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Chronologie: Gaddafis verlorener Kampf um Libyen

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Chronologie: Gaddafis verlorener Kampf um Libyen

20.10.2011, 16:01 Uhr

Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi (Quelle: dpa)

Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi (Quelle: dpa)

Vor wenigen Monaten war Muammar al-Gaddafi noch der unumschränkte Herrscher Libyens. Dann formierte sich der Widerstand gegen den Diktator, die Proteste wurden zum Bürgerkrieg. Gaddafis Ende kam mit dem Fall seiner letzten Bastion.

Ein Rückblick auf die letzten Monate:

15. FEBRUAR: Die Protestwelle aus Tunesien und Ägypten schwappt auf Libyen über. In Bengasi kommt es zu Zusammenstößen zwischen Aufständischen, der Polizei und Anhängern von Machthaber Muammar al-Gaddafi. Blutige Kämpfe folgen.

21. FEBRUAR: Die meisten UN-Diplomaten Libyens in New York sagen sich von Gaddafi los und laufen zur Opposition über. Der stellvertretende UN-Botschafter Ibrahim Dabbashi wirft dem Machthaber Völkermord vor.

25. FEBRUAR: Bengasi wird Rebellen-Hochburg, Regierungstruppen sind nicht mehr in der Stadt. Die USA verhängen Sanktionen, um Gaddafi zum Nachgeben zu zwingen.

26. FEBRUAR: Gaddafis Truppen kontrollieren nur noch wenige Großstädte im Westen, darunter ihre Machtbasis Tripolis. Die Vereinten Nationen beschließen Strafmaßnahmen.

27. FEBRUAR: Vermutlich Tausende Menschen werden bei den Kämpfen getötet oder verletzt. Die Aufständischen bilden eine Übergangsregierung, spalten sich aber. Ein Teil gründet den libyschen Nationalrat in Bengasi. Die Kämpfe gehen weiter.

28. FEBRUAR: Auch die Europäische Union beschließt einstimmig Sanktionen, die am 11. März in Kraft treten. Konten der libyschen Führung in deutschen Banken werden eingefroren.

2. MÄRZ: Luftwaffeneinsatz der Gaddafi-Truppen; sie dringen in Rebellengebiete im Osten ein.

5. MÄRZ: Der libysche Nationalrat fordert eine Flugverbotszone. Erbitterte Kämpfe um strategisch wichtige Städte.

10. MÄRZ: Als erster EU-Staat erkennt Frankreich die Opposition als alleinige und rechtmäßige Vertretung des libyschen Volkes an.

11. MÄRZ: Gaddafis Truppen übernehmen die Kontrolle über die Stadt Al-Sawija, später auch den Ölhafen Ras Lanuf und die Hafenstadt Brega. Die Opposition bittet um Verhängung einer Flugverbotszone.

12. MÄRZ: Die Arabische Liga fordert eine Flugverbotszone.

17. MÄRZ: Der UN-Sicherheitsrat billigt eine Flugverbotszone ohne Einsatz von Bodentruppen. Deutschland enthält sich.

18. MÄRZ: Gaddafis Regime kündigt einen Waffenstillstand an. Die Aufständischen beklagen indes fortgesetzte Angriffe.

19. MÄRZ: Spitzenpolitiker aus aller Welt stimmen in Paris das weitere Vorgehen ab. Kurz danach starten die USA, Frankreich und Großbritannien einen ersten Militärschlag gegen Libyen.

20. MÄRZ: Nach massiven Luftangriffen gegen libysche Militäreinrichtungen droht Gaddafi mit Vergeltung.

23. MÄRZ: Die Nato beginnt mit der Durchsetzung des Waffenembargos.

24. MÄRZ: Mahmud Dschibril wird vom Übergangsrat zum Ministerpräsidenten einer provisorischen Gegenregierung ernannt

Ende MÄRZ, erste APRILWOCHE: Unklare Lage um die Städte Misrata, Sirte und Ras Lanuf, die Kontrolle wechselt immer wieder zwischen Regierungstruppen und Rebellen.

7. APRIL: Zum zweiten Mal werden Rebellen durch einen NATO-Luftschlag getötet.

APRIL: Den ganzen Monat lang wogen Kämpfe um Misrata.

5. MAI: Bei einem Treffen der Libyen-Kontaktgruppe verständigen sich die Außenminister aus mehr als 20 Ländern über die Errichtung eines Hilfsfonds zur Unterstützung der Gaddafi-Gegner. In den Fonds soll Geld aus dem beschlagnahmten Vermögen Gaddafis fließen.

28. MAI: Die NATO greift erneut Ziele in Tripolis an. Russland schließt sich den Rücktrittsforderungen an die Adresse Gaddafis an.

