13.10.2010, 21:05 Uhr
Claudio Yanez erblickte als achter Kumpel um kurz nach 7 Uhr wieder das Tageslicht (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)
Euphorie und grenzenlose Freude in Chile: Die Bergung der 33 in der San-José-Mine verschütteten Kumpel verläuft reibungslos. Unter lautem Jubel schlossen die bisher geretteten Bergleute ihre Frauen und Kinder in die Arme, schrien, weinten, umarmten die Helfer am Schacht. 20 der Männer konnten inzwischen mit der Rettungskapsel an die Erdoberfläche geholt werden. Die Rettung wird als "Wunder von Chile" nicht nur in die Geschichte des kleinen Landes eingehen.
Die Rettungsaktion hatte in der Nacht zum Mittwoch begonnen. 69 Tage hatten die Kumpel eingeschlossen in mehr als 600 Metern Tiefe ausharren müssen - so lange wie nie ein Bergmann zuvor. Ihre Rettung in der engen Kapsel mit dem Namen "Fenix 2" (Phönix) verläuft bislang absolut nach Plan. Rund um den Globus wurde das längste Grubendrama in der Geschichte live verfolgt.
Florencio Ávalos war um 0.10 Uhr der erste Bergmann, der aus der Rettungskapsel kletterte. In diesem Moment löste sich die in Wochen aufgestaute Anspannung in einer Explosion von Hochrufen und Freudentränen. "Chi Chi Chi, Le Le Le, mineros de Chile", skandierten die Menschen ähnlich wie bei einem traditionellen Fußballschlachtruf.
Sirenen heulten, die Glocke an der Behelfsschule bimmelte wie bei einem Feuersturm, Autos hupten, unbekannte Menschen fielen sich um den Hals. Menschen tanzten um rotglühende Kohlefeuer. Luftballons in den chilenischen Nationalfarben Rot, Weiß und Blau stiegen in den sternenfunkelnden Himmel über der Wüste, Konfettibomben ließen einen bunten Papierregen auf die Menschen niedergehen.
"Die Erde hat einen Mann geboren", formulierte ein Reporter des chilenischen Staatsfernsehens zutiefst bewegt. "Ich bin so froh, danke Gott, dass er gut zurückgekommen ist", sagte der Vater von Ávalos überglücklich. "Das hat den chilenischen Traum erfüllt", sagte Chiles Präsident Sebastián Piñera. Er bezeichnete die Rettungsaktion als "ohne Vergleich in der Geschichte der Menschheit". Bislang sei eine solche Aktion nicht versucht worden, sagte der Präsident.
Fast exakt eine Stunde nach Ávalos stieg Mario Sepúlveda aus der Kapsel, fiel seiner wartenden Frau um den Hals und wurde wie ein Rockstar bejubelt. Er war ausgelassen vor Freude und wirkte bei bester Gesundheit. Er schrie sein Glück heraus und feierte mit den Rettern. Auch er begab sich dann aber in die Obhut der Ärzte.
Um 2.08 Uhr Ortszeit folgte dann mit Juan Illanes der dritte Kumpel. Eine weitere Stunde später, um 3.08 Uhr konnte bereits der vierte Bergmann aus der Rettungskapsel steigen. Der Bolivianer Carlos Mamani, der einzige Nicht-Chilene unter den Verschütteten, wurde bereits sehnsüchtig von seiner Frau erwartet. Bevor er sie umarmte, kniete er sich kurz zu Boden.
Boliviens Präsident Evo Morales war extra angereist, um seinen Landsmann zu empfangen. Der Sender BBC berichtete, Mamani sei eingeladen, in der Präsidenten-Maschine zurück in die Heimat zu fliegen. Als Mamani aus der Kapsel stieg, schwenkten Chiles Präsident Piñera und einige Helfer bolivianische Fähnchen. Die Rettung Mamanis sei das Symbol einer neuen Einheit zwischen beiden Ländern, deren Verhältnis historisch äußerst gespannt ist, lobte die Zeitung "Los Tiempos".
Der fünfte Kumpel konnte die Mine um 4.10 Uhr verlassen. Jimmy Sánchez ist mit 19 Jahren der jüngste Bergmann der Gruppe der 33 Verschütteten. Ihm folgte um 5.34 Uhr der sechste Bergmann. Osman Araya, um die 30 Jahre alt, hatte erst seit vier Monaten in der Mine gearbeitet, als das Unglück geschah. Er war während der mehr als zwei Monate in der Tiefe zusammengebrochen. Er weinte und drückte seine Frau lange und fest.
Um 6.21 Uhr konnte auch der siebte Kumpel gerettet werden. Der Mittvierziger José Ojeda ist Diabetiker und hatte die erste Überlebensbotschaft aus der Tiefe geschrieben. Der achte der Verschütteten ist seit 7.02 Uhr wieder an der Erdoberfläche. Für ihn steht jetzt eine Hochzeit an: Claudio Yáñez hatte seiner Freundin versprochen, sie nach der Rettung zur Frau zu nehmen. Der Mittdreißiger hatte erst seit rund acht Monaten in der Mine gearbeitet.
Rund acht Stunden nach dem ersten Bergarbeiter wurde der neunte der 33 Verschütteten gerettet. Mario Gómez ist mit rund 60 Jahren der Älteste der Gruppe. Seit seinem 12. Lebensjahr arbeitet er im Bergbau. Gómez erreichte um 7.59 Uhr die Oberfläche. Um 8.52 Uhr konnte schließlich der zehnte Bergmann geborgen werden. Alex Vega, rund 30 Jahre alt, ist arbeitet seit neun Jahren unter Tage. Etwa 30 Angehörige warteten im Lager Esperanza auf seine Rückkehr.
