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Christian Wulff Interview: "Bild" widerspricht dem Bundespräsidenten

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"Bild" legt nach: Wulff sagt nicht die Wahrheit

05.01.2012, 11:23 Uhr

Der Anruf des Bundespräsidenten habe das klare Ziel gehabt, eine kritische Berichterstattung über ihn zu verhindern. Viele Bürger zeigen sich indes enttäuscht.

Die "Bild"-Zeitung hat nach einem Bericht des Deutschlandfunks der Aussage von Bundespräsident Christian Wulff widersprochen, er habe mit seinem Anruf bei Chefredakteur Kai Diekmann eine Berichterstattung zu seiner Hausfinanzierung nicht verhindern wollen.

Der stellvertretende Chefredakteur Nikolaus Blome sagte nach Angaben des Senders im Deutschlandfunk, "den Satz von Herrn Bundespräsident Wulff, ich wollte die Berichterstattung nicht verhindern, das haben wir damals deutlich anders wahrgenommen."

Blome, auch Chef des Hauptstadtbüros der "Bild"-Zeitung, bezeichnete demnach die auf der Mailbox von Diekmann hinterlassene Nachricht als "große Dummheit": "Und es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden. Und wenn Sie das jetzt als Drohung bezeichnen oder auch nicht, das sei mal dahingestellt. Das ist vielleicht eine Geschmacksfrage. Aber klar war das Ziel dieses Anrufs, die Absicht und das Motiv - nämlich: Die Berichterstattung, diesen ersten Breaking-Bericht über die Finanzierung seines privaten Hauses zu unterbinden."

"Anruf war ein Fehler"

Der Bundespräsident hatte ungeachtet des verheerenden Medienechos einen Rücktritt abgelehnt. Im Interview bei ARD und ZDF räumte er aber Fehler und Versäumnisse ein. So sei der Droh-Anruf bei "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann "ein schwerer Fehler" gewesen. Die "Bild"-Zeitung hatte vor drei Wochen zuerst über die Umstände des Hauskredits im Wert von einer halben Million Euro berichtet.

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Trotz aller Kritik: Wulff will weitermachen

Der Bundespräsident will bis 2015 im Amt bleiben. Das Staatsoberhaupt entschuldigte sich in einem Interview. zum Video

Christian Wulff sagte im Interview, der Anruf sei aber kein Droh-Anruf gewesen. Er trete ausdrücklich für die Pressefreiheit ein. Er wolle als Bundespräsident besonnen, objektiv, neutral und mit Distanz agieren. "Ich möchte vor allem Respekt vor den Grundrechten - auch dem der Pressefreiheit - haben. Ich habe offenkundig mich in dem Moment eher als Opfer gesehen." Wulff erklärte den Anruf bei Diekmann aus einem Impuls während einer Auslandsreise heraus. Wulff betonte, er habe bei dem Anruf bei Diekmann darum gebeten, den Artikel über seine Hausfinanzierung um einen Tag zu verschieben. "Ich habe nicht versucht, sie (die Berichterstattung) zu verhindern."

In der schwarz-gelben Koalition wurde der Fernsehauftritt Wulffs danach mit Erleichterung aufgenommen. "Ich bin sicher, dass Christian Wulff damit erfolgreich Vertrauen in der Bevölkerung zurückgewinnen wird", erklärte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. Aus der FDP hieß es, es sei gut, dass Wulff zu den Vorwürfen Stellung genommen und Fehler eingeräumt habe. "Das war ein wichtiger Schritt", sagte der designierte FDP-Generalsekretär Patrick Döring.

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Bundespräsident wird im Internet zur Lachnummer

Im Netz wird Christian Wulff mit Spott und Häme überzogen. Die Meinungen in der Bevölkerung gehen darüber auseinander. zum Video

"Kein Causa Wulff mehr, das ist eine Causa Merkel"

Dagegen sehen SPD, Linke und Grüne weiteren Aufklärungsbedarf. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel forderte Kanzlerin Angela Merkel auf, dessen Eignung für das höchste Staatsamt zu überprüfen. "Das ist keine Causa Wulff mehr, das ist eine Causa Merkel." Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Hubertus Heil sagte: "Es bleiben Fragen offen, die aufgeklärt werden müssen."

Auch der SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy bezweifelte die Aussage des Bundespräsidenten, mit dem Anruf bei der "Bild"-Zeitung nur einen Tag Aufschub zu bekommen. "Wenn es um eine reine Verschiebung ging, warum drohte Wulff dann mit rechtlichen Schritten?", fragte er im "Handelsblatt". Edathy sagte, viele Fragen seien offen geblieben. "Es wäre zudem souveräner gewesen, Wulff hätte sich ohne Zeitbegrenzung der Bundespressekonferenz gestellt, als lediglich ein 15-minütiges Interview im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zuzulassen", sagte er.

