Soldaten sichern den Fackellauf in Lhasa (Quelle: Reuters)Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ist das olympische Feuer am Samstag durch die tibetische Hauptstadt Lhasa getragen worden. Nach ersten Berichten endet der Lauf ohne Zwischenfälle. Die Flamme wurde zum Abschluss vor dem Potala-Palast mit dem Feuer vereinigt, mit dem chinesische und tibetische Bergsteiger im Mai auf den Mount Everest geklettert waren.
Die ARD-Korrespondentin Nicole Böllhof, die als einzige deutsche Journalistin nach Lhasa reisen durfte, berichtete von einem "massiven Militäraufgebot" und einer "Atmosphäre der Angst" in der tibetischen Hauptstadt. "Es sieht aus wie in einer Festung." Die Innenstadt sei mit Straßensperren und Zäunen abgeriegelt worden.
Soldaten statt Pilger
Bewohner seien aufgefordert worden, in ihren Häusern zu bleiben, hätten tibetische Quellen berichtet. "In der Altstadt war kein einziger Mönch mehr zu sehen", berichtete Böllhof. Statt Pilgern seien auf dem Barkor genannten Rundweg um den Yokhang-Tempel im Zentrum nur Soldaten gewesen. An den Zugängen zur Altstadt seien Kontrollen mit jeweils sechs bis zehn Soldaten postiert worden.
Teile des Fackellaufes wurden live im chinesischen Staatsfernsehen übertragen. Am Rande der 9,3 Kilometer langen Strecke zum Potala-Palast, dem früheren Sitz des Dalai Lama, winkten Zuschauer mit olympischen und chinesischen Fahnen. Nach Angaben exiltibetischer Gruppen sollen die Zuschauer sorgfältig ausgewählt worden sein. Unter den 155 Fackelläufern waren nach amtlichen Angaben auch 75 Tibeter. Der Dalai Lama hatte seine Landsleute aufgefordert, den Fackellauf nicht zu stören und zu respektieren. Die Tibeter unterstützten die Olympischen Spiele, wozu auch der Fackellauf gehöre, hatte das religiöse Oberhaupt der Tibeter im Vorfeld betont.
Der Fackellauf wurde von Exiltibetern und internationalen tibetischen Aktionsgruppen scharf kritisiert. Aus ihrer Sicht will Chinas Führung damit ihren Machtanspruch auf Tibet bekräftigen. Erst am Donnerstag und Freitag waren erneut zwölf Teilnehmer an den Unruhen im März in Tibet verurteilt worden. Die Höhe der Haftstrafen wegen Brandstiftung, Raubes oder Angriffen auf Staatsorgane wurde zunächst nicht genannt. Weitere 116 Unruhestifter warteten noch auf ihren Prozess, berichtete der Vizevorsitzende der Autonomen Regierung, Palma Trily, nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua.
Urteile und Freilassungen
1157 Menschen, denen kleinere Vergehen vorgeworfen wurden, seien wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International begrüßte die Freilassungen und forderte Aufklärung über die 116 Inhaftierten, denen noch der Prozess gemacht werden soll. Am 29. April waren schon 30 Mönche und andere Teilnehmer an den Unruhen zu hohen Strafen bis hin zu lebenslanger Haft verurteilt worden.