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Das Streben nach Glück: Gustav Gans statt deutscher Michel

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Gustav Gans statt deutscher Michel

07.04.2011, 12:16 Uhr | Von Karlheinz Ruckriegel

 (Foto: Kamal Zharif Kamaludin)

(Foto: Kamal Zharif Kamaludin)

Im großen Stile betriebene weltweite Umfragen zur Zufriedenheit seit den 1960er-Jahren haben gezeigt, dass es in den westlichen Industrieländern kaum einen Zusammenhang mehr zwischen einer Steigerung des BIP pro Kopf und der Lebenszufriedenheit gibt. Zum einen passen sich die Ansprüche und Ziele an die tatsächliche Entwicklung an, das heißt mit steigendem Einkommen steigen auch die Ansprüche, sodass daraus keine größere Zufriedenheit erwächst. Zum anderen ist – sofern die materielle Existenz gesichert ist weniger das absolute Einkommen, sondern vielmehr das relative Einkommen im Vergleich mit anderen für den Einzelnen entscheidend. Es geht um die Frage der realen beziehungsweise empfundenen Fairness.

Unser Streben nach Wachstum hat keinen Sinn mehr

Worauf es bei uns wirklich ankommt – das zeigen die Forschungsergebnisse der Positiven Psychologie – sind vielmehr stabile soziale Beziehungen, physische und psychische Gesundheit, befriedigende Arbeit, persönliche Freiheit und eine als fair empfundene Einkommensverteilung.

Während die Verbesserung der materiellen Güterverfügbarkeit in Entwicklungsländern also durchaus Sinn hat, um die existenziellen Grundbedürfnisse abzudecken, hat das Streben nach Wirtschaftswachstum in den westlichen Industrieländern hingegen schon lange keinen mehr.

Es hat nicht nur keinen Sinn mehr, sondern es ist auch sträflich, wenn man die Lage der Welt betrachtet. Schon jetzt ist das Ende vieler natürlicher Ressourcen absehbar und der ökologische Fußabdruck, den die Industrienationen hinterlassen, kaum umkehrbar. 2050 leben voraussichtlich neun Milliarden Menschen auf der Welt. Wenn alle nach einem Entwicklungsstandard nach westlichem Vorbild streben, ist das für den Planeten nicht tragbar.

Auf der Grundlage der Ergebnisse der Stiglitz-Kommission, die vom französischen Präsidenten Sarkozy Anfang 2008 beauftragt wurde, Indikatoren für den „gesellschaftlichen Fortschritt“ herauszuarbeiten, findet gerade ein weltweites Umdenken statt. Der Deutsche Bundestag hat Anfang Februar die Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität“ ins Leben gerufen. Im Vereinigten Königreich hat Premierminister David Cameron das statistische Amt gebeten, ab April einen Glücksindikator zur Verfügung zu stellen, der dann als Grundlage der Politik dienen soll. Dies liegt ganz auf der Linie der EU-Nachhaltigkeitsstrategie, wonach die EU „eine kontinuierliche Verbesserung der Lebensqualität und des Wohlergehens auf unserem Planeten für die heute lebenden und für die künftigen Generationen“ anstrebt.

Happy life years

Der Vordenker der modernen Managementlehre, der Harvard-Professor Michael E. Porter, fordert zudem eine komplett neue Unternehmensstrategie, er spricht von der „Neuerfindung des Kapitalismus“. Nach Porter muss in Zukunft der Shared Value im Mittelpunkt stehen, wenn Unternehmen prosperieren und gesellschaftliche Akzeptanz zurückgewinnen wollen. Unter Shared Value versteht Porter das gleichzeitige Verfolgen von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zielen. „Durch den Shared Value konzentrieren sich die Unternehmen auf die richtige Art von Gewinnen – Gewinne, die auch der Gesellschaft Vorteile bringen, anstatt ihnen zu schaden Wir brauchen eine fortschrittliche Form des Kapitalismus, eine, die auch einen gesellschaftlichen Sinn enthält“, so Porter.

Das (wirtschafts-)politische Ziel kann also nicht Wirtschaftswachstum sein, sondern sollte vielmehr „ein glückliches langes Leben“ sein, also die Happy life years, die sich aus der Lebenserwartung und dem Grad der Zufriedenheit mit dem Leben errechnen, unter der Bedingung nachhaltigen Wirtschaftens.

Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel unterrichtet seit 1995 an der betriebswirtschaftlichen Fakultät der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg. Seine Schwerpunktthemen sind Makroökonomie – insbesondere Geld- und Währungspolitik, Psychologische Ökonomie – sowie interdisziplinäre Glücksforschung. Er ist Mitglied des Denkwerk Zukunft der Stiftung kulturelle Erneuerung.


Von Karlheinz Ruckriegel  

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Kommentare (14)

zum Forum

Thema: "Das Streben nach Glück: Gustav Gans statt deutscher Michel"

simplicissimus schrieb: am 8. April 2011 um 11:57:09
(0) (0) Glück
Die Verbrecherwerbung bring uns an den Rand, wir solten grundsätzlich Fragen : BRAUCH ICH DAS ! Gier- Werbung in Briefkästen
,bringt uns um. Politiker fördern der DRECK:, "Steuerlich absetzbar". Geld macht nicht Glücklich, Sicherheit ist sehr beruhigend.Geld macht Sorgenfrei . Was treiben POLITIKER - Beamte,Öffentlicher Dienst mit unseren Steuern sie verschleudern es in ihre Taschen ,protigieren ,bestechen ,lügen,verunsichern den Bürger. Die mir dem Roten Stuhl
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66 Jahre alt schrieb: am 8. April 2011 um 11:32:28
(0) (0) Zufriedenheit
Ich kann dem Artikel nur zustimmen. Das alte Sprichwort Geld macht nicht glücklich stimmt einfach. Zu meinen Enkelsöhne sage
ich sehr oft, wenn sie von Schumacher oder sonstigen Größen schwärmen und auch meinen die hätte viel Geld dann sage ich immer, der kann sich auch nur satt essen und wenn er jeden Tag Kaviar isst, ist das auch mit der Zeit langweilig. Oder wenn er eine Uhr hat die viel Geld gekostet hat, ist das auch egal, es käme darauf an das die Uhr richtig die Zeit ansagt und nicht was
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marcel schrieb: am 8. April 2011 um 11:05:42
(0) (0) glück
MIBA und andere sehen das wie ich. es geht mir schlecht, wenn ich sehe, wie es unserem planeten geht. alles war so schön gedacht, die
natur braucht uns nicht, aber wir die natur u. nun zerstören wir sie. wie soll man da noch glücklich sein, mit oder ohne geld?der autor carl amery schrieb seinen albtraun:" eines tages müsse die erde durch massenvernichtung von menschen wieder bewohnbar gemacht werden " wie schrecklich aber wahr?
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