14.10.2010, 14:36 Uhr
Wochenlang haben sich die Ehefrau und die Geliebte von Yonni Barrios öffentlich darum gezankt, wer denn nun die wahre Frau an der Seite des in der chilenischen Mine San José verschütteten Bergmanns ist. Mit Spannung wurde deshalb erwartet, wen der 50-jährige Elektriker denn nun vor den Kameras der Welt in die Arme schließen würde. Nachdem er am Mittwoch als 21. der 33 Kumpel an der Erdoberfläche der Rettungskapsel entstieg, umarmte er: Susana Valenzuela, seine Geliebte.
Mit dem Privatleben und dem Streit der beiden Frauen beschäftigten sich die chilenischen Medien in den vergangenen Wochen ausführlich. Den Berichten zufolge ist Barrios seit 28 Jahren mit Marta Salinas verheiratet; das Paar lebt aber seit Jahren nicht mehr zusammen. "Er hat mich zwar gebeten, bei der Rettungsaktion dabei zu sein, aber es hat sich herausgestellt, dass er auch die andere Dame gefragt hat und ich habe Anstand", sagte Marta Salinas der Zeitung "El Espectador". Sie verzichtete deshalb auf das medienwirksame Wiedersehen.
Unterdessen hat die historische Rettungsaktion in Chiles San-José-Bergwerk ein glückliches Ende gefunden. Am späten Mittwochabend fuhr der letzte der 33 verschütteten Kumpel aus dem Stollen auf, in dem die Minenarbeiter 69 Tage lang in mehr als 600 Metern Tiefe gefangen waren. Die perfekt organisierte Rettungsaktion dauerte 22 Stunden und 39 Minuten. Zweieinhalb Stunden danach kam auch der letzte von sechs Erstrettern wieder nach oben.
Als letzter Kumpel entstieg der Schichtführer und "Boss" genannte Bergarbeiter Luis Urzúa Iribarren der Phönix-Rettungskapsel.
Er hatte in der Tiefe entscheidend zum Zusammenhalt der Gruppe beigetragen. Urzúa wollte erst alle Männer gerettet wissen, bevor er sich selbst auf den Weg nach oben machte. Er wurde mit frenetischem Jubel empfangen und vom sichtlich ergriffenen Präsidenten Sebastián Piñera umarmt. "Sie haben Ihre Aufgabe erfüllt", sagte Piñera. Der Staatschef harrte die ganze Zeit am Ausgang des Rettungsschachtes aus und begrüßte die Kumpel mit den Worten: "Willkommen zurück im Leben."
Die im Schacht verbliebenen Retter hielten Minuten nach der Bergung des letzten Kumpels ein Schild in die unterirdisch installierten Kameras. Darauf stand: "Mision cumplida. Chile" (Mission erfüllt. Chile). Auf der Oberfläche knallten derweil die Sektkorken, und die Menschen sangen die Nationalhymne. Als letzter Retter kam Manuel Gonzalez um 0.32 Uhr Ortszeit glücklich aus dem Schacht.
Piñera dankte den Kumpeln für ihre Ausdauer und den Rettern für deren unermüdlichen Einsatz. "Chile ist heute nicht mehr das gleiche Land wie vor 69 Tagen", sagte er. Das Land sei heute geeinter und stärker und werde in der Welt mehr respektiert und geschätzt. Die Bergleute hätten ein leuchtendes Beispiel von Mut, Loyalität und Kameradschaft gezeigt. Piñera fügte aus ganzem Herzen hinzu: "Viva Chile!" (Es lebe Chile).
Der als 27. Bergmann befreite Franklin Lobos Ramírez war in sichtlich guter Verfassung, als er oben ankam. Chiles Ex-Fußballstar wurde nach der Ankunft von seiner Tochter bestürmt und umarmt. Sie hatte ihm einen Ball mitgebracht, den Lobos auch sofort mit dem Fuß empor kickte. "Er hat das wichtigste Match seines Lebens gewonnen", kommentierte das chilenische Fernsehen.
Jede Ankunft wurde von den Familien gefeiert. Dabei spielten sich bewegende Szenen ab. Viele Kumpel dankten Gott für ihre Rettung und trugen T-Shirts mit der Worten "Gracias Senor, thank you Lord" (Danke Herr). Dann folgte ein Auszug aus Psalm 95 der Bibel: "In seiner Hand sind die Tiefen der Erde, sein sind die Gipfel der Berge" und zum Schluss: "Ihm gehören Ehre und Ruhm."
Für die Bergleute ging damit ein langes Leiden zu Ende. 69 Tage schwankten sie und ihre Familien zwischen Angst und Hoffnung. Nie zuvor mussten Bergleute so lange unter Tage ausharren. Die Kumpel wurden nach ihrer Auffahrt in einem Feldlazarett kurz medizinisch untersucht und dann per Hubschrauber ins Krankenhaus der Stadt Copiapó geflogen. Dort wurden die Untersuchungen fortgesetzt.
Der chilenische Schriftsteller Antonio Skármeta rief dazu auf, nach der glücklichen Rettung der Bergleute mit der gleichen großen Anteilnahme auch anderen Notleidenden auf der Welt zu helfen. "Bildlich gesprochen möchte ich sagen, dass es noch viele Menschen in vielen Teilen der Welt gibt, die verschüttet sind, und die wir nicht sehen", sagte Skármeta. "Wir könnten ihnen helfen, wenn wir eine Ethik hätten, wie sie die Welt gegenüber den paar chilenischen Bergleuten entfaltet hat."
Weltweit verfolgte die Öffentlichkeit mit Spannung das Schicksal der Verschütteten. Nach Schätzungen des Internationalen Verbands der Bergbaugewerkschaften kommen jedes Jahr mindestens 12.000 Kumpel weltweit bei ihrer Arbeit ums Leben. Die 33 Chilenen hatten seit dem 5. August in der Kupfer- und Goldmine in der Atacama-Wüste rund 800 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago festgesessen.
Um mit den knappen Ressourcen auszukommen, aßen die Kumpel in den ersten Tagen lediglich alle zwei Tage zwei Löffel Thunfisch. Erst nach 17 Tagen konnte die Gruppe ein Lebenszeichen absetzen und wurde danach durch enge Röhren mit Lebensmitteln, Trinkwasser, Kleidung, elektronischen Geräten und Klappbetten versorgt. Nach der rettenden Auffahrt beginnt für die Kumpel und deren Familien nun der schwierige Weg zurück in ein normales Leben.
Quelle: AFP
einsnoch schrieb:
am 14. Oktober 2010 um 18:19:36
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alle
die Retter dir hinuntergefahren sind sollte man nicht vergessen!!!!
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Frank schrieb:
am 14. Oktober 2010 um 18:13:27
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Viva la Chile
Selbst einem 46 jährigen gestandenen Mannsbild wie mir, kommen beim lesen der Rettungsberichte vor Rührung die
Tränen.
Alles, alles Gute den Kumpeln sowie deren Angehörigen. Höchsten Respekt auch vor der unermüdlichen Leistung der Retter. Wenn Menschen zusammenhalten ist alles möglich!! Wer, zum Teufel, braucht da noch Kriege...?
VIVA LA CHILE
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Miri schrieb:
am 14. Oktober 2010 um 18:00:10
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DANKE
Ich habe noch jetzt die Tränen der Freude in den Augen!!!!
Danke lieber Gott
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