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Christian Wulff: Rücktrittsforderungen werden immer lauter

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"Herr Bundespräsident, erlösen Sie uns!"

23.01.2012, 10:10 Uhr

Bundespräsident Wulff: Auch in der Bevölkerung lässt seine Beliebtheit nach (Quelle: dpa)

Bundespräsident Wulff: Auch in der Bevölkerung lässt seine Beliebtheit nach (Quelle: dpa)

Die Grünen fordern jetzt mit Nachdruck den Rücktritt des Bundespräsidenten. Fraktionschefin Renate Künast sagte in der ZDF-Sendung "Berlin direkt": "Er ist untragbar. Herr Bundespräsident, erlösen Sie uns!" Das Amt sei "vielleicht reparabel, aber nicht seine Unglaubwürdigkeit", sagte Künast. "Er hat Transparenz versprochen und geht dem ganzen Land damit auf die Nerven, dass er sie nicht herstellt." SPD-Chef Sigmar Gabriel verlangte Wulffs Rücktritt in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" nur indirekt: "Also wenn wir erklären, wir wollen mit der Kanzlerin einen neuen wählen, dann ist doch klar, dass wir wollen, dass er zurücktritt. Aber wir können ihn nicht dazu zwingen."

Bundespräsident Christian Wulff hatte die Vorwürfe gegen seine frühere niedersächsische Landesregierung derweil als "ernsten Vorgang" bezeichnet, sah aber keine eigenen Versäumnisse. Wulffs ehemalige CDU/FDP-Regierung steht im Verdacht, dem Landtag 2010 die Unwahrheit über die Finanzierung einer Lobby-Veranstaltung gesagt zu haben. Wulff signalisierte am Sonntag die Bereitschaft, sich bei Regierung und Staatsanwaltschaft in Hannover zu äußern. Zugleich betonte der Ex-Ministerpräsident: "Es gibt bisher keine Vorwürfe gegen mich." Wulff machte erneut deutlich, dass er nicht an Rücktritt denke.

Wenzel: Wulff ist ein "Lügner"

Die niedersächsische SPD kündigte letzte Woche an, die Regierung Wulff wegen Täuschung des Parlamentes vor dem Staatsgerichtshof zu verklagen. SPD-Fraktionschef Stefan Schostok sagte: "Ein Bundespräsident, der in seiner Zeit als Ministerpräsident die Verfassung bricht, kann eigentlich nicht mehr in Amt bleiben." Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel bezeichnete Wulff als "Lügner" und forderte ihn offen zum Rücktritt auf.

Bei den Vorwürfen geht es um die Förderung einer privat organisierten Veranstaltung, bei der Partymanager Manfred Schmidt 2009 satten Gewinn gemacht haben soll. Die Landesregierung hatte diesen sogenannten Nord-Süd-Dialog durch den Einsatz von Studenten und kostenlosen Kochbüchern für die Gäste unterstützt, dies aber lange bestritten.

Video
Wulff gibt sich trotz neuer Vorwürfe gelassen

Wer ins Straucheln komme, müsse auch wieder aufstehen, sagte Wulff am Sonntag in Berlin. zum Video

Das Magazin "Der Spiegel" berichtet, anders als von Wulffs Anwälten behauptet habe sein damaliger Regierungssprecher Olaf Glaeseker sogar Sponsorengelder für die privat organisierte Lobbyveranstaltung "Nord-Süd-Dialog" eingeworben. So habe er im November 2009 einer Mitarbeiterin des Eventmanagers Schmidt per E-Mail mitgeteilt, dass sich der Ölkonzern Exxon mit 15.000 Euro beteiligen werde. Im Dezember 2009 habe ein Schmidt-Mann notiert, Glaeseker habe mit dem Energiekonzern RWE eine Zahlung von 25.000 Euro vereinbart.

