Forscher haben die Proteinfabriken der Zellen enträtselt
07.10.2009, 14:11 Uhr
Die drei Chemie-Nobelpreisträger haben die Struktur der Proteinfabrik erklärt (Foto: dpa)
Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an die drei Zellforscher Venkatraman Ramakrishnan, Thomas Steitz und Ada Jonath. Die drei Wissenschaftler haben erklärt, wie die Erbinformation der Gene in die universellen Werkzeuge aller Zellen übersetzt werden: die Proteine. Dabei handelt es sich um einen der bedeutendsten Prozesse allen Lebens. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mit.
Die höchste Auszeichnung für Chemiker ist in diesem Jahr mit umgerechnet knapp einer Million Euro dotiert. Die Forscher erhalten sie zu gleichen Teilen.
Ribosomen sind Proteinfabriken
Die aus rund 3,2 Milliarden chemischen Bausteinen zusammengesetzte Erbinformation ist eng zusammengedrängt im Zellkern gelagert. Wenn eines der rund 25.000 Gene abgelesen wird, fertigt die Zelle zunächst eine Abschrift davon. Nur diese "Blaupause" verlässt den Zellkern. Außerhalb trifft sie auf die Proteinfabriken der Zelle, die Ribosomen.
Universelle Werkzeuge des Lebens
Diese lesen die Bauanleitung wie einen Lochstreifen nach und nach ein und fügen daraufhin Stück für Stück das darin codierte Protein (Eiweiß) aus einzelnen Aminosäuren zusammen. Erst diese Proteine sind die universellen Werkzeuge des Lebens: Sie bauen die Muskeln auf, transportieren Sauerstoff, spalten die Nahrung auf, dienen als Botenstoffe oder formen Haut und Haare. Das Ribosom selbst ist ein riesiger Komplex aus gleich mehreren Proteinen. Die neuen Chemie-Nobelpreisträger haben Struktur und Funktion der Ribosomen geklärt, begründete die Akademie ihre Entscheidung.
Forschungen wichtig für Medizin
Der in Indien geborene US-Bürger Ramakrishnan ist Gruppenleiter am Molekularbiologie-Labor des britischen Medical Research Councils in Cambridge. Sein Landsmann Steitz arbeitet als Professor für molekulare Biophysik und Biochemie am Howard Hughes Medical Institute der Yale-Universität in den USA. Die Israelin Jonath ist Professorin für Molekularbiologie am Weizmann-Institut in Rehovot. Die drei Forscher haben die aus hunderttausenden Atomen aufgebaute Struktur der Ribosomen mit Hilfe von Röntgenstrahlen so weit geklärt, dass sich deren Funktion exakt beschreiben lässt ("Röntgenstruktur-Analyse"). Eine der wichtigsten Anwendungen liegt in der Medizin: Viele Antibiotika hemmen die Tätigkeit bakterieller Ribosomen, die dann keine neuen Proteine mehr herstellen können - im Idealfall stirbt der Keim anschließend. Im vergangenen Jahr hatten die Amerikaner Osamu Shimomura, Martin Chalfie und Roger Tsien die Auszeichnung erhalten. Sie haben das grünlich leuchtende Protein einer Qualle zu einem der wichtigsten Werkzeuge der Biologie gemacht.
Nobelpreis wird im Dezember verliehen
Am Dienstag hatte die Akademie den Physik-Nobelpreis an Charles Kao, Willard Boyle und George Smith für den schnellen Datentransport über Glasfasern und den lichtempfindlichen Chip in Digitalkameras vergeben. Der diesjährige Medizin-Nobelpreis war am Montag Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak für grundlegende Erkenntnisse zum Altern der Zellen zuerkannt worden. Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.#