08.12.2010, 17:00 Uhr | Von Thomas Borchert, dpa
Julian Assange wird möglicherweise nach Schweden ausgeliefert (Foto: Reuters)
Für die einen ist es eine CIA-Verschwörung gegen den Urheber der unliebsamen Wikileaks-Enthüllungen, für andere eine schwedische Justiz-Posse mit Julian Assange als Opfer. In Stockholm selbst sehen viele die Festnahme des Internet-Aktivisten drei Monate nach dem Vergewaltigungs-Vorwurf als logische Konsequenz eines scharfen Sexualstrafrechts.
Dabei geht es weniger um das Strafmaß. Auf Vergewaltigung stehen in Schweden bis zu sechs Jahre Haft, bei "weniger groben" Fällen bis vier Jahre. In Deutschland kann es für Vergewaltigung bis zu 15 Jahre Haft geben. Aber Schwedens Polizei und Staatsanwaltschaft bewegen sich in einem seit mehr als zehn Jahren immer mehr von erklärten Feministen dominierten Umfeld. Dass hier 1999 erstmals in der Welt jeder Kauf sexueller Dienste unter Strafe gestellt wurde, ist zum international stark beachteten Symbol geworden: Verfolgt werden die fast durchweg männlichen Sex-Käufer und nicht die überwiegend weiblichen Verkäuferinnen.
Claes Borgström ist Anwalt der beiden Schwedinnen, die im August nach Sex mit Assange zur Polizei gegangen sind, weil er ihr "Nein" zu ungeschütztem Sex nicht respektiert haben soll. In einem Fall wird wegen Vergewaltigungsverdachts ermittelt.
"Das sind zwei ganz normale schwedische Mädchen, die Assange für seine Arbeit bewundert haben", sagte der Anwalt der Zeitung "Dagens Nyheter". Vergewaltigung könne etwas anderes sein, als dass ein Mann hinter dem Busch hervorspringt und sich grob gewalttätig an einer Unbekannten vergeht. "Es gibt andere Methoden, jemanden zu Sex gegen den eigenen Willen zu zwingen. Das können zigtausende Frauen bezeugen."
Nachdem sich Julian Assange der Polizei gestellt hat, steht vermutlich ein langer Rechtsstreit um seine Auslieferung nach Schweden an. zum Video
Details nennt Borgström nicht. Er steht mit seinem Werdegang auf mitunter verblüffende Weise für die schwedische Feminismus-Variante. 2000 bis 2007 amtierte der Jurist als Schwedens Gleichberechtigungs-Ombudsmann und verlangte den Boykott der Fußball-WM in Deutschland: Dort sei mit fast 50.000 Zwangsprostituierten zu rechnen. Schweden dürfe solche Formen von Sklavenhandel nicht unterstützen. Die neue Frauenpartei "Feministische Initiative" unterstützte er mit der Forderung nach Anerkennung einer "kollektiven Männerschuld" für Gewalt an Frauen.
Borgström ist mit diesen Positionen kein Außenseiter. In Stockholm betreibt er sein Anwaltsbüro zusammen mit dem sozialdemokratischen Ex-Justizminister Thomas Bodström und berät dessen Partei als Gleichberechtigungsexperte. Dass Bodström nach der Wahlniederlage der Sozialdemokraten im September plötzlich alle politischen Positionen hinschmiss und sich "aus familiären Gründen" ausgerechnet in die USA absetzte, könnte gut zu einer Verschwörungstheorie passen.
Aber nicht für Borgström. Assange kränke die beiden Schwedinnen mit Vermutungen in diese Richtung "ein zweites Mal": "Er lügt, wenn er behauptet, dass meine Klientinnen Teil einer von den USA gelenkten Verschwörung gegen ihn und Wikileaks sind. Er weiß das ganz genau."
In Stockholm sind die meisten Beobachter überzeugt, dass Oberstaatsanwältin Marianne Ny eher an möglichen Ärger mit Claes Borgström als an Druck aus Washington dachte, als sie auf der Assange-Festnahme in London bestand. Wenngleich der immer härtere Kampf um die Wikileaks-Enthüllungen nach Überzeugung von "Dagens Nyheter" irgendwann wohl doch den Gang des Stockholmer Verfahrens beeinflussen könnte: "Es gibt schon das Risiko, dass die Festnahme von Julian Assange zu einem großen politischen Problem wird."
Von Thomas Borchert, dpa
dofra schrieb:
am 8. Dezember 2010 um 21:26:03
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komisch
Wieso verfolgt man hier die Opfer, nicht die Täter?
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Rentner schrieb:
am 8. Dezember 2010 um 21:04:14
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Assange
Olof Palme habe ich noch als anständige Schwedischen Politiker in Erinnerung. Leider wurde er damal bei einem gemeinen Attantat
getötet. In schlechter Erinnerung in Verbindung mit Schweden habe ich das Jahr 1945. Damals hatten sich vor und nach der Kapitulation sehr viele Deutsche Soldaten nach Schweden abgesetzt, um der russischen Gefangenschaft zu entgehen. Schwedische Politiker haben sie alle an Russliand ausgeliefert. Bis auf die, welche sich aus Verzweiflung selbst das Leben nahmen.
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Rentner schrieb:
am 8. Dezember 2010 um 20:53:59
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Assange
Der einzge menschliche Schwedische Politiker war Olof Palme. Eine schlechte Meinung von Schwedischen Politikern habe ich solche aus
dem Jahr 1945.
Damals hatten sich vor und nach der Kapitulation sehr viele Deutsche Soldaten nach Schweden abgesetzt, um nicht in russische Gefangenschaft zu geraten.
Schweden hat sie alle an Russland ausgeliefert. Mit Ausnahme derjenigen die sich aus Verzweiflung selbst das Leben nahmen. Nun ist wieder eine Gemeinheit in Aktion, die von rachsüchtigen Politikern gew
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