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China: Frau des Friedensnobelpreisträgers verschwunden

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Frau des Friedensnobelpreisträgers verschwunden

11.10.2010, 09:45 Uhr

Die Frau des Friedensnobelpreisträger, Liu Xiaobo , ist spurlos verschwunden. (Foto: dpa)

Die Frau des Friedensnobelpreisträger, Liu Xiaobo , ist spurlos verschwunden. (Foto: dpa)

Die Frau des chinesischenFriedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo ist wohl von den Behörden verschleppt worden. Die Polizei soll Liu Xia möglicherweise in die 500 Kilometer von Peking entfernte Stadt Jinzhou im Nordosten des Landes gebracht haben. Dort sitzt der 54-jährige Bürgerrechtler Liu Xiaobo, der schon an den niedergeschlagenen Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 beteiligt war, im Gefängnis. Nach der Bekanntgabe des neuen Preisträgers am Freitag reagierte China zudem mit der Festnahme von Dutzenden Dissidenten.

Der Bürgerrechtler Wang Jinbo, ein Freund der Familie, schrieb im Internetkurznachrichtendienst Twitter, Liu Xia sei "in Begleitung der Polizei" unterwegs zum Gefängnis von Jinzhou. Er berief sich auf Liu Xias Bruder, der bei ihr sei. Sie sollten demnach noch am Samstag in Jinzhou ankommen. Liu Xias Handy war weiter ausgeschaltet. Andere Freunde sagten, sie wüssten nichts über ihren Verbleib.

Peking reagiert mit Härte

"(Die Polizei) ist hier und wartet darauf, dass ich packe", hatte der US-Sender "Radio Free Asia" die Ehefrau des Friedensnobelpreisträgers am Freitagabend zitiert. Man habe ihr gesagt, sie solle nach Jinzhou gebracht werden, wo sie ihren Mann sehen könne. Sie fürchte aber, dass man sie außerhalb von Peking unter Hausarrest stellen wolle. Liu Xia hatte sich zuletzt am Donnerstag selbst auf Twitter gemeldet und geschrieben, die Polizei habe sie schon vor Bekanntgabe des Preises dazu bewegen wollen, nach Jinzhou zu reisen, was sie jedoch abgelehnt habe.

China hatte am Freitag empört auf die Entscheidung über die Vergabe des Nobelpreises reagiert und Liu Xiaobo als "Kriminellen" bezeichnet. Die Regierung bestellte den norwegischen Botschafter ein. Auch der chinesische Vertreter in Oslo brachte den massiven Protest Pekings zum Ausdruck. Dabei seien Konsequenzen angedeutet worden, teilte die Regierung in Oslo mit.

Zahlreiche Menschenrechtler verschwunden

Die Vergabe des Preies an Liu Xiaobo stieß im Westen auf große Zustimmung. Zahlreiche Regierungen, darunter die USA, forderten die Freilassung des Nobelträgers, der 2009 zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Er saß bereits zuvor mehrfach im Gefängnis und gilt als führender Kopf der "Charta 08", einem Aufruf für Demokratie und Menschenrechte in China.

Nach der Verkündung des Friedensnobelpreises hatten sich am Freitag rund 100 Anhänger vor der Wohnung der Ehefrau in Peking versammelt. Dutzenden Polizisten hinderten sie aber am Verlassen des Hauses. Mindestens 20 Aktivisten wurden bereits festgenommen. Mehrere weitere berichteten, sie seien in Gewahrsam genommen oder unter Hausarrest gestellt worden. Darunter ist der Dissident Qi Zhiyong. Er sagte der dpa, er habe seine Wohnung verlassen wollen, um die Preisverleihung mit anderen zu feiern, die Polizei habe ihn jedoch daran gehindert.

Der Menschenrechtsanwalt Tang Biao twitterte, die Polizei habe ihn am Samstag in ein Auto verfrachtet und weggebracht. Danach war Funkstille. Auch über Handy war er nicht mehr erreichbar. Zahlreiche andere Aktivisten beantworteten ebenfalls Mobilanrufe nicht mehr.


Quelle: dpa

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