02.01.2011, 18:33 Uhr | Von Christian Kreutzer
Eine Fußgängerzone in Deutschland: Nach den Prognosen des Australiers Frank Fenner wird sie in rund 100 Jahren verödet sein. (Foto: dpa)
Wir mögen keine Atomkraft, die Einwanderung beunruhigt uns, eine knappe Mehrheit glaubt an Gott, aber nicht unbedingt an die Zukunft der Demokratie - wie ticken die Deutschen zurzeit? Fühlen wir uns warm und sicher? Oder jagen uns die Veränderungen kalte Schauer über den Rücken? Der Sozialwissenschaftler Christopher Daase jedenfalls sieht bei den Deutschen „existenzielle Ängste“.
Deutschlands größtes Internetportal t-online.de ist den Fragen mit den Mitteln des Internets nachgegangen: Mit zahlreichen Votings haben wir die Meinung der Nutzer zu wichtigen Themen abgefragt. *
Besonders groß war die Teilnahme bei der Abstimmung mit der Frage: "Macht Al-Kaida Ihnen Angst?". "Macht Al-Kaida Ihnen noch Angst?" hatte die Frage ursprünglich lauten sollen. Dann jedoch warnte Innenminister Thomas de Maizière vor Terroranschlägen in Deutschland und das "noch" fiel weg. Nur 35,7 Prozent der User die darüber abgestimmt haben, sagen "Nein". 19,9 Prozent haben die Antwort "Ja" gewählt. 44,4 Prozent entschieden sich für die Antwortmöglichkeit "Ich bin besorgt, aber Angst habe ich nicht."
Sehen Sie hier die Ergebnisse unserer Votings zur Frage: "Wie ticken die Deutschen?" (Grafiken: t-online.de)Deutlich mehr Verunsicherung kommt bei den Antworten auf die Frage nach dem Einwanderungsland Deutschland zum Ausdruck: Sage und schreibe 77 Prozent von über 13.000 Abstimmungen sagen: "Ja, das beunruhigt mich." 79,3 Prozent können sich gut vorstellen, dass die Menschheit sich über kurz oder lang selbst auslöscht - bei einer gleich lautenden Abstimmung im Sommer waren Zustimmung und Ablehnung zu dieser Aussage noch in etwa gleichwertig. Die Veränderung zeigt einerseits, wie unstet die Abstimmungsergebnisse sind, aber auch, wie schnell Unsicherheiten in Weltuntergangsfantasien umschlagen.
Zumindest eine knappe Mehrheit von 52,9 Prozent glaubt den Votings zufolge nicht an die Zukunft der Demokratie. 55,6 Prozent fordern den Ausstieg aus der riskanten Atomkraft. Unwohl ist einer deutlichen Mehrheit von 69,6 Prozent auch angesichts der Auslandseinsätze der Bundeswehr - sie stimmen für die außenpolitische Neutralität Deutschlands nach dem Vorbild der Schweiz.
Unsicherheit ist überhaupt das Schlagwort unserer Zeit - vermutlich nicht nur in Deutschland, aber auch. Und die Verunsicherung hat Folgen: "Was ich sehe, ist eine ganz starke Individualisierung", sagt Christopher Daase. Der Sozialwissenschaftler an der Frankfurter Goethe-Universität erforscht seit Jahren das, was er die "Sicherheitskultur" der Deutschen nennt. Der Begriff "Sicherheit" werde in Politik und Gesellschaft ständig ausgeweitet, so Daase. Vom Militärischen zum Terrorismus, zur Einwanderung, zur Umweltzerstörung, und schließlich zur wirtschaftlichen Lage des Einzelnen. Mittlerweile habe die "Sicherheit" dem Begriff "Frieden", der den Deutschen in den 90er Jahren noch am wichtigsten war, den Rang abgelaufen.
"Die Menschen", sagt Daase, "entsolidarisieren sich." Sie lebten mittlerweile in dem Bewusstsein, sich auf niemanden als sich selbst verlassen zu können. Jedenfalls nicht auf die anderen und schon gar nicht auf den Staat. Das Zurückgeworfensein auf sich selbst schaffe existenzielle Ängste und Misstrauen den anderen gegenüber. Daher lehnten die Menschen alle ab, die noch dem Staat - also ihnen - auf der Tasche liegen: Namentlich Hartz-IV-Empfänger sowie Menschen mit Migrationshintergrund, denen man unterstellt nicht anständig anzupacken und sich nicht einzufügen.
Die Gründe sieht Daase in der Ausbreitung des Neoliberalismus, also der Lehre von der Zurückhaltung des Staates. "Ich sage es so, auch wenn es vielleicht abgedroschen klingt: Neoliberalismus, Globalisierung, Liberalisierung der Märkte - das alles schafft Unsicherheit."
Was tun, könnte man fragen? Darauf weiß auch der Soziologe keinen Rat: "Einen Weg zurück in die Solidargemeinschaft gibt es nicht", sagt Daase. Dazu mangelte es an Befürwortern - und am Geld.
* (Anm.:Repräsentativ - wie beispielsweise wissenschaftlich geführte Umfragen - können Internet-Votings natürlich nicht sein. Aussagekräftig sind sie dennoch: Rund 72 Prozent der Deutschen sind online. Über ein Drittel davon nutzt das Netzwerk von t-online.de. Dabei bilden unsere Nutzer in etwa den Durchschnitt der deutschen Internetgemeinde ab: Sie sind großteils zwischen 20 und 60 Jahre alt, eher männlich und gebildet. Die Klickzahlen sprechen für sich: über zehntausend Mal wurden die zentralen Politikumfragen im Schnitt angeklickt. )
Quelle: t-online.de
Lazaro schrieb:
am 30. Dezember 2010 um 19:42:35
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@Bürger
Wir werden sehen ! Erst sich mit den Dingen auseinander setzen dann reden , trifft bei ihnen leider nicht zu. Sie holen sich ihr
"Wissen" von den Energieriesen und von Angie aus der Bildzeitung . Das sagt schon alles ! Ich empfehle ihnen dringend Bücher zum Thema Atomkraft, die sich damit kritisch auseinander setzen zu lesen. Wobei ein gutes Physikbuch auch schon viel wert ist. Dann versteht man vielleicht auch schon mal Grundlegendes über Atomkraft und deren Risiken.
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Toni schrieb:
am 30. Dezember 2010 um 19:36:50
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zu heiko
Dummes Geschätz. Wenn du, wie ich, 30 Bestrahlungen hinter dir hast, nach Krebserkrankung, würdest du anders reden. Bei mir war's
nur kleine Packung. An so ein strahlendes AKW denke ich mit Schrecken. Frage mal, Menschen, die durch diese kleine Hölle gingen.Möge dir das erspart bleiben, obwohl, durch Schaden wird man klug.Anstatt hier andere Meinungen zu difamieren, bitte kleine Brötchen backen. OK ?
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Deutschmann schrieb:
am 30. Dezember 2010 um 19:35:40
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Verunsicherung
macht Euch keine Gedanken um unsere Zukunft, die nächste Kanzlerwahl kommt bestimmt und bis dahin wird es eine Sarrazin
Partei geben; danach können wir wieder mit Stolz sagen WIR SIND DAS VOLK
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