14.10.2011, 16:27 Uhr
Grausamer Tod im Stollen: Französische Archäologen haben im Kilianstollen die Leichen deutscher Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg ausgegraben. Die Männer starben bei einem Angriff mit Minenwerfern.
Der Oktoberhimmel hängt grau über dem Elsass. Nur widerwillig gibt der schwere Lehmboden am Lerchenberg die Überreste von 21 deutschen Soldaten frei, die hier am 18. März 1918 bei einem französischen Angriff verschüttet wurden. Zu diesem Zeitpunkt des ersten Weltkriegs, der von 1914 bis 1918 dauerte, war der deutsche Vormarsch im Westen zum Erliegen gekommen - mitentscheidend dür die deutsche Niederlage.
Ein skelettierter Fuß in einem Stiefel, ein Unterkiefer, aber auch Reste von Gewehren und Feldbetten. Ausgelöst durch den Bau einer Umgehungsstraße bei Altkirch fördern französische Archäologen jetzt aus der Grabesstille zutage, was sich in dramatischen Stunden des Ersten Weltkrieges im sogenannten Kilianstollen an der Sundgaufront ereignet hat.
Seit dem 13. September graben die Wissenschaftler die mit Holzbohlen gesicherte Tunnelanlage aus, die insgesamt 34 Soldaten zum Verhängnis wurde - 13 von ihnen wurden direkt nach dem Angriff tot geborgen, zwölf weitere haben die Archäologen bis jetzt entdeckt. "Eigentlich sollte unsere Arbeit am 10. Oktober beendet sein", sagt Grabungsleiter Michaël Landolt vom elsässischen Amt für Archäologie in Séléstat. "Wir sind aber nicht davon ausgegangen, dass wir Leichen finden würden." Jetzt hat man die Grabung zunächst einmal bis Anfang November verlängert.
Es sind keine Namenlosen, die hier seit 93 Jahren liegen: Der 20-jährige Musketier Martin Heidrich aus Schönfeld gehörte mit dem Gefreiten Harry Bierkamp, der am 18. Januar 1896 in Hamburg geboren wurde, zu den jüngsten Opfern, Feldwebelleutnant August Hütten aus Aachen war mit 37 Jahren einer der ältesten - so weist es das Foto einer frühen Gedenktafel aus. Die Männer gehörten zur 6. Kompanie des Reserve Infanterie Regiments 94 und galten bis jetzt als verschollen.
Bereits im Oktober 2010 war man bei den Straßenbauarbeiten auf die Reste des 125 Meter langen Stollens gestoßen, den Pioniereinheiten Anfang 1916 nach Bergwerksmanier bis zu sieben Meter unter die Erde in den Hang des Lerchenbergs getrieben hatten. Die als bombensicher geltende Anlage sollte mit einer Höhe von 1,80 Metern und einer Breite von 1,10 Metern bis zu 500 Soldaten aus den vorgelagerten Schützengräben Zuflucht vor feindlichen Mörsern und Granaten bieten.
Teilweise lagen gerade einmal 100 Meter zwischen den ins Elsass vorgedrungenen Franzosen und der deutschen Verteidigungslinie, erläutert Landolt. Der Kilianstollen befand sich 150 Meter hinter der vordersten Front. Zwei Jahre lang sei es relativ ruhig gewesen. "Sicher, es gab auch hier jeden Tag Tote, aber nicht so wie in Verdun oder an der Somme, wo zeitweise 1000 Soldaten pro Minute umkamen" , sagt der Mann, der eigentlich Experte für die alten Kelten ist, sich aber seit einigen Jahren auf die Zeit des Ersten Weltkriegs spezialisiert hat.
Der schwere Angriff der Franzosen am 18. März mit Minenwerfern war die Antwort auf eine deutsche Attacke mit Senfgasgranaten - einem hautschädigenden chemischen Kampfstoff. Gegen zwei Uhr nachmittags sei der linke Teil des Stollens mit der schwächsten Erddecke dreimal getroffen worden, heißt es in der Regimentsgeschichte von 1934. Er wurde auf etwa 60 Meter Länge eingedrückt, aber auch innerhalb des Tunnels muss es nach denn Erkenntnissen der Archäologen Explosionen gegeben haben, wie aus weit verstreuten Trümmern und Knochenteilen zu schließen ist. Eine Flucht durch einen der 16 Ausgänge sei unmöglich gewesen.
Landolt geht davon aus, dass ein Großteil der Männer, die damals aufgrund technischer Schwierigkeiten nicht mehr geborgen werden konnte, direkt an den Folgen der Explosion gestorben ist. Bei aller Dramatik, die sich auch an geborstenen oder eilig zur Rettung herab gerissenen Holzplanken erkennen lässt - die Grabungsstätte ist für die Wissenschaftler auch ein Lehrbuch ganz anderer Art.
"Der Krieg liegt kaum 100 Jahre zurück, seine Gräuel sind vielfach beschrieben worden, aber über das alltägliche Leben der Männer im Stollen, bevor der Tod hier hereinbrach, wissen wir so gut wie nichts", betont Landolt. Öfen, Senfgläser, eine Weinflasche oder Haken in den hölzernen Wänden bringen jetzt ein wenig Licht in das Dunkel einer nahen Vergangenheit. Auch zwei Blümchen aus Bakelit gehören dazu, die man offenbar mit einem Kranz für die verschütteten Toten am Stolleneingang zurückließ.
"Solche Beobachtungen macht man sehr selten in der Archäologie", sagt Landolt. Alles sei noch genau an seinem Platz, nichts wurde seit der Explosion verändert: "Da denkt man automatisch an Pompeji." Die Archäologen sind zuversichtlich, dass sie die Identität der Verschütteten feststellen können. Dann beginnt die Suche nach den Angehörigen. Wenn diese nicht andere Pläne haben, sollen die Toten vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf der Kriegsgräberstätte Illfurth im Département Haut-Rhin beigesetzt werden.
Quelle: dapd
Tobi schrieb:
am 14. Oktober 2011 um 21:27:57
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Heimkehr
Kein Soldat sollte je vergessen werden. Ich habe großen Respekt vor der Arbeit der französischen Archäologen. Gebt den Jungs ein
richtiges Grab. Aus ehemaligen Feinden wurden Freunde.
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Ich schrieb:
am 14. Oktober 2011 um 20:51:00
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Soldaten
alle Ehren den Soldaten die Leben im Krieg verloren haben. Die Soldaten haben aber nicht ihr Leben für ihr Vaterland verloren
sondern einfach für das Kapital. Das sollte man bedenken und nicht vergessen das das heute noch so ist.
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deutscher schrieb:
am 14. Oktober 2011 um 20:41:16
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soldaten
es ist schon bedauernswert wie manche über tote schreiben.
diese soldaten waren nur marionetten in einem schlechten spiel.
ehre den
gefallenen Brüdern und holt Sie entlich nach Hause welches Sie eigentlich nie verlassen solten.
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