Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Nachrichten > Deutschland > Parteien >

Comeback als SPD-Fraktionschef: Steinmeier prescht zurück an die Macht

...

Steinmeier prescht zurück an die Macht

25.10.2010, 08:14 Uhr | Von Florian Gathmann

SPD-Fraktionschef Steinmeier steht kurz vor seinem Comeback (Foto: dpa)

SPD-Fraktionschef Steinmeier steht kurz vor seinem Comeback (Foto: dpa)

Schon in der ersten Woche jagt ein Termin den anderen: SPD-Fraktionschef Steinmeier meldet sich zurück - nach der Nierenspende für seine Frau fühlt er sich fit, will seinen Machtanspruch unterstreichen. Viele in seiner Partei hoffen, dass er ein Korrektiv bildet zum Aus-der-Hüfte-Schießer Sigmar Gabriel.

Berlin - "Wir sehen uns dann ja bald wieder", sagte Frank-Walter Steinmeier an einem Montagmorgen im August. Er lächelte dabei und versuchte, zuversichtlich zu wirken. Zuvor hatte Steinmeier in wenigen nüchternen Sätzen erklärt, dass er auf dem Weg in eine Klinik sei, um seiner kranken Frau Elke Büdenbender eine Niere zu spenden. Die versammelten Journalisten waren perplex.

Ein schwerer Eingriff, eine große Geste, eine Politikpause mit unbestimmtem Ende.

Nun ist sie beendet - am Montag kehrt der SPD-Fraktionschef ins politische Berlin zurück. Der Ex-Außenminister habe die Nierentransplantation für seine Frau bestens überstanden. Und auch Elke Büdenbenders Genesung sei auf einem guten Weg, heißt es. Seit knapp zwei Wochen sind die beiden nach einer längeren Reha-Phase wieder in ihrem Berliner Haus.

Für Dienstag planen die Steinmeier-Strategen eine große Pressekonferenz. Das soll auch ein Zeichen setzen - nach dem Motto "Ich bin noch da". Und es ist eine klare Ansage an jene in der SPD, die vielleicht schon ohne Steinmeier geplant haben. Auch mit Blick auf die Kanzlerkandidatur 2013.

"Er freut sich auf die Rückkehr in die Politik", ist aus Steinmeiers Umgebung zu hören - "und er wird sofort wieder voll einsteigen". Ganz weg war der Spitzensozialdemokrat bis auf die Stunden rund um die Operation am 24. August ohnehin nie - schon einen Tag später stand er per SMS in Verbindung mit Parteichef Sigmar Gabriel. Seitdem hielt Steinmeier ständig Kontakt in die Fraktion und das Willy-Brandt-Haus, ab und an empfing er auch Gäste.

Straffe Comeback-Woche

Doch nun ist Steinmeier, 54, wirklich zurück - und sein Programm sieht nicht nach einer Eingewöhnungswoche aus: Zum Wochenbeginn will er zunächst im Bundestag vorbeischauen, wo sich der SPD-Fraktionsvorstand trifft. An der Sitzung der Gremien im Willy-Brandt-Haus am Montagmorgen wird Steinmeier dagegen noch nicht teilnehmen. Am Dienstag dann der erste große öffentliche Auftritt: Gegen Mittag wird Steinmeier gemeinsam mit Parteichef Gabriel eine große Pressekonferenz geben - offiziell unter dem Motto "Ein Jahr schwarz-gelbe Bundesregierung". Am Nachmittag soll Steinmeier dann zum ersten Mal wieder die SPD-Fraktionssitzung leiten.

Einen Tag später greift der Fraktionschef wieder in die öffentliche Debatte ein: Im Bundestag wird er auf die Regierungserklärung von Kanzlerin Angela Merkel zum Europäischen Rat antworten. Schon am Abend folgt sein nächster öffentlicher Termin, am Donnerstag ist wieder Plenum, abends steht ein weiterer Auftritt an.

Die Nierenspende an seine Frau hat Steinmeier einiges an Gewicht gekostet. "Zweistellig" habe er abgenommen, ist zu hören. Sein politisches Gewicht dürfte dagegen eher zugenommen haben: Parteichef Gabriel machte in den Wochen ohne Steinmeier nicht immer eine glückliche Figur. Ob in der Sarrazin-Debatte oder bei Hartz IV - Gabriels erratischer Politikstil verwirrt immer wieder auch die eigenen Leute. Umso mehr sehnt man sich nach dem bedächtigen Steinmeier zurück, als Korrektiv des Aus-der-Hüfte-Schießers im Willy-Brandt-Haus.

