Anhänger der Opposition im Iran protestieren gegen den Ausgang der umstrittenen Präsidentschaftswahl (Foto: dpa)
Erstmals seit fast zwei Wochen sind im Iran wieder tausende Anhänger der Opposition auf die Straße gegangen. Sie zogen am Donnerstag durch die Innenstadt von Teheran und protestierten gegen das Ergebnis der umstrittenen Präsidentenwahl. Die Polizei ging mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor, die "Tod dem Diktator" skandierten.
Die Sicherheitskräfte bemühten sich laut Augenzeugen vergeblich, die Kundgebungen an verschiedenen Plätzen der Hauptstadt aufzulösen. Berichte über Verletzte oder Festnahmen gab es zunächst nicht.
Handy-Netz fiel aus
Viele der Demonstranten trugen Atemschutzmasken in Grün, der Kennfarbe von Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi. Zahlreiche Autofahrer hupten aus Solidarität mit den Demonstranten. Kurz nach Beginn der Protestaktionen fiel das Handy-Netz in Teheran aus. Das Versenden von SMS war schon seit drei Tagen nicht mehr möglich - offenbar, um die Organisation der Demonstrationen zu erschweren.
Rund 20 Demonstranten getötet
Mussawis Anhänger bemühten sich schon seit Tagen die Protestbewegung gegen den am 12. Juni offiziell wiedergewählten Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad wiederzubeleben. Vor knapp zwei Wochen hatten die iranischen Sicherheitskräfte Massendemonstrationen von mehreren hunderttausend Menschen gewaltsam beendet. Mindestens 20 Demonstranten wurden getötet und 1000 festgenommen.
Gedenken an Studentenproteste von 1999
Die Opposition gedachte mit den neuen Protesten am Donnerstag zugleich der Studentenproteste an der Teheraner Universität vor zehn Jahren. Bei deren blutiger Niederschlagung am 9. Juli 1999 war ein Student in einem Wohnheim getötet worden. Vor Beginn der Kundgebungen hatte der Gouverneur von Teheran Mussawis Anhänger vor weiteren Protesten gewarnt und mit deren Niederschlagung gedroht. Die amtliche Nachrichtenagentur IRNA zitierte Gouverneur Mortesa Tamaddon mit den Worten, wer dem Aufruf zu neuen Protesten folge, werde "unter den Füßen unserer wachsamen Leute zerschmettert".
Pahlavi: Militär könnte Seiten wechseln
"Es wird für das Regime immer schwieriger, den Widerstand zu brechen", sagte der ehemalige Kronprinz Reza Pahlavi am Donnerstag im ZDF "heute-journal". Der in den USA lebende Schah-Sohn hat nach eigenen Angaben gute Kontakte in den Iran. Mitglieder bewaffneter Einheiten hätte ihm berichtet, "dass sie nicht länger auf unschuldige Bürger schießen wollen". Seine Quellen beim Militär und Geheimdienst des Irans hätten signalisiert, dass sie bereit seien, die Seiten zu wechseln.
Schah-Sohn will zurück in den Iran
Zu einer möglichen zukünftigen Rolle gefragt, sagte der Schah-Sohn: "Ob Monarchie oder Republik, das soll das Volk entscheiden." Der 48-Jährige, dessen Vater 1979 aus dem Iran vertrieben wurde und 1980 starb, will eines Tages in seine Heimat zurückkehren. Er hat aber keine Thronansprüche angemeldet und setzt sich nach eigenen Angaben für eine säkulare parlamentarische Demokratie ein. Nach kurzen Exilaufenthalten in Marokko und Ägypten lebt Reza Pahlavi seit mehr als zwei Jahrzehnten in den USA.