24.01.2012, 13:12 Uhr
"Schlechter Witz", dachte Erwin Bleser im ersten Moment noch. Gemeinsam mit seiner Frau hat der 70-Jährige aus dem Westerwald das "Costa-Concordia"-Unglück in Italien überlebt, hat sich mit Fähre und Bus auf den beschwerlichen Weg in die Heimat gemacht - nur um dann in Frankfurt am Bahnhof zu hören, dass er nicht mit der Bahn nach Hause fahren darf, weil die beiden Tickets fehlen. Ein Mitarbeiter der Bahn wies die Schiffbrüchigen am Kartenschalter ab, weil sie kein Geld dabei hatten.
Am Montagmorgen bat die Bahn die Blesers um Entschuldigung - reichte einen Teil der Schuld aber auch gleich weiter an den Reiseveranstalter.
Der Vorstand habe inzwischen mit Bleser und seiner 66 Jahre alten Frau gesprochen, teilte die Bahn mit. Statt der Bundespolizei am Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens die Notlage zu schildern, hätten die beiden mit dem Zugpersonal verhandelt, das für solche Situationen nicht ausgebildet sei. Medien hatten am Montag über den Vorfall berichtet.
Gleichzeitig machte der Sprecher den Reiseveranstalter für die missglückte Heimreise der Blesers verantwortlich. "Generell muss der Reiseveranstalter sicherstellen, dass seine Gäste in einem solchen Fall nach Hause kommen", sagte er.
Hören Sie hier Kapitän Schettino: Der Mitschnitt des Telefonats mit dem Hafenamt untermauert die schweren Vorwürfe gegen ihn. zum Video
Das Ehepaar war nach dem Unglück vor der toskanischen Küste mit einem Reisebus von Italien aus zum Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens gebracht worden. Von dort aus wollte es mit dem ICE nach Montabaur fahren. "70 Euro sollten wir zahlen für die beiden Karten", ärgert sich Bleser. "Aber greifen Sie mal einem nackten Mann in die Tasche." Geld und die gebuchten und bezahlten Rückfahrkarten lägen nach wie vor auf dem Schiffswrack vor der Insel Giglio. "Es wäre eine einfache Sache gewesen für den Mitarbeiter zu sagen: 'Steigen Sie in den Zug ein, das geht schon in Ordnung'."
Neben den Wertsachen sind natürlich auch die Koffer des Paares aus dem Westerwald an Bord zurückgeblieben. In leichter Bekleidung und Hausschuhen habe man entkräftet am Bahnhof gestanden, ist Bleser entrüstet. "Wir waren seit Freitagmorgen auf den Beinen und hatten keinen Schlaf bekommen." Schließlich habe der Sohn die Rentner am Bahnhof abgeholt und mit dem Auto nach Hause gebracht. "Für uns steht fest: Mit der Costa würden wir jederzeit wieder in See stechen, auf die Bahn verzichten wir jetzt erst mal."
Quelle: dpa
shopgirl schrieb:
am 24. Januar 2012 um 13:43:20
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Bahn
Dem Tod von der Schippe gesprungen und sofort den Mund aufreißen, man würde jederzeit wieder mit Costa-Kreuzfahrten in See stechen.
Der Bahn aber den Schwarzen Peter für die Nicht-Beförderung anlasten wollen, statt den Reiseveranstalter in die Veranwortung zu nehmen und den Sohn als letzte Rettung aus dem Ärmel zu zaubern. Erbärmlich!
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Euro schrieb:
am 24. Januar 2012 um 13:33:23
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Bahn und Costa
Zuerst ist es Costas Verantwortung, dafür zu sorgen, dass die Leute, die z.T. unter Schock stehen, sicher heimkommen. Aber
auch der Bahnbedienstete hätte anders reagieren können und sich an einen Vorgesetzten wenden müssen.
Dass er die Verantwortung nicht auf seine Kappe nahm, kann ich verstehen, ruck-zuck sitzt man bei solchen Verfehlungen nämlich heute bei uns in der BRD auf der Straße und ist seinen Job los. Man müßte halt Bundespräsident sein.
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ZwarteSchaap schrieb:
am 24. Januar 2012 um 13:28:17
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DB
Die Bahnmitarbeiter trifft dabei doch am wenigsten Schuld.
Jeden Tag versuchen sich zerlumpte Leute eine Fahrkarte zu erschleichen.
Wie
soll man da unterscheiden?
Es wäre eindeutig Sache des Veranstalters gewesen, dass die Leute gut nach Hause kommen. Eine ganz andere Sache ist natürlich die psychische Belastung für das Ehepaar, dass am Ende seiner Kräfte auch nicht wirklich in der Lage war, sich einfach für ein Taxi zu entscheiden. Traurig ist auch, dass der Sohn so spät reagiert hat.
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