28.11.2007, 20:38 Uhr
Neue PISA-Studie: Deutschland liegt vorn beim Umweltwissen (Quelle: dpa)Nach der jahrelangen Kritik an der deutschen Schule zeichnen sich jetzt erste Fortschritte ab. Wie am Abend vorzeitig bekannt wurde, gehören die 15-jährigen Deutschen laut der neuen PISA-Studie beim Umweltwissen und in Naturwissenschaft zur internationalen Spitzengruppe. Sie landen auf Rang 13 von 57 Staaten, berichtet die spanische Lehrerzeitung "Magisnet". Bei der PISA-Studie 2003 lag Deutschland noch auf Platz 18. Laut OECD sind aber beide Tests wegen ihrer geänderten Aufgabenstruktur nicht vergleichbar. Finnland konnte seinen ersten Rang erneut behaupten.
Von PISA bis IGLUDie wichtigsten Schulstudien
HintergrundWas ist Pisa?
IGLU-Studie
Auch Deutschlands Grundschüler konnten sich mit ihren Leistungen beim Lesen und Textverständnis im weltweiten Vergleich leicht verbessern. Nach der am Mittwoch in Berlin veröffentlichten IGLU-Studie 2006 belegen sie Rang 11 unter 35 Nationen und 10 Regionen.
GrundschulenMangelnde Chancengleichheit
Zum DurchklickenDie wichtigsten Ergebnisse des IGLU-Tests
GrafikLeseleistung der Viertklässler
Offizielle Ergebnisse am 4. Dezember
Bei PISA liegt Deutschland in Naturwissenschaften mit 516 Punkten deutlich hinter dem Weltbesten Finnland, der 563 Punkte erreicht. 30 Punkte entsprechen nach Lesart der PISA-Forscher dem Lernfortschritt von einem Schuljahr. Nach Finnland folgen Hongkong, Kanada und Taiwan. Österreich erreicht mit 511 Punkten Platz 18 (vorher 23). Dagegen fällt die Schweiz vom 12. auf den 16. Rang. Die PISA-Ergebnisse werden offiziell erst am 4. Dezember präsentiert.
Umweltwissen im Mittelpunkt
Die Naturwissenschaften sind erstmals PISA-Schwerpunkt. Dazu war das gesamte Aufgabenspektrum umgestellt und vor allem Umweltwissen in den Mittelpunkt gestellt worden. Damit kam man auch deutschen Wünschen entgegen.
Grundschüler: Lesen gut - Chancengleichheit mangelhaft
Bei IGLU gibt es bei den Viertklässlern sowohl Verbesserungen bei der Leseleistung insgesamt wie auch bei der Förderung von Risikoschülern und Migrantenkindern. Die Studie belegt allerdings erneut die fehlende Chancengleichheit beim Übergang von der Grundschule ins Gymnasium. Hier haben die Probleme noch zugenommen.
Ermutigung für weitere Bildungsreformen
Bildungsministerin Annette Schavan sagte zu den Ergebnissen, kein anderes Land in Europa habe in der vierten Schulklasse "ein so hohes Leseniveau wie Deutschland." Die Resultate seien eine Ermutigung für weitere Bildungsreformen. Kultusminister-Präsident Jürgen Zöllner, sieht darin den Beweis, dass sich Engagement für eine bessere Schule lohne. Die Nachteile von hochintelligenten Arbeiterkindern beim Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium bezeichnete er als "Herausforderung".
Ungerechte Vorraussetzungen
Laut IGLU fällt es Zehnjährigen aus der Oberschicht immer leichter, selbst bei weit unterdurchschnittlichen Leistungen eine Empfehlung ihrer Grundschule für den Besuch des Gymnasiums zu erhalten. Von einem Kind aus einem einfachen Arbeiterhaushalt werden dafür hingegen immer höhere Leistungen verlangt.
Ganztagsschulen gefordert
Die umstrittene Schullaufbahnempfehlung hat seit dem deutschen PISA-Schock 2001 in mehreren Bundesländern wieder erheblich an Bedeutung gewonnen. Der deutsche IGLU-Koordinator Wilfried Bos warnte davor, dies den Grundschullehren anzulasten. Dies sei vielmehr ein "institutionelles Problem". In Großstädten sollten einige Gymnasien zu Ganztagsschulen umgewandelt werden und sich für mehr Förderung öffnen.
Lesen und Schlüsse ziehen
IGLU testet nicht nur das Lesevermögen sondern vor allem die Fähigkeit, aus dem Gelesenen Schlüsse zu ziehen. In Deutschland wurde der Test im Frühjahr 2006 an 397 Schulen gemacht. Insgesamt nahmen daran 7900 Viertklässler teil.
Quelle: dpa
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