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CERN in Genf: Teilchenbeschleuniger in Betrieb genommen

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Teilchenbeschleuniger in Betrieb genommen

23.09.2008, 11:15 Uhr

Komplizierte Maschine: der sogenannte CMS-Detektor, der am neuen Teilchenbeschleuniger in Genf hochenergetische Proton-Proton-Kollisionen untersuchen soll (Quelle: ddp) Komplizierte Maschine: der sogenannte CMS-Detektor, der am neuen Teilchenbeschleuniger in Genf hochenergetische Proton-Proton-Kollisionen untersuchen soll (Quelle: ddp)Mit einem Bilderbuchstart ist am Mittwoch die größte Forschungsmaschine der Welt in Betrieb gegangen. Die Wissenschaftler am Europäischen Zentrum für Teilchenphysik CERN schickten erfolgreich den ersten Strahl aus Atomkernen durch den fast 27 Kilometer langen Teilchenbeschleuniger LHC. In der Supermaschine sollen künftig fast lichtschnelle Atomkerne kontrolliert zusammenstoßen, um fundamentale Fragen der Physik zu beantworten: Was geschah beim Urknall? Woraus besteht das Universum? Woher kommt die Masse? Und wo ist die Antimaterie?

Die Vorbereitungen für den LHC (Large Hadron Collider), der den Spitznamen "Weltmaschine" bekam, laufen seit 25 Jahren.

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"Fantastischer Moment"

"Es ist ein fantastischer Moment", sagte Projektleiter Lyn Evans, der im CERN-Kontrollzentrum den Startschuss für die ersten schnellen Atomkerne (Protonen) gegeben hatte. "Wir können nun eine neue Ära im Verständnis des Beginns und der Entwicklung des Universums erwarten." Exakt um 9.33 Uhr hatte es erstmals auf einem der Kontrollschirme geblitzt: Evans konnte melden, dass der Protonenstrahl erfolgreich die ersten 3 der insgesamt 26,7 Kilometer langen, mit starken Magneten bestückten Vakuumröhre durchquert habe.



Jubel wie bei einem Raketenstart

Schrittweise wurde der Strahl danach in die acht Sektoren des Ringbeschleunigers geschossen. Um 10.28 Uhr brach wie bei einem gelungenen Raketenstart Jubel im Kontrollzentrum aus. Zwei Blitze auf einem Bildschirm kündeten davon, dass der Protonenstrahl erstmals durch die gesamte Röhre gerast war. Evans war begeistert von dem Tempo, mit dem dieser Schritt glückte - die Experten hatten mit mehreren Stunden gerechnet.

Befürchtungen zu Schwarzen Löcher "absurd"

"Man könnte sagen: Das ist ein kleiner Schritt für ein Proton, aber ein großer Sprung für die Menschheit", sagte sein Physikerkollege Nigel Lockyer vom TRIUMF-Laboratorium in Kanada in Anlehnung an Neil Armstrongs Spruch beim Betreten des Mondes. Die Forscher halten es für ausgeschlossen, dass die Anlage Schwarze Löcher erzeugen könnte, welche die Erde verschlucken. Entsprechende Befürchtungen nannten sie "absurd".

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"Tradition der menschlichen Neugier" wird fortgesetzt

Der derzeitige CERN-Generaldirektor Robert Aymar sprach von einem großen Tag für das Europäische Laboratorium. "Der LHC ist eine Entdeckermaschine", sagte Aymar. Das Forschungsprogramm setze "eine Tradition der menschlichen Neugier fort, die so alt ist wie die Menschheit selbst". Die Forscher hoffen, dank des LHC in den nächsten 15 Jahren bahnbrechende neue Einblicke in die Physik zu bekommen. "Das ist ein historischer Moment", sagte auch der designierte CERN-Generaldirektor Rolf-Dieter Heuer. "Ich bin schlichtweg begeistert."

Die größte Maschine der Welt

Der Teilchenbeschleuniger verläuft 100 Meter unter der Erde im Grenzgebiet Frankreichs und der Schweiz, die Planungen für das Projekt liefen seit 1983. Der "Large Hadron Collider" (großer Hadronen-Speicherring) ist nach CERN-Angaben die größte Maschine, die Menschen je gebaut haben. Dem Forschungszentrum zufolge hat der Bau des Ringbeschleunigers alleine rund drei Milliarden Euro gekostet. Aus Deutschland flossen nach Angaben des Bundesforschungsministeriums rund 800 Millionen Euro - über den von den Mitgliedstaaten getragenen CERN-Etat. Deutschland ist der größte Geldgeber des CERN.

Beispiel für die Internationalität der Forschung

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der auch EU-Ratsvorsitzender ist, sprach in Paris von einem "sehr großen Erfolg für Europa, das seine weltweite Führung in wichtigen Bereichen der Wissenschaft zeigt, wenn es seine Bemühungen und besten Kompetenzen zusammenzuführen versteht". Auch Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) betonte in einem Grußwort, das CERN sei ein gutes Beispiel für die Internationalität der Forschung. Der LHC führe die Suche nach den Anfängen des Universums "zu einem neuen Höhepunkt".

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Ergebnisse frühestens im nächsten Jahr

Mit ersten Ergebnissen der gigantischen Wissenschaftsmaschine ist allerdings frühestens im nächsten Jahr zu rechnen. Die Inbetriebnahme der Anlage musste mehrfach um mehrere Monate verschoben werden.


Quelle: dpa

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