02.08.2010, 15:35 Uhr | DDP
Mittelrhein (ddp-rps). Der Deutschland-Chef des Internationalen Rates der Denkmalpflege (ICOMOS), Michael Petzet, hat das Ja der UNESCO zur geplanten Brücke im Mittelrheintal kritisiert. Die Brücke zerschneide das romantische Rheintal an einer sehr empfindlichen Stelle, sagte Petzet am Montag im Deutschlandradio Kultur. Das UNESCO-Welterbekomitee hatte in der vergangenen Woche auf seiner 34. Sitzung in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia den Weg für den Bau einer Rheinquerung in der Nähe der Loreley frei gemacht.
Dass das Komitee seine Bedenken für das Welterbe Oberes Mittelrheintal, anders als bei der Dresdener Waldschlösschenbrücke, zurückgestellt hat, führte Denkmalschützer Petzet unter anderem auf "eine glänzende Lobbyarbeit" der rheinland-pfälzischen Landesregierung zurück. Im Gegensatz zu Dresden hätten die rheinland-pfälzischen Vertreter von Anfang an das Gespräch mit der UNESCO gesucht. Der Stadt Dresden wurde der Welterbetitel aberkannt, weil sie mit dem Bau der Waldschlösschenbrücke über die Elbe ohne die Erlaubnis der UNESCO begonnen hatte.
Bei der geplanten Brücke am Mittelrhein ist laut Petzet besonders ärgerlich, dass durch das Vorhaben auch die traditionellen Rheinfähren ruiniert würden. Derzeit gebe es alle zehn Kilometer eine Fähre. "Man hätte aus dem Fährbetrieb wesentlich mehr machen können. Die Fähren sind keineswegs voll ausgelastet", sagte Petzet. Die Brücke hingegen sei nicht im Interesse der Bevölkerung, "die unter dem Verkehr nun wahrhaftig schon genug leidet".
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