Ein Gast des Metropark-Hotels in Hongkong, in dem die Quarantäne gilt (Foto: Reuters)
In einem Hotel in Hongkong sind deutsche Urlauber wegen der Schweinegrippe von den chinesischen Gesundheitsbehörden für eine Woche unter Quarantäne gestellt worden. Das Hotel wurde mitsamt Gästen und Mitarbeitern geschlossen, nachdem ein erkrankter Mexikaner dort abgestiegen war. Der mexikanische Präsident Felipe Calderon kritisierte China indirekt, es übertreibe bei seinen Maßnahmen gegen die Schweinegrippe.
Die Deutsche Kathrin Eingrüber berichtete in einem Telefoninterview, sie und ihr Mann hätten in Hongkong nur einen dreitägigen Zwischenstopp während ihrer Asienreise einlegen wollen. Nun sitzt das Paar mit 350 weiteren Gästen und Mitarbeitern des Metropark-Hotels bis mindestens Freitag fest. "Für uns ist eine Welt zusammengebrochen", sagte Eingrüber. Viele Hotelgäste hätten, als sie von der Quarantäne erfuhren, verzweifelt reagiert.
Sie und ihr Mann seien bei bester Gesundheit, betonte Eingrüber. Aber auch die Botschaft oder das Konsulat könnten keine Hilfe leisten. "Da kann uns niemand helfen. Die Zeit müssen wir hier absitzen."
Mit Erkranktem nicht zusammengetroffen
Grundsätzlich äußert Eingrüber Verständnis für die Verhängung der Quarantäne durch die Behörden. "Aber ich kann es nicht nachvollziehen, dass das Hotel nicht gleich geschlossen wurde. Der Mexikaner kam am Donnerstag ins Krankenhaus, und wir sind am Freitag hier angereist. Und drei Stunden später wurde erst das Hotel geschlossen", sagte Eingrüber. Sie und ihr 44-jähriger Mann hätten also gar nicht mit dem Mexikaner zusammentreffen können. "Dass wir in Quarantäne sitzen, ist eigentlich lächerlich."
Mexiko rügt China
Zuvor hatte Mexikos Präsident Calderon die Art und Weise kritisiert, wie einige Staaten auf die Epidemie reagierten. Aus "Unwissenheit und Fehlinformation" würden Mexikaner diskriminiert. Calderon nannte zwar kein Land beim Namen, bezog sich aber indirekt auf China. Der dortige mexikanische Botschafter hatte zuvor mitgeteilt, in China seien mehr als 70 Mexikaner in die Isolierstation eines Krankenhauses gebracht worden. Einige davon hätten aber keine Symptome der Schweinegrippe gezeigt.
China weist Vorwürfe zurück
Calderon verwies in einem Fernsehinterview darauf, dass Mexiko nicht wie andere Staaten in der Vergangenheit versucht habe, die Epidemie zu verheimlichen. China war 2003 international kritisiert worden, weil die Regierung zunächst dementiert hatte, dass es Probleme wegen der Lungenkrankheit SARS gebe. China wies die Vorwürfe Calderons zurück. Das Außenministerium in Peking erklärte, es würden nicht gezielt Mexikaner isoliert. Man hoffe, dass Mexiko mit dem Problem "in einer objektiven und ruhigen Art umgeht".
Polizisten mit Mundschutz in Mexiko (Foto: Reuters)
RKI gibt keine Entwarnung
Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Jörg Hacker, sprach sich unterdessen gegen eine Entwarnung bei der Schweinegrippe aus. Es sei "sicherlich" noch "zu früh" dafür, sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". Die deutschen Behörden müssten die internationale Lage im Blick behalten, weltweit steige die Zahl der Erkrankungen derzeit noch, "wenn auch nicht explosionsartig".
Hacker: Auf der Hut sein
Zwar gebe es in Deutschland bisher "relativ kleine Fallzahlen". Das Virus übertrage sich aber gut von Mensch zu Mensch, und außerdem könnten die Influenza-Viren ihr Erbgut verändern. Bislang sei die Schweinegrippe hierzulande "sehr milde" verlaufen, es gelte aber, auf der Hut zu sein.
Virus in 20 Ländern nachgewiesen
Das Virus wurde bisher in 20 Ländern nachgewiesen. Über 1000 Menschen infizierten sich, acht davon in Deutschland. In Mexiko starben 24 Menschen an der Schweinegrippe, zudem ein mexikanisches Kind in den USA.