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Das Konzept „Eurasien“: In der Mitte gefangen

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In der Mitte gefangen

05.02.2012, 12:55 Uhr | Ein Kommentar von Erhard Busek

 (Foto: TUBS)

(Foto: TUBS)

Aus den verschiedensten Gründen werden in der letzten Zeit Konzepte für ein „Eurasien“ in die Diskussion geworfen. Ein Blick auf den Globus belehrt uns, dass es aus der Formation der Landmassen betreffend Europa erklärbar ist. Peter Sloterdijk hat einmal aggressiv bemerkt, dass Europa ja nichts anderes sei als der Wurmfortsatz des asiatischen Kontinents. Historisch, politisch und kulturell haben sich die Dinge natürlich anders entwickelt.

Das Konzept „Eurasien“

Die Beziehungen zu Asien waren von Völkerwanderungen, Kriegen, Kolonialismus etc. gekennzeichnet. Ein europäischer Staat hat einen großen Anteil des asiatischen Kontinents, nämlich Russland, was sich systematisch aus der Zarenzeit entwickelt hatte und in der Sowjetunion fortgesetzt wurde. Auch die Türkei ist in einer Zwittersituation, wobei der europäische Anteil eher bescheiden ist, aber mit Istanbul und in der Frage des Selbstbewussteins eine große Rolle für Anatolien spielt. Der Zerfall der Sowjetunion und ihre Zugehörigkeit zu europäischen Institutionen der Vereinten Nationen und anderer Bereiche haben dazu geführt, dass die zentralasiatischen Republiken etwa zur UNECE (Europäische Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen) und zur OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) gehören.

Die jüngsten Vorstellungen allerdings kamen von einigen Stiftungen in der Türkei, die aufgrund der Entwicklung der immer stärkeren wirtschaftlichen Rolle Ankaras, aber auch der kulturellen Zugehörigkeit einiger Turkvölker sowie natürlich dem Interesse, ein „regional player“ auch in Europa zu sein, das Konzept von Eurasien offensichtlich als Alternative zur Zugehörigkeit zur EU gestärkt haben. Überhaupt ist wohl anzunehmen, dass die Türken gar nicht so sehr an einer Mitgliedschaft in der Europäischen Union interessiert sind, als etwa gegenwärtig unter Erdogan eine bedeutende Rolle an diesem Schlüsselpunkt des Bosporus zwischen Schwarzem Meer und östlichem Mittelmeer spielen wollen. Inwieweit die Erinnerungen an das Osmanische Reich eine Rolle spielen mögen, sei dahingestellt.

Russland hat zentralasiatische Ambitionen

Der andere Spieler am Feld ist Russland, das mit seiner Zollunion zwischen Weißrussland und Kasachstan und der Russischen Föderation nicht nur versucht, die einstige Größe der Sowjetunion wieder einzufangen, sondern auch von sich aus eine Alternative anzubieten, was an Integration möglich ist. Es ist offensichtlich, dass diese Gemeinsamkeit nicht nur auf die drei Staaten beschränkt bleiben soll, sondern eine zentralasiatische Dimension hat.

Ist das eine Alternative für die Europäer? Dass es geregelte Verhältnisse, Beziehungen und Kooperationen in diesem Raum zwischen der Europäischen Union und allen Fans von Eurasien geben muss, ist außer Frage. Gefördert wird das zweifellos durch die Energieverbindungen, aber auch durch die globale Entwicklung. Die institutionelle Fantasie in diesem Bereich ist allerdings eher etwas schwach und einschlägige Instrumente fehlen. Rund um das Schwarze Meer ist seit geraumer Zeit die Black Sea Economic Cooperation ( BSEC) tätig, die allerdings bislang relativ wenig Effektivität erweist. Spekulationen dieser Art wird es in der nächsten Zeit geben, inwieweit daraus auch Konstrukte entstehen, lässt sich gegenwärtig nicht abschätzen, weil natürlich auch der Arabische Frühling auf dem Weg ist, neue Wirklichkeiten zu schaffen. Wenn die Europäische Union zerfällt – alles andere als wünschenswert – können natürlich solche Konzepte an Zukunftskraft gewinnen.

Der Autor war von 1991 bis 1995 Vizekanzler der Bundesrepublik Österreich. Gleichzeitig war er Bundesminister für Wissenschaft und Forschung. Seit seinem Studium ist er in der ÖVP aktiv und war unter anderem ihr Generalsekretär. Außerdem war er Regierungsbeauftragter für die EU-Erweiterung. Heute ist Busek Präsident des EU-Russia Centre, Vorsitzender des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa, sowie Koordinator der Southeast European Cooperative Initiative (SECI).

Quelle: The European


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Kommentare (7)

zum Forum

Thema: "Das Konzept „Eurasien“: In der Mitte gefangen"

Spirituelle schrieb: am 5. Februar 2012 um 18:54:08
(39) (3) Eurasien kommt erst später
Für ein Eurasien ist die Menschheit noch nicht soweit! Dafür gibt es noch viel zu viele Unterschiede in den
Religionen, Wirtschaftsnormen und Moralvorstellungen, die die einzelnen Länder prägen. Es wird einmal gut möglich sein, ist es auch ein langfristig gesetztes Ziel der Menschheit. Das wird vielleicht in 1000 Jahren möglich sein, wenn die Finanzpolitik keine zentrale Rolle mehr spielt, sondern der Gemeinschaftssinn in den Vordergrund rückt. Es dauert noch etwas, bis wir soweit sind...
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Achim schrieb: am 5. Februar 2012 um 18:19:40
(27) (17) Eurasien
Bündnisse richten sich nicht nach der Geographie. Sonst gäbe es auch keine NATO. Manchem scheint es, als hätte man auch schon bei
der EU zu sehr auf die Geographie geblickt. Das ist aber ein Irrtum. Die EU ist ein Wirtschaftsbündnis. Den gelungenen Coup mit der deutschen Wiedervereinigung wollte man nur auf europäischer Ebene wiederholen. Das hat sogar zeitweise funktioniert, man denke nur daran, welche Vorteile die deutsche Wirtschaft daraus gezogen hat.
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Sylvia schrieb: am 5. Februar 2012 um 16:01:25
(77) (7) Eurasien
Was für ein Unsinn. Wenn Europa zerfällt, dann nur aus einem einzigen Grund: Weil die Unterschiede zwischen den Ländern einfach
zu groß sind, um eine gemeinsame LInie zu finden. Weshalb sollten dann bei einem noch massiger aufgeblasenem Gebilde wie Eurasien die Unterschiede keine Rolle mehr spielen? Gigantismus ist nicht überlebensfähig.
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