29.04.2011, 09:41 Uhr | Von Georg Ismar, dpa
Radfahren in Deutschland: Politik und Lobby wollen die Bedingungen verbessern - aber wie? (Foto: dapd)
Der Frühling ist da, Radler bevölkern die Straßen. Verkehrsminister Peter Ramsauer will die Leihsysteme in den Städten weiter stärken, doch die Fahrradlobby und die Grünen werfen ihm Schaufenster-Politik vor. Es fehle an einem Rad-Masterplan, Investitionen und Verkehrssicherheit. Der Minister selbst gibt sich zwar eigentlich als Fahrrad-Freund - spart aber auch nicht mit Kritik an manchem Drahtesel-Fan. Ramsauer moniert die "Ich-darf-das-Mentalität" von "Kampfradlern".
Hans-Christian Ströbele sieht den Kampf woanders. Der bekannte und streitbare Grünen-Politiker und Anwalt spricht von Lebensgefahr, Diskriminierung am Reichstag und malträtierten Pobacken wegen des Kopfsteinpflasters im Osten Berlins. "Ich könnte Fahrradminister werden", sagt er, der fast alle Wege auf seinem alten Rad zurücklegt. Ob eine rot-grüne Bundesregierung dieses Amt für den 71-Jährigen schaffen würde, ist fraglich. Aber Ströbele kann wie kein zweiter Bundestagsabgeordneter berichten, welche ambivalente Erfahrungen Radfahrer in der Hauptstadt machen.
Hunderte Milliarden wandern in den Straßenbau, schimpft er, aber für Radfahrer mangele es überall an Parkmöglichkeiten und Wegen. "Schon mehrmals haben Busfahrer quasi meinen Lenker gestreift", berichtet Ströbele. Und bei Staatsbesuchen wurde er mit seinem Rad schon mal von der Polizei am Osttor des Reichstags verjagt oder sein dort abgestelltes Rad wurde entfernt.
Ströbele fordert angesichts der vielen Vorteile für den Klima- und Umweltschutz eine Gleichbehandlung und eine Masterplan für den Radverkehr. "Und dass man endlich das Rad auch im ICE mitnehmen darf." Letztlich könnten mehr Radfahrer durch die positiven Effekte für die Gesundheit auch die Sozialkassen entlasten.
Knapp zwei Kilometer von Ströbeles Büro entfernt sitzt der für Radler zuständige Bundesverkehrsminister. Peter Ramsauer will nicht nur Bahn- und Autominister sein. Fragt man den CSU-Politiker, ob nicht mehr für die Fahrradfahrer getan werden müsse, antwortet er mit einer schiefen Metapher: "Da radeln Sie bei mir offene Türen ein. Radfahren wird für immer mehr Menschen immer beliebter und ist das umweltfreundlichste Fahrzeug überhaupt." Nach Angaben des Statistischen Bundesamts nutzen bereits fast zehn Prozent der Bürger das Rad für den Weg zur Arbeit.
Das Radfahren werde unter anderem mit dem Bau von Radwegen mit rund 100 Millionen Euro pro Jahr gefördert, sagt Ramsauer. Er will nun besonders das Leihradsystem stärken. In Hamburg etwa hat der schwarz-grüne Senat 2009 ein System mit roten Stadträdern etabliert. An mehr als 70 Standorten kann man nach vorheriger Anmeldung via Internet ein Rad mitnehmen und an anderer Stelle wieder abstellen. Die erste halbe Stunde ist umsonst, die zweite kostet vier Cent, der Tagespreis beträgt zwölf Euro. Auch die Bahn bietet Leihräder an.
