26.01.2012, 13:45 Uhr | Ein Kommentar von Sebastian Pfeffer
Der Mann mit dem Hut - wo ist er? (Quelle: dpa)
Wer Freiheit schützen will, steht vor einem grundlegenden Dilemma: Da wo der Schutz anfängt, hört die Freiheit bald auf. Besonders deutlich wird das im Fall einer Partei mit 76 vom Volk (frei und geheim) in den Bundestag gewählten Vertretern. Das Parlament kann und soll die Geheimdienste kontrollieren, andererseits kann der Verfassungsschutz nicht vor dem Parlament Halt machen, wenn er ernst gemeint ist. Im Zweifel sollte man für das Parlament votieren.
Vor allem aber darf ein Organ, das auf derart heiklem Terrain agiert, nicht den Anschein haben, politisches Instrument zu sein. Genau das aber passiert gerade. Zu genüsslich prügeln CDU und CSU auf die Linke ein, als dass man dem zuständigen Innenminister Friedrich Neutralität unterstellen könnte.
Auf die Aussage der FDP-Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger hin, die Beobachtung der Parlamentarier sei "unerträglich", behauptete Friedrich glatt, da könne man ja gleich auch die Überwachung der NDP einstellen, wenn man die Linke nicht mehr beobachten dürfe. Die Nennung im selben Atemzug ist reines politisches Schlammschlachten, der Vergleich ohne jede Grundlage. Weiter noch trieb es CSU-General Dobrindt mit dem listigen Hinweis, es sei erschreckend, dass die Linke so viele Abgeordnete im Bundestag habe, die unter Beobachtung stehen. Dobrindt fordert regelmäßig Verbote der Linkspartei. Wenn aber das politische Lager die Maßnahmen politisch auszuschlachten versucht, für die es selbst mitverantwortlich ist, hat das mit dem Ideal freiheitlicher Ordnung nur wenig zu tun.
Im demokratischen Betrieb muss Waffengleichheit herrschen. Wer die Linke nicht will, hat sich mit ihr politisch auseinanderzusetzen. Weder Grüne noch FDP und erst recht nicht die Bundes-SPD stehen im Verdacht, besonders enge Freunde der Linken zu sein. Dass aus jenen Parteien nun prominente Rückendeckung für die Überwachten kommt, spricht Bände. Selbst CDU-Bundestagspräsident Norbert Lammert nennt das Ganze ein "Unding".
Noch ist nicht klar, ob der Verfassungsschutz nur öffentlich zugängliche Quellen erhebt oder auch in bester Geheimdienstmanier schnüffelt. Äußerungen von Niedersachsens Verfassungsschutz-Präsident Wargel und geschwärzte Akten über Gysi und Co. legen die zweite Version nahe.
Die Verweise von Friedrich und Verfassungsschutzpräsident Fromm, die Überwachung sei rechtens, ist nur die halbe Wahrheit. Eine Behörde wie der Verfassungsschutz handelt nicht automatisch rechtens, nur weil sie etwas tut, wozu sie befugt ist. Gregor Gysi ist keine Gefahr für die demokratische Bundesrepublik, ihn zu überwachen Unsinn. Wenn der Verfassungsschutz ihn erst als gefährlich deklariert, um ihn dann rechtmäßig bespitzeln zu dürfen, hat das mit "rechtens" nichts am Hut. Gleiches gilt für weitere Realos auf der Liste.
Institutionen müssen sich immer auch daran messen lassen, was sie leisten. In der Politikwissenschaft spricht man von Output-Legitimität - wenn das Essen allen schmeckt, ist der Koch akzeptabel. Wenige Wochen nach dem Bekanntwerden des Desasters in der "Überwachung" des rechtsextremen Untergrunds ist die Suppe gehörig versalzen und der Verfassungsschutz kaum in der Position, allzu hohe Legitimität für sich zu reklamieren.
Die freiheitlich-demokratische Ordnung wäre es wert, als Geheimdienste behutsamer mit gewählten Volksvertretern umzugehen.
Sebastian Pfeffer ist der parlamentarische Korrespondent von "The European". Zuvor arbeitete er lokal und regional als freier Journalist und für das ZDF in Mainz. Er hospitierte bei der "Bild am Sonntag" sowie bei "Welt" und "Welt Online". Aktuell beendet er sein Magister-Studium der Politik und Publizistik und schreibt als Fernsehkritiker für "Welt Online".
Ein Kommentar von Sebastian Pfeffer
Toll schrieb:
am 26. Januar 2012 um 21:15:33
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@Karl Marx
Woher leiten Sie ab, daß der Demokrat65 ein Bayer ist? In Bayern schreibt
man: Wo han mia denn. Sie können aber weiter stolz
auf Bayern sein, denn es
ist ein schönes Land mit tollen Menschen und einer Uhr die öfters anders tickt.
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Demokrat65 schrieb:
am 26. Januar 2012 um 21:13:19
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@Toll - Sowohl die Linken, als auch die NPD und die Piraten
decken Felder ab, die diese Demokratie braucht, die aber von der Diktatur von
Union/SPD unterdrückt. Die Linke: gegen Afgh.Krieg u.für Mindestlöhne. Die NPD berechtigte nationale Interessen, wie sie jedes Volk mit Selbstwertgefühl hat, das uns die US-hörigigen aber austreiben wollen. Die Piraten ersetzen die FDP, die mal für Bürger-u.Freiheitsrechte kämpfte u.sich jetzt nur noch der Union anbiedert, wie die SPD, die bettelt wieder "mitregieren" zu dürfen. Es geht um Pöstchen, nicht um di
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Jaegerin schrieb:
am 26. Januar 2012 um 21:09:13
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Verfassungsschutz
Liebe Kommentarschreiber, bitte erregt Euch nicht über den Verfassungsschutz. Wer die Entwicklung des kap. System
analysiert, wird erkennen, dass es möchlicherweise unbeherrschbar geworden ist. Die real Herrschenden wissen das genau und zittern um ihr zusammengerafftes Vermögen. In den Linken sehen sie die größte Gefahr. (Marx!) Mit den Rechten kann man notfalls eine neue Diktatur errichten. Vergessen? Hatten wir doch schon!
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