26.12.2007, 11:35 Uhr
Viele Deutsche klagen über Kinderfeindlichkeit (Quelle: dpa)Die Angst der Deutschen vor Kinderfeindlichkeit und sozialer Kälte wächst: "Immer mehr Menschen sehen in diesen beiden Problemen die größten Zukunftssorgen. Umfragen haben ergeben, dass Deutschland damit im Vergleich zu anderen europäischen Ländern leider weit vorn liegt", sagte Zukunftsforscher Prof. Horst Opaschowski. "Ganz persönlich sehnen sich die Deutschen vor allem nach Vertrauen, Geborgenheit und menschlicher Wärme." Die Hamburger BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, deren wissenschaftlicher Leiter Opaschowski ist, hat bei Repräsentativumfragen in neun Ländern 11.000 Menschen dazu befragt.
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Deutsche klagen am meisten
Im Vergleich zu Frankreich, Schweiz, Finnland, Italien, Großbritannien, Russland, Belgien und Ungarn klagt die deutsche Bevölkerung danach am meisten über kinderfeindliche Tendenzen und soziale Kälte im eigenen Land. Auf die Frage nach den größten Sorgen, wenn man an die Zukunft seines Landes denkt, gaben 15 Prozent der Ungarn Kinderfeindlichkeit an - aber 40 Prozent der Deutschen. Soziale Kälte fürchteten 24 Prozent der Italiener - und 58 Prozent der Deutschen. "Solche Einschätzungen spiegeln gleichermaßen Stimmungen und Strukturen, Lebensgefühle und Lebenslagen wider", meint der Forscher. Bei einer Umfrage 1999 sorgten sich auch in Deutschland noch weniger Menschen darum, dass ihre Gesellschaft zu kinderunfreundlich (22 Prozent) und kalt (42 Prozent) sei.
Gesellschaft driftet auseinander
Die jüngsten Fälle von Kindesmisshandlungen und Kindestötungen, Vernachlässigung und Verwahrlosung stellen für den Wissenschaftler keine zufällige Augenblicksaufnahme dar. "Sie machen einen grundlegenden sozialen Klimawandel deutlich", betont er. "Nur auf den ersten Blick können überforderte Mütter oder erziehungsunfähige Eltern als ein Problem von Unterschichten erklärt werden", sagt der Wissenschaftler. "In Wirklichkeit verdeutlichen sie die Hilflosigkeit einer Gesellschaft, in der soziale Schichten und ganze Stadtteile auseinander zu driften drohen und immer mehr neben- als miteinander wohnen und leben." Opaschowski meint: "Kinderfreundlichkeit und menschliche Wärme gehen in kinderarmen Zeiten zusehends verloren."
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