12,7 Millionen Euro will Ramsauer bis Ende 2012 ausgeben für die Stärkung der Leihsysteme. Mehrere Modellvorhaben gehen in Kürze an den Start, so auf Usedom, in Berlin und Nürnberg. Das Leihsystem hat aus Ramsauers Sicht vor allem im Berufsverkehr klare Vorteile: "Die Mitnahme des Drahtesels in überfüllten U- und S-Bahnen entfällt, ebenso der Fußmarsch von der Haltestelle bis zum Ziel. Für die letzten Kilometer des Weges stehen Leihfahrräder bereit."
Für Bettina Cibulski vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) ist die Idee nicht schlecht, aber die Fahrradlobby wirft Ramsauer eine Art Schaufensterpolitik vor. So friste die Fahrradpolitik im zuständigen Referat am Standort Bonn neuerdings ein Nischendasein. Ramsauer müsse dafür sorgen, dass es bundesweit bessere Bedingungen gebe. Vorbild sind da die Niederlande, wo nicht jede Kommune "vor sich hinpuzzelt".
Mit flächendeckend breiten Radfahrstreifen und besseren Regeln für mehr Sicherheit der Radler im Straßenverkehr könne der Anteil der Fahrradfahrer auch hierzulande erheblich gesteigert werden. Derzeit gebe es zwar Vorzeigestädte wie Münster und Freiburg, die mit 37 und 26 Prozent einen hohen Radanteil am Verkehr haben. Daneben gibt es aber auch Städte wie Dortmund oder Chemnitz; dort fristet das Rad laut ADFC mit fünf bis sieben Prozent ein Schattendasein.
Aus ADFC-Sicht müssen es nicht unbedingt nur mehr Radwege sein. Der Bund müsse sich vor allem der Sicherheit für die Radler annehmen. So sollten Lastwagen eine Sensorik erhalten, um sie beim Abbiegen automatisch abzubremsen, wenn Menschen gefährdet werden. "Stattdessen wurde bei der Verkehrsministerkonferenz gerade wieder nur über eine Helmpflicht für Radfahrer diskutiert", klagt Cibulski.
Das aber dürfte Ramsauer ein Anliegen sein. Denn der Minister nimmt sich Deutschlands Radler auch zur Brust: "Offensichtlich müssen viele lernen, dass sie nicht die Robin Hoods der Straße sind", sagte er der "Saarbrücker Zeitung". Er erwarte von allen Verkehrsteilnehmern, sich an die Regeln zu halten und das Gebot der Rücksichtnahme im Straßenverkehr zu beherzigen. Er forderte deshalb auch strengere Kontrollen. Bei Radfahrern dürfe sich keine "Ich-darf-das-Mentalität" breitmachen: "Der Begriff der Kampfradler macht bereits die Runde."
Quelle: dpa , dapd
niemand schrieb:
am 10. April 2011 um 18:22:11
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Fahrad
Arme Radler Autos auf Straßen Fußgänger auf Gehwegen die denRadler am schnellen Fahren ohne zu achten hindern Da kann auch ein
Minister nichts ändern.
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Otto schrieb:
am 10. April 2011 um 18:11:51
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Radfahrer... ein Teil fährt wirklich kriminell.
... und ich bin für hartes, erbarmungsloses Durchgreifen mittels brutalster Gelstrafen.
Fahren auf Fußgängerweg und provokatorische "Jagd auf Fußgänger", Fahren ohne LIcht und mit BMX-Teilen ohne Schutzblech in der Stadt, "mein" Bußgeldkatalog und ausreichend harte und skrupellose Polizisten und wir haben Ruhe. Die Bande gehört an die Leine gelegt, mit aller "Brutalität" zu der unser demokratischer Staat fähig ist... über die Geldbörse.
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Radi schrieb:
am 10. April 2011 um 18:10:39
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Und warum
wird Radfahren, ihrer Einschätzumg nach, immer "beliebter", Herr Minister ? Weil Abzocker, unfähige und untätige Politiker das
deutsche Volk an den Rand des Ruins bringen. Hinzu kommt, dass die Deutschen zu einem rücksichtslosem Volk verkommen sind.
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