DDR-Fernsehliebling und Sportreporterlegende Heinz Florian Oertel (Foto: imago)
Als am 25. Februar 1989 die Fernsehlieblinge der DDR gekürt wurden, ahnte wohl niemand, dass es die letzte Preisverleihung dieser Art in diesem Land sein würde. Fast 30 Jahre lang war diese Wahl ein Indiz dafür, welche Sänger, Schauspieler oder Moderatoren zwischen Ostsee und Erzgebirge angesagt waren. Mit Sportreporter Heinz Florian Oertel und Nachrichtensprecher Klaus Feldmann sowie den Moderatoren Carmen Nebel und Wolfgang Lippert standen 1989 Preisträger aus zwei Generationen auf der Bühne. Und während für Oertel und Feldmann, die schon 17 bzw. 14 mal zum TV-Liebling gewählt wurden, mit dem Ende der DDR auch die Karriere zu Ende gingen, lagen vor Nebel und Lippert glorreiche Zeiten im wieder vereinigten Deutschland. Wer noch in der DDR zu den großen Stars zählte, erfahren Sie in unseren Foto-Shows.
Im DDR-Fernsehen waren es Serien wie "Zur See" und "Polizeiruf 110", Samstagabendshows wie "Ein Kessel Buntes" oder Musiksendungen wie "Bong", die den Stars eine Bühne gaben. Die Entertainerin Helga Hahnemann, Schlagerstar Frank Schöbel und Moderatorin Petra Kusch-Lück zählten zu den ganz Großen ihres Genres. Das Komikerduo Herricht und Preil sorgte für ausgelassenes Lachen. Monika Hauff und Klaus-Dieter Henkler ließen die Freunde der Volksmusik schunkeln, Ostdeutschlands Rockband Nummer eins waren die Puhdys. Und auf der Kinoleinwand eroberte mit Gojko Mitic ein gebürtiger Serbe, verkleidet als Indianerhäuptling, die Herzen des Publikums.
Wie schmal der Grat zwischen künstlerischer Freiheit und staatlicher Angepasstheit für viele DDR-Prominente war, machen die vielen Ausreisen von Kulturschaffenden deutlich. Als der Liedermacher Wolf Biermann 1976 wegen kritischer Äußerungen ausgebürgert wurde, solidarisierten sich viele berühmte Persönlichkeiten mit ihm und bekamen die Konsequenzen zu spüren. So erhielten Stars wie Manfred Krug und Armin Müller-Stahl keine Rollen mehr und kehrten dem Land den Rücken. Andere, wie zwei Musiker der bereits verbotenen Band Renft, wurden verhaftet und unter Androhung langer Gefängnisstrafen zur Ausreise gezwungen. Weitere Künstler nutzten ihre Auftritte in Westdeutschland, um dort zu bleiben.
Wolfgang Lippert: DDR-Fernsehliebling und neunmaliger "Wetten, dass..?"-Moderator (Foto: cinetext)
Fuß fassen nach der Wiedervereinigung
Im wieder vereinigten Deutschland sah es dann erst so aus, aus gäbe es für die Stars aus dem Osten kaum eine Zukunft. Doch das änderte sich bald: 1992 übernahm Wolfgang Lippert von Thomas Gottschalk die Sendung "Wetten, dass..?", die er neunmal moderierte und trotz guter Quoten wieder an Gottschalk abtreten musste. Carmen Nebel moderierte ab 1994 "Die Feste der Volksmusik" in der ARD. Zwei aktuelle "Tatort"- und ein "Polizeiruf 110"-Hauptdarsteller starteten ihre Karrieren in der DDR: Simone Thomalla, Jan Josef Liefers und Jaecki Schwarz. Und nicht zuletzt dank einem im Osten aufgewachsenen Schauspieler gewann Deutschland im Jahr 2007 endlich wieder einen Oscar: Ulrich Mühe spielte die Hauptrolle in "Das Leben der Anderen".
Neuer Preis für beliebte Promis
Selbst eine Art Fernsehlieblingspreis wird seit 1995 wieder jährlich verliehen. Ein Stars aus ganz Deutschland, versteht sich. Veranstaltet vom Mitteldeutschen Rundfunk und der Zeitschrift "Super Illu" werden Persönlichkeiten aus Kultur, Medien, Sport und Politik mit der "Goldenen Henne" geehrt. Der Titel leitet sich vom Spitznamen der 1991 verstorbenen Kabarettistin und Schauspielerin Helga Hahnemann (Henne) ab, die mit ihrer frechen Art eine Art Kultfigur der DDR war - und natürlich mehrfacher Fernsehliebling.