Foto-Serie: Die Affären um Christian Wulff
6 Bilder von 29

Auch die Grünen bezweifeln, dass die Kanzlerin mit der Erklärung Wulffs zufrieden sein könne. Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke sagte: "Wir erwarten, dass sie dazu Stellung nimmt." Merkel hatte vor dem Interview erklären lassen, dass sie Wulffs Arbeit nach wie vor schätze. Sie vertraue auf umfassende Antworten des Bundespräsidenten.

Die Bundestagsfraktionschefin der Grünen, Renate Künast, monierte, Wulff habe in dem Interview lediglich über seine Gefühle gesprochen und keine Fragen beantwortet, die das Land beschäftigten. "Niemand weiß, wie oft und wofür sich dieser Präsident noch wird entschuldigen müssen", sagte Künast der "Bild"-Zeitung.

Neue Antworten sollen kommen

Der Präsident muss sich gegen Vorwürfe wehren, beim Kauf eines Eigenheimes als Ministerpräsident die genauen Umstände der Kreditaufnahme verschwiegen zu haben. Im Interview wies er den Vorwurf zurück, er informiere die Öffentlichkeit per Salami-Taktik. Wulff kündigte an, dass die Antworten seiner Anwälte auf etwa 400 Anfragen von Journalisten an diesem Donnerstag im Detail im Internet veröffentlicht würden.

Umfrage: Zustimmung für Wulff sinkt

Nach dem jüngsten ARD-Deutschlandtrend meinen nur noch 47 Prozent, dass Wulff im Amt bleiben kann. Damit verlor das Staatsoberhaupt seit Wochenbeginn kontinuierlich an Zustimmung: Am Montag hatten sich noch 63 Prozent der Befragten für einen Verbleib Wulffs im Amt ausgesprochen, 34 Prozent für einen Rücktritt. Am Dienstag waren es nur noch 53 Prozent, die an Wulff als Bundespräsident festhielten, 44 sprachen sich hingegen für seinen Rücktritt aus. Die letzte Befragung am Mittwoch fand allerdings noch vor der Ausstrahlung des Wulff-Interviews statt.

Freie Wähler würden wieder Gauck wählen

Die Freien Wähler würden bei einer erneuten Bundespräsidentenwahl wieder auf den DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck setzen. Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger sagte der "Frankfurter Rundschau": "Wir haben beim letzten Mal Joachim Gauck gewählt. Und wir würden auch wieder für Gauck stimmen, wenn er anträte."

Aiwanger verzichtete aber auf eine Rücktrittsforderung gegen Wulff. Der Präsident sei zwar sehr ungeschickt. "Aber eine Rücktrittsforderung finde ich trotzdem übertrieben", sagte Aiwanger.


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Quelle: dapd , dpa

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Kommentare (1017)

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Thema: "Christian Wulff Interview: "Bild" widerspricht dem Bundespräsidenten"

Mike 53 schrieb: am 5. Januar 2012 um 11:36:22
(49) (11) Wulffwahrheit
Wer gibt schon gern 200000,-€ Pension pro Jahr ab und das bis ans Lebensende . Wenn man bei einer absichtlich Lüge erwischt
wird , dann erst garnichts sagt ,dann unter Druck seines Amtes das herausbringen der Wahrheit verhindern will ist frech .Der Herr Wulff soll sofort zurücktretten und dies unverzüglich ,bevor er Deutschland nochmehr im Ansehen schadet . Frau Merkel sollte mal genau hinsehen , ob sie nicht den WULFF IM SCHAFSBELZ auf den Posten gesetzt hat der auch schon mal die Hand beist d
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Rainer schrieb: am 5. Januar 2012 um 11:36:09
(45) (13) @Rollmops
Guttenberg neuer Bundespräsident....selten so gelacht. Da kämen wir ja vom Regen in die Traufe.

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nichtsoweitkommenlassen schrieb: am 5. Januar 2012 um 11:35:43
(33) (12) Leute noch einmal...
Kredit ist Privat - Richtig! Im Landtag von Niedersachsen hätte Wulff diesen Kredit nennen können, müssen oder
sollen! Hat er aber nicht! Wieso, weshalb und warum? Wenn es andere auch gemacht haben. Wie kann man sich jetzt heraus reden die Presse sei an "seinem" Fehler Schuld. Was ist denn nach dem Vorwurf Kredit noch alles bekannt. Das schlimmste ist die Pressefreiheit zunehmen, nur weil er siehe oben im Landtag so schweigsam war. Und jetzt immer noch...
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