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Deutsche Airlines kritisieren Flugverbot

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Deutsche Airlines kritisieren Flugverbot

19.04.2010, 15:23 Uhr

Am Frankfurter Flughafen geht nichts mehr, während der Gletschervulkan in Island unverändert aktiv ist (Fotos: dpa/AP)

Die gigantische Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull hält Europa weiter in Atem und lässt Hunderttausende Reisende verzweifeln. Die Deutsche Flugsicherung verlängerte am Sonntagmorgen die Sperrung des Luftraums bis mindestens 20 Uhr. Derweil melden sich erste kritische Stimmen zum Flugverbot. Macht sich Europa in die Hose, wie eine Wiener Zeitung schreibt?

Air-Berlin-Vorstandschef Joachim Hunold sagte der "Bild am Sonntag": "Die Schließung des Luftraums erfolgte ausschließlich aufgrund der Daten einer Computersimulation beim Vulcanic Ash Advisory Centre in London". Aufgrund dieser Daten errechnet der Deutsche Wetterdienst kontaminierte, also mit Vulkanasche belastete Gebiete. Mit diesen Daten wiederum entscheidet die Deutsche Flugsicherung DFS über ein Flugverbot oder deren Aufhebung. Der Chef der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft sagte weiter: "Es ist in Deutschland noch nicht mal ein Wetterballon aufgestiegen, um zu messen, ob und wie viel Vulkanasche sich in der Luft befindet."

Flugverbot verursacht Milliardenschaden

Bei der Deutschen Lufthansa hieß es: "Wir haben heute zehn Überführungsflüge von Großraumjets der Typen Boeing 747 und Airbus 340 von München nach Frankfurt durchgeführt. Dabei sind unsere Maschinen bis auf 24.000 Fuß, also rund 8000 Meter Höhe, gestiegen", so Konzernsprecher Klaus Walther zur Zeitung. "In Frankfurt wurden die Maschinen von unseren Technikern untersucht. Weder auf den Cockpitscheiben, an der Außenhaut noch an den Triebwerken fanden sie auch nur den kleinsten Kratzer." Walther weiter: "Durch das Flugverbot, das ausschließlich auf Computerberechnungen beruht, entsteht ein volkswirtschaftlicher Schaden in Milliardenhöhe. Darum fordern wir für die Zukunft, dass vor einem Flugverbot verlässliche Messungen vorliegen müssen."

"Europa macht sich in die Hosen"

Die Wiener Zeitung "Die Presse" schreibt dazu: "Der Eyjafjallajökull macht noch alle wahnsinnig. Schwer auszurechnen ist, wie gefährlich die Aschewolken, die der garstige Nordwestwind durch Europa geblasen hat, denn tatsächlich sind. Nichts Genaues weiß man nicht. Weder ist bekannt, ab welchem Konzentrationsgrad die Vulkankörnchen die Triebwerke verkleben und Flugzeuge zum Absturz bringen können. Noch gibt es Messgeräte dafür. Ganz Europa macht sich also prophylaktisch in die Hosen."

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Messflugzeug nicht einsatzbereit

Tatsächlich ist nach Informationen von "Bild am Sonntag" ein Forschungsflugzeug des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) bislang nicht einsatzbereit gewesen, da die entsprechenden Messgeräte für Vulkanasche erst eingebaut werden müssen. Verkehrsminister Peter Ramsauer kündigte an, am Montagabend ein Flugzeug mit Wissenschaftlern des Instituts für Atmosphärenphysik in Oberpfaffenhofen starten zu lassen. Auch Messungen am Boden konnten bislang nicht flächendeckend stattfinden. Von den sechs Lasermessgeräten des deutschen Wetterdienstes ist zurzeit nur eins in München einsatzbereit, fünf andere Geräte, u. a. in Hamburg, Berlin und Essen, befinden sich zeitgleich in der Wartung.

Jeder Tag kostet 150 Millionen

Selbst wenn das Flugverbot aufgehoben ist, wird es laut Experten noch zwischen drei und sieben Tagen dauern, bis sich der Flugverkehr wieder normalisiert hat. Im europäischen Luftraum gab es am Samstag nur geschätzte 5000 der üblichen rund 22.000 Flüge, teilte Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel mit. Jeder Tag dieser Art kostet die Branche laut Flugverband IATA etwa 150 Millionen Euro.

Es kann Monate dauern

Ein Ende des Ausnahmezustands ist nicht in Sicht. Meteorologen und Vulkanologen in Reykjavik erklärten übereinstimmend, dass der Vulkan unter dem Gletscher Eyjafjalla weiter riesige Mengen Dampf und Asche in die Atmosphäre stößt. Das werde "sicher noch Tage, vielleicht aber auch Wochen oder Monate so weitergehen". Auch die Messungen seismischer Aktivitäten ergaben keine Anzeichen für eine Beruhigung. Im Gegenteil: Die nächsten Tage kann sogar noch mehr Asche in Richtung Kontinentaleuropa geblasen werden, weil der Wind dann stärker aus nordwestlicher Richtung weht, wie Meteorologe Stefan Kreibohm vom Wetterdienst Meteomedia gegenüber wetter.info sagte.

Staatsgäste sagen Trauerfeier ab

Das Naturereignis dirigiert auch Abläufe in Politik und Wirtschaft. An diesem Sonntag können viele Staatsgäste, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, nicht zur Trauerfeier für Polens Präsident Lech Kaczynski und seine Frau Maria nach Krakau kommen. Deutschland wird nun von Bundespräsident Horst Köhler und Außenminister Guido Westerwelle vertreten. Millionen Menschen können in den kommenden Tagen Geschäfts- und Urlaubsreisen abschreiben. Die Deutsche Bahn setzt am Sonntag erneut zusätzliche Züge ein.


Quelle: t-online.de , dpa , AFP , dapd

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