Erdrutsch in NachterstedtWeitere Risse am Unglücksort entdecktErschienen am 20. Juli 2009 | aktualisiert am 20. Juli 2009
Nach dem Erdrutsch in Sachsen-Anhalt droht an der Unglücksstelle weiterer Boden wegzubrechen. Es gebe Risse in der Erde, die sich von der Böschung bis zu den nächsten Häusern in Nachterstedt ziehen, sagte Uwe Steinhuber, Sprecher der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Die Suche nach den drei Vermissten, die am Samstag mit ihren Häusern in die Tiefe gerissen wurden, wurde mittlerweile eingestellt.Bei dem Erdrutsch am Rande der ehemaligen Braunkohlegrube waren ein komplettes Doppelhaus sowie die Hälfte eines weiteren Hauses in den Abgrund gerissen worden. Eine 48-jährige Frau sowie zwei 50 und 51 Jahre alte Männer wurden dabei unter Schlammmassen und Trümmern begraben.Suche eingestelltEs gebe keine Überlebenschancen mehr und keine Möglichkeit, die Opfer zu bergen, sagte Sachsen-Anhalts Innenstaatssekretär Rüdiger Erben. In der Nacht zum Montag hatten die Rettungskräfte mit hochauflösenden Wärmekameras und Nachtsichtgeräten nach den Vermissten gesucht, aber keine Lebenszeichen entdeckt. Auch die Bundeswehr habe nach eingehender Prüfung keine Möglichkeit gesehen, mit schwerem Gerät bei der Ortung und Bergung zu helfen, berichtete Landrat Ulrich Gerstner.Regen könnte Erde aufweichenNach Angaben von Experten reichen die neuen Risse bis zu nächsten Häuserreihe. Vor allem bei starkem Regen drohen nun weitere Erdabbrüche. Bei dem Unglück war Erde auf einer Länge von mehreren hundert Metern abgerutscht. Nachterstedt wurde mittlerweile zum regionalen Katastrophengebiet erklärt.Dorf bleibt evakuiertAngesichts der Lage könnten die evakuierten Anwohner derzeit auch auf keinen Fall in ihre Häuser zurückkehren, sagte die Behörden-Sprecherin weiter. Es sei davon auszugehen, dass das bislang noch stehengebliebene halbe Haus ebenfalls "über kurz oder lang" abstürzen werde. Rund 40 Menschen hatten ihre Häuser nach dem Unglück verlassen müssen. Am Sonntagabend hatten sie kurzfristig Zugang zu ihren Wohnungen an der Abbruchstelle erhalten, um wichtige persönliche Dinge zu bergen.Unglücksursache ungeklärtZur Unglücksursache können die Experten noch nichts Abschließendes sagen. Zunächst müsse die Auswertung der Daten durch die Gutachter in den kommenden Wochen und Monaten abgewartet werden, sagte Steinhuber im ZDF. Nach seiner Einschätzung hat ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren zu dem Unglück geführt. Im MDR sagte er, es könne an der Böschung selbst oder am Altbergbau mit seinen zahlreichen Hohlräumen gelegen haben. "Außerdem könnte der steigende Wasserstand als Ursache in Frage kommen".Experte schließt Erdrutsche an anderen Orten ausDass es an anderen ostdeutschen Tagebauen zu ähnlichen Erdrutschen kommen könnte, schloss Steinhuber aus. "So ein Zusammenspiel von geologischen Voraussetzungen und einer Wohnbebauung, die sich so dicht an einem Bergbaufolgesee befindet, haben wir an keiner anderen Stelle", sagte er.BUND warnt vor Risiken im RheinlandDer Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Nordrhein-Westfalen warnte allerdings vor ähnlichen Risiken durch die Braunkohlentagebaue im Rheinland. Nach dem Ende der drei Großtagebaue Garzweiler, Hambach und Inden entstünden gigantische Restlöcher mit noch unabsehbarem Schadenspotenzial. "Wegen der enormen Dimensionen der rheinischen Braunkohlentagebaue ist die Gefahr von Erdrutschen hier sogar wesentlich größer als in Ostdeutschland", erklärte BUND-Braunkohlenexperte Dirk Jansen.Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung"Es wird umfangreicher Gutachten in den nächsten Wochen und Monaten bedürfen", kündigte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsstaatssekretär Detlef Schubert (CDU) an. Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung ein, hatte aber keinen konkreten Verdacht gegen mögliche Schuldige.
Quelle: AFP, dpa, AP | Speichern Sie diesen Artikel bei:
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