7. JUNI: Die NATO intensiviert ihre Tagangriffe auf Tripolis.

9. JUNI: Die Libyen-Kontaktgruppe kündigt an, die Rebellen mit rund 1,3 Milliarden Dollar (900 Millionen Euro) zu unterstützen. Auch die USA erkennen den Nationalen Übergangsrat als legitime Vertretung des libyschen Volkes an.

13. JUNI: Außenminister Guido Westerwelle und Entwicklungsminister Dirk Niebel eröffnen in Bengasi ein deutsches Verbindungsbüro. Die Bundesregierung erkennt den Nationalen Übergangsrat an.

26. JUNI: Rund 100 Tage nach Beginn der Kämpfe weigert sich Gaddafi nach wie vor, abzutreten.

29. JUNI: Frankreich räumt als erstes westliches Land ein, die Rebellen mit Waffen zu versorgen. Präsident Nicolas Sarkozy habe den Abwurf von Waffen per Fallschirm nach einem Treffen mit Vertretern der Rebellen in Paris beschlossen, berichtet AFP.

11. JULI: Die libysche Regierung steht mit mehreren Regierungen in Verhandlungen, um den Krieg zu beenden.

15. JULI: Gaddafi protestiert scharf gegen die Anerkennung des Übergangsrats durch inzwischen rund 40 Staaten. "Zerstampft diese dumme Anerkennung unter Euren Füßen", rief er seinen Anhängern zu.

JULI und AUGUST: Schwere Kämpfe um eine Reihe von Städten, Fortsetzung der NATO-Luftangriffe.

20. AUGUST: Heftige Gefechte in Tripolis. Die Rebellen kontrollieren nach eigenen Angaben Teile der Hauptstadt. Es gibt viele Tote. Der Kampf um die Hauptstadt hat begonnen.

22. AUGUST: Das Regime von Gaddafi steht kurz vor dem Zusammenbruch. Die Rebellen nehmen Tripolis weitgehend ein. Die Leibgarde von Gaddafi legt die Waffen nieder. Wo sich Gaddafi aufhält, ist unklar.

23. AUGUST: Nach heftigen Kämpfen gelingt den Rebellen die Eroberung der Gaddafi-Residenz Bab al-Asisija.

24. AUGUST: Nach schweren Kämpfen erobern die Rebellen Tripolis. Während in der Hauptstadt noch vereinzelt gekämpft wird, legt die Übergangsregierung einen Zeitplan für das Libyen nach Gaddafi vor und kündigt Wahlen binnen acht Monaten an.

25. AUGUST: Die politische Führung der Aufständischen beginnt mit der Übernahme der Regierungsgeschäfte in Tripolis. Unter dem Jubel der Massen fährt mehr als die Hälfte der Minister des Übergangsrates in die Stadt ein.

1. SEPTEMBER: Auf der Pariser Libyen-Konferenz versprechen Vertreter von rund 60 Staaten und internationalen Organisationen den neuen Machthabern Libyens Hilfe beim Wiederaufbau.

13. SEPTEMBER: Libyen soll nach dem Willen des Übergangsrates ein gemäßigter islamischer Staat werden. Dschalil verspricht während seiner ersten öffentlichen Rede in Tripolis, ein demokratischer Rechtsstaat solle aufgebaut werden, in dem die islamische Rechtsprechung Scharia die wichtigste Quelle der Gesetzgebung ist.

15. SEPTEMBER: Sarkozy und der britische Premier David Cameron werden bei dem ersten Besuch westlicher Staatsmänner in Tripolis begeistert gefeiert. Sie sichern dem neuen Libyen Unterstützung zu.

16. SEPTEMBER: Die UN-Vollversammlung stimmt dafür, den bisher dem Gaddafi-Regime vorbehaltenen Sitz Libyens in der Weltorganisation den neuen Machthabern zu übertragen.

22. SEPTEMBER: Mit der Einnahme mehrerer Wüstenoasen kappen die Truppen des Übergangsrates mögliche Fluchtwege Gaddafis und seiner Getreuen durch die Sahara in ein Exil im afrikanischen Ausland.

28. SEPTEMBER: Gaddafi soll nahe der Oasenstadt Gadames im Grenzdreieck zwischen Libyen, Tunesien und Algerien sein, bleibt aber auf der Flucht. In einer Botschaft, die ein syrischer TV-Sender veröffentlicht, erklärt Gaddafi, er wolle als "Märtyrer" sterben.

17. OKTOBER: Milizen des Übergangsrates nehmen die Stadt Bani Walid ein. Damit kontrollieren Kämpfer Gaddafis nur noch Teile seiner Geburtsstadt Sirte. Der Häuserkampf bis zum Ende Gaddafis beginnt.

20. OKTOBER: Die Kämpfer der neuen libyschen Führung nehmen mit Sirte die letzte Hochburg der Gaddafi-Anhänger ein. Der gestürzte Diktator wird angeblich bei seinem Fluchtversuch erschossen und erliegt seinen Verletzungen. In den Straßen von Tripolis jubeln die Menschen.


Quelle: dpa

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