Jorge Galleguillos erreichte um 9.31 Uhr die sichere Oberfläche. Der Mittfünfziger leidet an Bluthochdruck, deshalb galt seine Bergung als nicht ganz unproblematisch. Galleguillos arbeitet seit seinem 15. Lebensjahr als Bergmann. Als zwölfter Mann wurde Edison Pena ans Tageslicht geholt. Der 34-Jährige wurde der Marathonmann genannt, weil er im Stollen jeden Tag zehn Kilometer rannte.
Als Kumpel Nummer 13 erreichte Carlos Barrios Contreras um 10.54 Uhr sicher die Erdoberfläche. Der knapp 30-Jährige war einer der Schichtleiter in dem Gold- und Kupferbergwerk. Als 14. Bergmann wurde Víctor Zamora gerettet. Der etwa Mitte 30-Jährige schrieb unter Tage Gedichte. Zamora wurde um 11.28 Uhr an die Oberfläche geholt. Als 15. Arbeiter kam Víctor Segovia nach oben.
Als Kumpel Nummer 16 zogen die Retter Daniel Herrera Campos um 12.50 Uhr aus der schmalen Rettungskapsel. Als Nummer 17 kehrte dann Omar Reygadas Rojas an die Oberfläche zurück. Als 18. ist auch Esteban Rojas Carrizo wieder oben. Die Retter zogen den Mittvierziger Rojas um 14.49 Uhr Ortszeit aus dem Schacht.
Um 15.29 Uhr Pablo Rojas Villacorta als Kumpel Nummer 19 wieder an der Erdoberfläche. Er arbeitete erst seit kurzem in der Mine. Ihm folgte Darío Segovia Rojo. Der Ende-40-Jährige hatte schon im Alter von acht Jahren mit der Arbeit im Bergbau begonnen. Oben empfing ihn seine Familie.
Die Bilder von der unglaublichen Freude über die Rettung konnten auch die noch in der Tiefe sitzenden Kumpel sehen, die einer nach dem anderen nach oben gezogen werden sollen. Weniger als eine Stunde dauerte es im Schnitt, die Kapsel zu prüfen, hinabzulassen und einen Kumpel nach oben zu ziehen. Dafür sind bis zu zwei Tage veranschlagt.
Zuvor waren zwei Retter zu den Kumpeln herabgelassen worden. Als der erste, Manuel Gonzalez, unten ankam, war auf Live-Bildern zu sehen, wie er von den Verschütteten euphorisch und überglücklich begrüßt wurde.
Rund um den Globus wurde die Rettung live verfolgt. Mitfiebernde verschickten Internetbotschaften. Gefreut haben dürften sich die oft tiefgläubigen Chilenen vor allem über die Worte von Papst Benedikt XVI. "Ich empfehle die Bergleute, die in der Atacama-Region verschüttet sind, weiterhin mit Hoffnung der Güte Gottes", sagte das katholische Kirchenoberhaupt in Rom.
Auch weltliche Führer fanden wohlwollende Worte. US-Präsident Barack Obama wünschte Glück. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte in einem Schreiben: "Die Kameradschaft und die Widerstandskraft der Bergleute, die Planung und Effizienz der Rettungsaktion und die Solidarität aller haben der Welt eine Botschaft der Hoffnung und Zuversicht gegeben."
Außenminister Guido Westerwelle sagte: "Ganz Deutschland freut sich mit den Bergleuten und ihren Angehörigen. Der erfolgreiche Beginn dieser Rettungsaktion ist ein modernes Wunder". Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ über Regierungssprecher Steffen Seibert ausrichten: "Wir sind sehr froh, dass das bisher so reibungslos gelingt." Merkel werde dem chilenischen Präsidenten Piñera Glückwünsche übermitteln, wenn auch der letzte der Kumpels in Sicherheit sei.
Auch die deutschen Bergleute an der Saar zeigten sich erleichtert. "Wir sind bei unseren Kollegen in Chile. Ich möchte unserer Schutzpatronin - der Heiligen Barbara - Dank sagen", sagte Betriebsratsmitglied Ralf Kutkowski zu Beginn der Mittagsschicht im Bergwerk Saar.
Viele der Bergmänner waren am Morgen extra früh aufgestanden, um den Start der Rettung live im Fernsehen mitzuverfolgen. "Als der erste Kumpel hochkam, hatte ich eine Gänsehaut", berichtete Gerd Zimmer von der Grubenwehr.
Die Bergleute sitzen seit dem 5. August in ihrem Verlies in der Kupfer- und Goldmine in der Atacama-Wüste fest. Nachdem von den Verschütteten zunächst jedes Lebenszeichen fehlte und die Regierung die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, wurden sie nach mehr als zwei Wochen lebend geortet. Seitdem wurde mit mehreren Bohrern an einem Rettungsschacht für sie gearbeitet.
Quelle: AFP , dpa
barbie schrieb:
am 13. Oktober 2010 um 19:26:37
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Chile
Habe heute, als ich die ersten Bilder der Gerettenen und deren Angehörigen gesehen habe, einfach weinen müssen. Wer da nicht gerührt
ist, der hat ein Herz aus Stein!
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Martin schrieb:
am 13. Oktober 2010 um 19:23:34
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Chile
Ein gefährlicher Beruf ist das, aber das war die Hammer-Leistung in 2010. Glückwunsch und alles Gute
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werner schrieb:
am 13. Oktober 2010 um 19:21:04
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Rettung
Sehr schön aber kein Wunder !!!
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