Offen würde das freilich niemand sagen. Aber Steinmeier hat immer noch seine Fans in der SPD - und ihre Zahl dürfte angesichts des Gabriel'schen Zickzacks eher ansteigend sein. Klar ist jedenfalls: Der Parteichef und Steinmeier sind zusammen sehr viel wertvoller für die Partei als der Solist Gabriel.

Auch Poß dürfte über die Steinmeier-Rückkehr froh sein

Joachim Poß wiederum, der kommissarische Chef der SPD-Bundestagsabgeordneten, habe seine Sache "so gut wie möglich gemacht", ist aus der Fraktion zu hören. So gut es eben funktioniert, wenn ein 400-Meter-Läufer plötzlich im Zehnkampf antreten muss. Poß dürfte froh sein, wenn er sich nach Steinmeiers Rückkehr wieder auf sein Fachgebiet als Finanzexperte konzentrieren kann.

Der oft dröge wirkende Steinmeier hat durch die Nierenspende auch als Mensch Profil gewonnen. "Heilkraft Liebe", "Auszeit aus Liebe", "Liebesdienst" - Schlagzeilen wie diese begleiteten den Weg des Ehepaars Steinmeier ins Krankenhaus. Und ließen seine Popularitätswerte steigen - neben Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist Steinmeier momentan der beliebteste Politiker der Republik. Plötzlich gilt der Ex-Außenminister - als Kanzlerkandidat 2009 noch abgeschlagen im Duell mit Angela Merkel - wieder als Anwärter für einen erneuten Versuch bei der Bundestagswahl in drei Jahren.

Aber will er das?

"Gehen Sie davon aus, dass Sie mich in alter Frische wiedersehen" - mit diesem Satz verabschiedete sich Steinmeier vor zwei Monaten. Fürs erste dürfte er glücklich darüber sein, dass sich seine Prophezeiung bewahrheitet hat.



Anzeige

Quelle: Spiegel Online

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Comeback als SPD-Fraktionschef: Steinmeier prescht zurück an die Macht" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Comeback als SPD-Fraktionschef: Steinmeier prescht zurück an die Macht" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (31)

zum Forum

Thema: "Comeback als SPD-Fraktionschef: Steinmeier prescht zurück an die Macht"

soso schrieb: am 21. Oktober 2010 um 19:44:15
(0) (0) Steinmeier
hat er sich nicht auch für die katastrophale HARZ-IV-SChei... eingesetzt.???? Man lebt gut mit den mtl. Soleir und was sonst noch verdienen kann...

Kommentar melden

Lazaro schrieb: am 21. Oktober 2010 um 19:39:29
(0) (0) @Rüdiger S.
Wehe er würde in Rente gehen, dann wären Sie der Erste der schreit......... von unserem Geld...! Nein, ihr wisst doch gar
nicht was ihr wollt. Dummes lamentieren nicht weniger schlimm als mancher Politiker !
mehr Kommentar melden

Stefan schrieb: am 21. Oktober 2010 um 19:35:19
(0) (0) ohne Steinmeier
Ohne die exzellenten SPD Minister Steinbrink und Steinmeier in der großen Koalition gäbe es Angela Merkel längst nicht mehr.

Kommentar melden

alle Kommentare
Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

UMFRAGE

Wer sollte 2013 für die SPD als Kanzlerkandidat ins Rennen gehen?

Anzeige
Video
Politikerin posiert nackt auf Wahlplakat

Die Mexikanerin Natalia Juarez will mit dem Plakat aufrütteln. zum Video

Augenblicke
Fotos des Tages
Der Formel Eins Bolide des Finnen Heikki Kovalaien wird mit einem Kran von der Fahrbahn gehievt. (Quelle: Reuters\Olivier Anrigo )

Ein Kran hievt einen Boliden von der Strecke. mehr

Aus dem All
Satellitenbild der Woche

Wie Außerirdische die Erde sehen würden. zur Foto-Serie

Shorts & Bermudas
Trend-Styles von Esprit

Welche Kurzge-schichte gefällt Ihnen besser? mehr

Ulla Popken-Mode
Die neue Kollektion ist da! - von Ulla Popken

Die neue Kollektion ist da. Jetzt bestellen!
von Ulla Popken


© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige