06.12.2007, 12:24 Uhr
Mit scharfer Kritik an der gesellschaftlichen Stellung von Kindern in Deutschland hat die Deutsche Kinderhilfe Direkt aus Berlin auf die Tragödien von Plauen und Darry reagiert. Es gebe "ein gesellschaftliches Grundproblem damit, dass Kinder in die Ecke geschoben und als Störenfriede wahrgenommen werden", sagte der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Georg Ehrmann, am Donnerstag dem Bayerischen Rundfunk in München. Die Fälle mit insgesamt acht getöteten Kindern in Sachsen und Schleswig-Holstein seien keine Einzelfälle, sondern wiesen auf eine "Strukturkrise" in Deutschland hin. Der Verein kümmert sich nach eigener Darstellung um kranke und benachteiligte Kinder und unterstützt entsprechende Projekte.
"Noch nicht angekommen"
Die Kinder- und Jugendhilfe sei in der Vergangenheit finanziell stark heruntergefahren worden, so dass die Jugendämter sehr schwere Arbeitsbedingungen hätten. "Wir sind aber auch seit vielen Jahren der Qualitätsdebatte ausgewichen", kritisierte Ehrmann. Zum staatlichen Wächteramt gehöre es auch, das Kindeswohl gegen den Willen der Eltern durchzusetzen. "Diese Erkenntnis aber ist in vielen Jugendämtern noch nicht angekommen."
"Ein Unterschichtenproblem"
Die Jugendämter könnten im Vorfeld bereits überforderte Mütter unterstützen, "sie tun es nur nicht". Das Thema sei, "auch wenn es politisch nicht so gern gehört wird, ein typisches Unterschichtenproblem", sagte Ehrmann. Erziehungsunfähige Eltern finde man fast ausschließlich in der Unterschicht.
Quelle: dpa
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