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Der weltweite Protest gegen die Bankenmacht

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Der weltweite Protest gegen die Bankenmacht

17.10.2011, 09:54 Uhr

Auch in Deutschland gehen etliche Menschen am weltweiten Aktionstag auf die Straßen. Bei den Protesten in Italien werden Autos in Brand gesetzt.

Mit überwiegend friedlichen Protesten haben weltweit hunderttausende Menschen am Samstag gegen die Macht der Banken, Gier der Großkonzerne und staatliche Sparmaßnahmen demonstriert. Nach dem Vorbild der "Occupy Wall Street"-Bewegung in den USA gingen in den Finanzmetropolen London, Frankfurt, Zürich und Tokio, aber auch in Städten wie Madrid, Sydney und Manila Menschen auf die Straßen.

In Rom schlugen die Proteste teilweise in Gewalt um - Fenster von Bankfilialen und Schaufenster wurden zerstört, Autos in Brand gesetzt und Kamerateams angegriffen. Demonstranten, die sich von der Großkundgebung abgesetzt hatten, randalierten und verbrannten Flaggen der EU und Italiens.

Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer gegen die teilweise mit Stöcken und Hämmern bewaffneten Demonstranten ein. Rund 70 Menschen wurden verletzt, zwölf Protestierer wurden festgenommen.

Etwa 40.000 protestieren in Deutschland

In der Bankenstadt Frankfurt am Main beteiligten sich laut Polizeiangaben rund 5000 Menschen an den Protesten. Rund 200 Menschen harrten in der Nacht zum Sonntag mit Zelten vor der Europäischen Zentralbank aus. Demonstranten hätten mehr als 30 Zelte errichtet, sagte ein Sprecher. In Berlin nahmen 4000 Menschen an der entsprechenden Kundgebung teil. Einige der Demonstranten lieferten sich in der Nähe des Bundestags Rangeleien mit der Polizei.

In München machten etwa 1000 Demonstranten ihrem Unmut Luft, in Köln zogen nach Polizeiangaben rund 1500 Demonstranten durch die Innenstadt. Auch in Stuttgart gingen etwa 1500 Menschen auf die Straße. Mit "Rettungsschirmen", Trillerpfeifen und Plakaten prangerten sie die Macht der Wirtschaft an. Insgesamt beteiligten sich 40.000 Menschen in 80 deutschen Städten an den Demonstrationen.

Foto-Serie: Anti-Banken-Proteste von Sydney bis Rom
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Wikileaks-Gründer spricht in London

In London sprach Wikileaks-Gründer Julian Assange vor der St.-Paul's-Kathedrale zu den Demonstranten. "Das Bankensystem in London ist der Empfänger von korruptem Geld", sagte er. Außerdem kündigte er an, Wikileaks werde in den kommenden Monaten eine Kampagne gegen Finanzinstitute starten. An der Demonstration in London beteiligten sich bis zum Abend mehrere tausend Menschen. Nach Polizeiangaben kam es zu drei Festnahmen.

Auch in der Schweiz schlossen sich am Samstag etliche Menschen den weltweiten Protesten gegen die Macht der Banken und Finanzinstitutionen an. In Zürich besetzten rund 1000 Demonstranten der sogenannten "Empörten"-Bewegung den Paradeplatz im Zürcher Finanzviertel. In Genf gingen rund 300 auf die Straße, in Basel 100 und in Bern 50.

Kundgebungen in allen europäischen Metropolen

In Paris versammelten sich Hunderte Demonstranten vor dem Rathaus, in Brüssel zogen tausende Menschen durch die Straßen und warfen mit alten Schuhen auf die Börse. In Athen und Saloniki beteiligten sich insgesamt 5000 Menschen an friedlichen Protesten. Auch aus Sarajevo und Helsinki wurden Demonstrationen gemeldet.

Weitere 500 Demonstranten versammelten sich in der schwedischen Hauptstadt Stockholm zu einer friedlichen Kundgebung. Mit roten Flaggen und Transparenten griffen sie die Schlagworte der Occupy-Bewegung auf: "Wir sind die 99 Prozent" und "Wir weigern uns, für die Kapitalismuskrise zu zahlen", stand auf Plakaten. "Es gibt welche, die sagen, das System ist kaputt. Ist es nicht", rief der Gewerkschafter Bilbo Goransson den Menschen per Megafon zu. "Es ist, wie es geschaffen wurde. Es ist da, um reiche Leute reicher zu machen."

In Spanien, wo die Bewegung der Empörten bereits im Mai Protestlager auf dem zentralen Platz Puerta del Sol aufgeschlagen hatte, beteiligten sich am Abend nach Angaben der Veranstalter 300.000 Menschen an einer Demonstration. Auch in Städten wie Barcelona, Sevilla, Valencia und Malaga fanden Großkundgebungen statt. In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon hinderte die Polizei Demonstranten an der Erstürmung des Parlaments.

Eine Gruppe von 100 prominenten Autoren, darunter Salman Rushdie, Neil Gaiman und die Pulitzer-Preisträger Jennifer Egan und Michael Cunningham unterzeichneten eine Online-Petition zur Unterstützung der "Occupy Wall Street und der Occupy-Bewegung auf der ganzen Welt".

Geringere Beteiligung in Asien

In Asien, wo die Wirtschaft der meisten Länder boomt, war die Beteiligung geringer. Nur rund 200 Demonstranten fanden sich in Tokio vor der Konzernzentrale des Stromversorgers Tepco ein. "Nein zur Atomkraft", skandierten sie. Auf den Philippinen marschierten rund 100 Menschen vor der US-Botschaft in Manila auf, um ihre Solidarität mit "Occupy Wall Street" zu bekunden.

In Sydney versammelten sich 300 Menschen zu einer Kundgebung. "Wir sind die Gier der Konzerne leid", rief ein Sprecher den Teilnehmern zu. In Kanada wurden Kundgebungen aus Toronto, dem wichtigsten Finanzplatz des Landes, sowie aus Montreal, Vancouver, Halifax und Winnipeg gemeldet.

Festnahmen am Times Square

Zum Abschluss des Aktionstages trugen Tausende Anhänger der Bewegung "Occupy Wall Street" ihren Protest gegen die Macht der Banken am Samstagabend auf den New Yorker Times Square. "Die Banken wurden gerettet, wir wurden ausverkauft!", skandierten die Kundgebungsteilnehmer auf dem belebten Platz im Zentrum Manhattans. Zuvor waren Anhänger der Occupy-Bewegung mit Trommeln, Trompeten und Transparenten vor die New Yorker Niederlassung des Bankhauses Chase gezogen. Insgesamt wurden im Laufe des Tages in New York mehr als 80 Demonstranten in Polizeigewahrsam genommen. Auch in zahlreichen anderen US-Städten kam es zu kapitalismuskritischen Protesten.


Quelle: dapd

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