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Das Einschreibchaos an den Hochschulen geht weiter

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Das Einschreibchaos an den Hochschulen geht weiter

08.01.2012, 12:42 Uhr | dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Voller Hörsaal an der Universität Leipzig

Voller Hörsaal an der Universität Leipzig (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Die Probleme bei der Einführung des bundesweiten Studienzulassungssystems via Internet sind erheblich größer als bislang eingeräumt.

Allenfalls 40 statt der angestrebten 300 Hochschulen werden in diesem Jahr an dem Online-Bewerbungsverfahren für die begehrten Numerus-clausus-Studiengänge (NC) teilnehmen können - und dies auch nur eingeschränkt bei Studiengängen mit nur einer einzigen Fachrichtung. Dies geht aus einem internen Sitzungsprotokoll der Stiftung Hochschulstart hervor, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Ein Grund sind zusätzliche Probleme mit veralteter Verwaltungs-Software an vielen Hochschulen. Nach bereits mehrfach erfolgten Start-Verschiebungen hatte die von Ländern und Hochschulrektorenkonferenz (HRK) getragene Stiftung Mitte Dezember in einer verklausulierten Mitteilung die Aufnahme eines "Pilotbetriebes" zum Wintersemester 2012/2013 angekündigt - ohne allerdings genaue Zahlen zu nennen. Das seit Jahren mangels bundesweiter Abstimmung unter den Hochschulen beklagte Einschreibchaos führt dazu, dass infolge von Mehrfachbewerbungen und Doppelzulassungen regelmäßig rund 20 000 Numerus-clausus-Mangelstudienplätze nicht besetzt werden können.

Experten halten Doppeleinschreibungen doch nur dann für vermeidbar, wenn möglichst alle der infrage kommenden 300 Hochschulen an dem neuen System teilnehmen. Die SPD-Politikerin Ulla Burchardt forderte angesichts des anhaltenden Einschreibchaos eine bundesgesetzliche Regelung. "Bundesbildungsministerin Annette Schavan ignoriert seit Jahren, dass der Bund auch nach der Föderalismusreform für die Zulassung zum Studium wie auch für die Abschlüsse zuständig ist", sagte die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses der Nachrichtenagentur dpa.

Burchardt: "Mit einem Bundesgesetz werden zwar nicht sofort die aktuellen technischen Probleme gelöst, wohl aber in dem Dauerstreit endlich Klarheit über Zuständigkeiten und Verantwortung geschaffen, ebenso Abläufe und Finanzierung eindeutig geregelt."

Individuelle Einschreibsysteme jeder einzelnen Hochschule in Deutschland oder auch 16 verschiedene Länderregelungen für die Studienplatzvergabe machten weder volkswirtschaftlich noch politisch einen Sinn, sagte Burchardt weiter. Dies werde mit dem jetzt seit Jahren anhaltenden Einschreibchaos eindrucksvoll belegt. Dabei werde nicht nur mit der Lebenszeit und den Bildungschancen junger Menschen Schindluder getrieben, es würden auch Steuergelder wegen der Nichtbesetzung freier Studienkapazitäten sinnlos verschleudert.

Schavans Sprecher Robin Mishra sagte zu der Kritik der Ausschussvorsitzenden: "Technische Fragen sind durch keinerlei Bundesgesetz zu lösen - das weiß Frau Burchardt. Der jetzige Weg ist im Einvernehmen zwischen allen 16 Ländern und dem Bund vereinbart. Deshalb ist es richtig, sich jetzt auf die konkrete Lösung der entstandenen Probleme zu konzentrieren."

Der Bildungsausschuss des Bundestages wird sich am 18. Januar erneut mit den Startproblemen befassen und hat dazu Vertreter der Länder, der HRK und der Stiftung geladen. Der Bund hat für die Entwicklung des aufwendigen neuen technischen Systems bisher 15 Millionen Euro gezahlt.

In dem Protokoll der Stiftung Hochschulstart heißt es: "Ein Erreichen der (...) angestrebten Effekte (insbesondere Abgleich der Mehrfachzulassungen, Beschleunigung und Transparenz der Zulassungsverfahren) kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt für das Wintersemester 2012/2013 nicht gewährleistet werden." Die Probleme sind seit der ab 2003/2004 von der HRK und den Ländern massiv forcierten Auflösung der früheren Dortmunder Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) bekannt.


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Quelle: dpa

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