ändern. Seit 1998 sind Russen, Amerikaner, Japaner und Deutsche dabei, die Station rund 400 Kilometer über der Erde aufzubauen. Erst im Februar installierten die Europäer ihr Weltraumlabor "Columbus", ein Meilenstein für die europäische Raumfahrt. Erst jüngst gab die NASA offiziell bekannt, dass im Mai 2010 die Shuttle-Flüge eingestellt werden.

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Russische Mitfahrgelegenheit

Wer dann noch zur ISS will, ist mindestens fünf Jahre lang auf Mitfahrgelegenheiten in einer der wesentlich kleineren und kreuzunbequemen "Sojus"-Raumkapseln angewiesen. Ein russisches Monopol im All - noch vor Jahren wäre das in den USA undenkbar gewesen. Es heißt, dass bei der NASA deshalb schwerer Katzenjammer umgehe. Denn der neue US-Raumtransporter "Orion" soll frühesten 2015 einsatzbereit sein.

Visionen ohne Funke

Um wieder für die rechte Weltraumbegeisterung zu sorgen, gab Präsident George W. Bush neue Ziele vor: "Zurück zum Mond, zum Mars und darüber hinaus", heißt das Motto. Im Jahr 2020 soll wieder ein Amerikaner seinen Fuß auf den Mond setzten. Dann wollen die Amerikaner dort sogar eine ständige Mondbasis bauen, sozusagen als Sprungbrett für weitere Mission. 2037 soll dann erstmals ein Amerikaner auf dem Mars landen. Doch trotz großer Ziele und klarer Vorgaben - noch fehlt der rechte Funke, so richtig hat die Vision noch nicht eingeschlagen.


Von Peer Meinert, dpa  

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