"Keine Finanzierung durch das Land Niedersachsen"

Wulffs Staatskanzleichef Lothar Hagebölling, heute Chef des Bundespräsidialamtes, hatte dem Landtag im April 2010 mitgeteilt, es habe "keine Beteiligung oder Finanzierung durch das Land Niedersachsen" gegeben. Das hatte Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) am Donnerstag noch einmal bekräftigt. Und auch die Anwälte des Bundespräsidenten erklärten laut "Spiegel" auf Anfrage: "Finanzierung und Einwerbung von Sponsoren sind durch den Gastgeber und Veranstalter erfolgt."

Foto-Serie: Die Affären um Christian Wulff
6 Bilder von 29

Die Regierung von Ministerpräsident David McAllister macht für die Falschinformation Wulffs früheren Sprecher Glaeseker verantwortlich, gegen den die Staatsanwaltschaft Hannover wegen des Verdachts der Bestechlichkeit ermittelt. Man werde sich "ohne Rücksicht auf Personen" um Aufklärung bemühen, kündigte McAllister an. Sein Regierungssprecher Oliver Wagner sprach vom "System Glaeseker". Die Opposition im Landtag hält es hingegen für undenkbar, dass der Sprecher ohne Wulffs Wissen handelte.

"Auch für Glaeseker gilt die Unschuldsvermutung"

Wulff sagte am Sonntag bei einer Veranstaltung der Wochenzeitung "Die Zeit" in Berlin: "Wir haben im Landtag gesagt, in diese Veranstaltung ist kein Steuergeld geflossen. Und das nach bestem Wissen und Gewissen. Sollte jetzt doch Steuergeld hineingeflossen sein, hätten wir dem Parlament gegenüber nicht die Wahrheit gesagt. Das ist ein ernster Vorgang, der zurecht jetzt vermutlich vom Staatsgerichtshof geklärt werden wird." Im Fall seines Ex-Sprechers warnte Wulff: "Auch für Glaeseker gilt die Unschuldsvermutung." Dies sei eine "zivilisatorische Errungenschaft".

Im Gespräch mit "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe sagte Wulff, das Amt des Bundespräsidenten sei unglaublich interessant. Er räumte aber zugleich ein, Vertrauen eingebüßt zu haben. Seine Aufgabe bestehe nun darin, dieses Vertrauen zurückzugewinnen. Der Termin für die "Zeit"-Matinee war schon vor Monaten vereinbart worden - die Kredit- und Medienaffäre des Bundespräsidenten gab es damals noch nicht. Er habe nie daran gedacht abzusagen, meinte Wulff.



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Quelle: dpa

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Kommentare (1161)

zum Forum

Thema: "Christian Wulff: Rücktrittsforderungen werden immer lauter"

ihu schrieb: am 23. Januar 2012 um 20:24:40
(63) (9) Wulff go Home
Eine Schande dieser " feine Herr", der gehört bestraft für seine ganzen Verfehlungen...aber unsere Justiz hat ja
keine Cochones ihn anzuklagen. Ist halt alles Cliquenwirtschaft. In Würde zu gehen ist vorbei, ab jetzt nur noch mit Schimpf und Schande. Ich schäme mich das solch ein herr für alle Deutschen spricht... weg mit dem Typen !!! Dies ist meine pers. Meinung die mir lt. GG zusteht.
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ihu schrieb: am 23. Januar 2012 um 20:19:43
(52) (9) Wulff
Dieser Geldgeile herr Wulff, der es wagt das ganz Deutschland im Ausland sowas von Peinlich gemacht wird, und dieser vermeintliche
Betrüger am Volk erhält 200 000 € im Jahr wenn nicht sogar mehr. Diesen Politikfilz sollte man ausrotten,ich verstehe nicht das Bürger immer noch zu diesem BP halten,oder sind das gekaufte stimmen??? Sponsoren hat der Typ ja genug. deutsche Steht auf und Schreit Eure Wut heraus.. Dies ist meine pers. Meinung, die mir laut GG zusteht....
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Reinhard schrieb: am 23. Januar 2012 um 18:26:02
(12) (23) Wulff
Wenn Wulff zurücktritt befürchte ich, dass seine Bezüge mit allen Extras lebenslänglich weiterlaufen.Dann lässt es sich der
nächste BP gutgehen. Also zuerst eine Nutzen-/Kostenrechnung!!
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