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Fischer gibt Politik-Abstinenz auf und greift Koch an
22.01.2008, 07:02 Uhr | Michael Biermann, dpa
Wirft Koche "Hetze gegen Minderheiten" vor: Joschka Fischer (Quelle: ddp)Das Wahlkämpfen hat der Politik-Rentner Joschka Fischer nicht verlernt - sehr zur Freude der hessischen Grünen. Sechs Tage vor der Landtagswahl rührte der frühere Außenminister am Montagabend im Wiesbadener Kurhaus kräftig die Werbetrommel für seine Partei - und schlug dabei vor allem auf Hessens Regierungschef Roland Koch und dessen CDU ein.#
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Koch setze auf Ausländerfeindlichkeit
Unter begeistertem Beifall der gut 1000 Gäste im prunkvollen Friedrich-von-Thiersch-Saal prangerte Fischer vor allem Kochs Aussagen zu kriminellen ausländischen Jugendlichen an. Wenn ein Regierungschef angesichts schlechter Aussichten für eine Wiederwahl auf offene Ausländerfeindlichkeit setze, sei das unanständig. Die Antwort sei: "Ein solcher Ministerpräsident muss abgewählt werden."
Rückkehr aus Verärgerung
Fischer hatte am 14. September 2005 auf dem Frankfurter Römerberg den bisher letzten Wahlkampfauftritt in Hessen bestritten - damals noch im Bundeswahlkampf. Als Grund, warum der ehemalige hessische Umweltminister einer rot-grünen Landesregierung seine selbst gewählte Politik-Abstinenz aufgegeben hat, nannte der grüne Europa-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit Fischers Verärgerung über Kochs Wahlkampfthema Jugendkriminalität.
"Wer Rot-Grün will, muss Grün wählen"
Der Ex-Außenminister gab am Montagabend das politische Schwergewicht und kam damit an. Er lobte unter anderem die Grünen-Forderung nach einer Schule, die auch Kindern aus bildungsfernen Familien Chancen bietet, weil das auch volkswirtschaftlich nötig sei. Er verteidigte die Öko-Steuer, forderte das Ende der Atomreaktoren in Biblis und warnte die Wähler davor, ihre Stimme der Linken zu geben - weil damit Koch gestützt werde: "Wer Rot-Grün will, muss Grün wählen."
"Koch-Regierung ist in Panik"
Fischer beschwor die Chancen einer neuen rot-grünen Koalition in Wiesbaden mit den Worten: "Die Koch-Regierung hat abgewirtschaftet und ist in Panik." Der Wahlkampf werde sehr spät entschieden. "Nutzt die Chance, hängt Euch noch mal richtig rein, ausschlafen könnt ihr nächste Woche", riet er.
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Gefahr eines rot-rot-grünen Bündnisses
Der Grünen-Landeschef und Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir rieb sich vor allem an Koch. Dessen Bilanz sei grottenschlecht, deshalb habe er zu den Kampagnen gegriffen und auch die Gefahr eines rot-rot-grünen Bündnisses an die Wand gemalt.
"Ypsilanti, Al-Wazir und die Kommunisten stoppen"
Er bezog sich vor allem auf ein Plakat der CDU, auf dem steht: "Links-Block verhindern! Ypsilanti, Al-Wazir und die Kommunisten stoppen", sagte Al-Wazir. Dieser Text entlockte ihm ein "Geständnis": Wenn seine Mutter keinen Jemeniten namens Al-Wazir geheiratet hätte, hieße er mit Nachnamen "Knirsch". Die SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti habe vor ihrer Ehe mit einem Griechen "Dill" geheißen. Ein CDU-Plakat mit dem Text "Dill, Knirsch und die Kommunisten verhindern" hätte es wohl nicht gegeben, sagte Al-Wazir.
Michael Biermann, dpa