Castingshow "Ich kann Kanzler"

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Erfrischend klingt anders

Erschienen am 20. Juni 2009 | aktualisiert am 22. Juni 2009
Von Bastian Ewald

Der 18-jährige Jacob Schrot, CDU-Mitglied aus Brandenburg an der Havel kann Kanzler (Foto: dpa)
Der 18-jährige Jacob Schrot, CDU-Mitglied aus Brandenburg an der Havel kann Kanzler (Foto: dpa) Vergrößern

Was Bohlen und seine Superstars können, das können wir auch: muss sich das ZDF gedacht haben, als sie die Polit-Castingshow "Ich kann Kanzler" ins Leben rief. Rund 2.500 mehr oder weniger talentierte Nachwuchspolitiker bewarben sich – die sechs Überzeugendsten schafften es am Freitagabend in die Finalshow nach Berlin.

Doch wer von den Nachwuchspolitikern etwas Überraschendes erwartete, wurde enttäuscht. Kuschelthemen und Politikerdeutsch beherrschten den Abend.

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Gewinnerthema Solidargemeinschaft

Die Kandidaten sollten sich während des Finales den scharfen Fragen der prominenten Jury, Quizmaster Günter Jauch, Ulknudel Anke Engelke und dem Alt-Sozialdemokraten und Ex-Bürgermeister von Bremen Henning Scherf stellen. Am Ende stand der Sieger fest: der 18-jährige Jacob Schrot, CDU-Mitglied aus Brandenburg an der Havel, überzeugte 72,6 Prozent der Zuschauer im Televoting mit souveränem Politikerdeutsch. "Wir brauchen eine Solidargemeinschaft. Gemeinsam für Deutschland", forderte er in seinem Plädoyer.

Konsens statt Diskurs

Bis es jedoch soweit war, hatten Zuschauer und Kandidaten diverse warmherzige Fragerunden zu überstehen. Mit harten realpolitischen Verhältnissen hatte das allerdings wenig zu tun. Die politische Neigung der Finalisten versprach auch eher Konsens als gesellschaftlichen Diskurs.

Wahlprogramme lesen sich ähnlich

Für jeden war etwas dabei: "Vielfalt ist die Stärke unserer Gesellschaft," referierte der 18-jährige Münchner Delano Osterbrauck, der eine beeindruckende Ähnlichkeit mit US-Präsident Barack Obama gemein hat. Dabei ging es ihm um Integration und Chancengleichheit. Für die Zukunft der Familie sprach sich die vierfache Mutter Antje Krug aus. Die 31-Jährige Thüringerin wollte mit "Kompetenzzentren für Erziehung und einem Elternführerschein" punkten. Der 25-jährige CSU-Mann und Autohaus-Geschäftsführer, Siegfried Walch forderte Steuersenkungen für den Mittelstand. Denn Leistung müsse sich wieder lohnen. Die Grüne Nuray Karaca sah Handlungsbedarf für alles, das irgendwie nach grüner Politik klingt. Vor allem aber für Bürgernähe und Integration. Erfrischend klingt anders: die Wahlprogramme zur Bundestagswahl lesen sich sicherlich ähnlich.

"Jetzt hab' ich den Überblick verloren"

Zwei kämpften oder krampften sich dann ins Finale: der 30-jährige Philip Kalisch, Referent des konservativen SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs und der letztliche Sieger Jacob Schrot. Souverän und damit verdient, an einem Abend an dem sogar das Ende für Moderator Steffen Seibert zäh wurde: "Jetzt hab' ich den Überblick verloren."

 

Lächeln vom alten Hasen

Die Jury bewies stets charmante Diplomatie. Selbst der sonst so scharfsinnige Günter Jauch war auffallend unkritisch. "Ladykracher" Engelke brachte die anhaltende Phrasendrescherei des Politikernachwuchses dann doch kurzfristig auf den Punkt: "Das fand ich ein bisschen doof, aber alles in allem war es gut." Altpolitiker Henning Scherf bereicherte die Runde meist mit einem gelassenen Lächeln.

Alle sollten Sieger sein

Kandidaten beklatschten sich gegenseitig, die Juroren lobhudelten. Stets wohlgesonnen wie die "RTL-Mini Playback Show" mit Marijke Amado, die in den 1990er Jahren Kindern die große Show nicht vermasseln wollte – alle sollten Sieger sein.

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Quelle: t-online.de
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