28.12.2010, 11:15 Uhr | von Kenen Kücük, The European
Deutschland gilt als Einwanderungsland (Foto: The European)
Es ist schon verwunderlich, wie zum Teil in der aktuellen Debatte über Integration argumentiert wird. Nicht, dass es keine Probleme in diesem Bereich gäbe; doch die Debattenbeiträge zeichnen zum Teil ein Bild von Deutschland, das so mit der Realität nicht übereinstimmt. Folgt man den Äußerungen, könnte man meinen, Scharen von Menschen stünden an den Grenzen Deutschlands Schlange. Dies ist mitnichten der Fall!
Unser Land ist immer mehr auch ein Auswanderungsland: Das Statistische Bundesamt verzeichnete im Jahr 2008 738.000 Auswanderer und 682.000 Zuwanderer – das macht ein Minus von 56.000. Insbesondere die gut qualifizierten Migrantinnen und Migranten (aber natürlich auch Fachkräfte ohne Migrationshintergrund) verlassen das Land. Warum verlieren wir diese Köpfe?
Dass Deutschland mit seinen 15,7 Millionen Einwohnern mit Migrationshintergrund ein Einwanderungsland ist, gehört ebenso zu den Fakten, die keiner Diskussion mehr bedürfen. Doch auch hier ist die Polemik irreführend: Gesprochen wird unentwegt von integrationsunwilligen Migranten, bildungsfernen Schichten und Parallelgesellschaften, während nach Schätzungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales 300.000 bis 500.000 Personen, die hohe Qualifikationen und Fachabschlüsse aus dem Ausland mitbringen, in Deutschland ihren Beruf nicht ausüben können.
Wir haben es weder geschafft, diesen Menschen gute Startbedingungen in unserer Gesellschaft zu ermöglichen, noch werden in Deutschland gleiche Chancen auf der Schulbank erreicht. Wenn wir von Migrantinnen und Migranten mit schlechten Bildungsabschlüssen sprechen, geht es zumeist um die zweite, dritte, vierte Generation, die in Deutschland geboren und aufgewachsen ist. Das zeigt doch, dass wir unseren Bildungsauftrag an den Schulen nicht erfüllen – nicht, dass die Migranten sich nicht integrieren wollen!
Auf der einen Seite brauchen wir Fachkräfte, auf der anderen Seite nutzen wir das bereits vorhandene Potenzial nur sehr eingeschränkt. Auf der einen Seite diskutieren wir über eine geregelte Zuwanderung, auf der anderen Seite fehlt es uns aber an einer Willkommenskultur, die unser Land als Einwanderungsland erst attraktiv machen würde für eben diejenigen Einwanderer, die wir so dringend benötigen. Wenn deutsch-türkische oder deutsch-polnische Akademiker, nachdem sie hier geboren und aufgewachsen sind, unserem Land den Rücken kehren, weil sie sich hier nicht akzeptiert fühlen, dann machen wir offensichtlich etwas falsch.
Max Frisch prägte in Bezug auf die sogenannten Gastarbeiter einst den Satz "Wir haben Arbeitskräfte gerufen und es sind Menschen gekommen“. Eine Willkommenskultur zu haben bedeutet, zu berücksichtigen, dass Menschen nicht nur zum Arbeiten in ein Land kommen, sondern dass sie dort auch leben, sich heimisch und wohlfühlen möchten. Zu einer Willkommenskultur gehört meiner Meinung nach aber ebenso, dass eine Einwanderungspolitik einer modernen Ausbeutung nicht Tür und Tor öffnet und dass sie die humanitären Werte nicht gänzlich aufgibt. Denn wer Menschen nur nach Kulturkreisen und Leistungsmerkmalen bewertet, der verliert die Chance auf eine Gesellschaft, die Stärken aus ihrer Vielfalt zieht. Deutschland ist und bleibt eine multikulturelle Gesellschaft – warum das nicht als Stärke begreifen?
Der studierte Sozialpädagoge Kenen Kücük leitet das Zentrum Multikulturelles Forum. Er wuchs in der Türkei auf, mit 20 Jahren kam er nach Deutschland. Kücük ist außerdem Vorsitzender des Vereins Selbständiger Migranten im Kreis Unna/Hamm e.V., Sprecher des Facharbeitskreises Migration des DPWV in NRW und stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe Unna des DPWV.
von Kenen Kücük, The European
Leserin schrieb:
am 28. Dezember 2010 um 18:03:16
(0)
(0)
Auswanderer
Wenn Deutschland laut Statistik ein Auswanderungsland sein soll, liegt es wahrscheinlich daran, daß Doppelidentitäten
aufgedeckt bzw. eine der falschen Identitäten aufgegeben und genug Geld (Sozialleistungen) gebunkert wurde. Das sieht dann danach aus, als wären da einige gegangen....
mehr
Kommentar melden
Realist schrieb:
am 28. Dezember 2010 um 18:02:22
(0)
(0)
Rohstoffsituation
Nach aktuellen Meldungern zieht China die Rohstoffbremse an. Da wirds dann mit Sicherheit erheblich weniger Arbeitskräfte
brauchen in diesem Land ohne Rohstoffe.
mehr
Kommentar melden
Free Willy schrieb:
am 28. Dezember 2010 um 17:59:46
(0)
(0)
eher ein Auswanderungsland
Das sehe ich auch so. Aus Deutschland kann man wunderbar auswandern. Warum wohl?
Kommentar melden
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Tolle Bildqualität & kleiner Preis: 94 cm Grundig-LCD-TV (EEK: C) jetzt nur 555,- €. bei euronics.de
Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de
Attraktive und sportive Mode für Sie und Ihn: kompromisslose Qualität, die überzeugt. zum Special
Bildschöne Mai-Schnäppchen: Bücher, Tablet-PC, eBook-Reader und mehr. bei Hugendubel.de