Umstrittene Buswerbung

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Existiert Gott - oder nicht?

Erschienen am 24. Januar 2009 | aktualisiert am 24. Januar 2009 | Von Virginie Grognou und Prashant Rao, AFP
Der provokante Slogan auf einem britischen Bus (Quelle: AFP)
Der provokante Slogan auf einem britischen Bus (Quelle: AFP) Vergrößern

"Wahrscheinlich gibt es keinen Gott - also hör' auf, dir Sorgen zu machen und genieße das Leben": Ketzerisch und lässig prangt dieser Spruch seit Beginn des Jahres auf Hunderten britischer Busse. Das Beispiel macht rund um die Welt Schule: Schon ziert der Slogan Stadtbusse von Barcelona im katholischen Spanien. In Italien, Kanada und Australien sind ähnliche Kampagnen in Planung.

Die Spanische Union der Atheisten und Freidenker (UAL) verkündet auf Bussen in Barcelona in lebhaften Farben, es gebe "wahrscheinlich keinen Gott". "Diese Kampagne richtet sich an die Atheisten, die regelmäßig mit der Hölle und anderen Qualen bedroht werden", sagt Albert Riba von der UAL. "Wir wollen ihnen sagen: Macht Euch keine Sorgen." Die Aktion soll je nach Spendenaufkommen auf weitere Städte ausgedehnt werden. Riba glaubt, dass die Debatte überfällig ist in einem Land, in dem sich "ein Fünftel der Bevölkerung als atheistisch bezeichnet". Eine solche Botschaft "wäre vor einigen Jahren noch unmöglich gewesen", schätzt Student Marc an Bord eines Busses mit dem Atheisten-Slogan.

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Der ketzerische Slogan - hier in Barcelona auf katalanisch (Quelle: AFP)
Der ketzerische Slogan - hier in Barcelona auf katalanisch (Quelle: AFP) Vergrößern

Reaktion auf düstere Drohungen

Angestoßen hat die theologische Debatte im öffentlichen Nahverkehr die britische Autorin Ariane Sherine - als Reaktion auf düstere Drohungen christlicher Organisationen auf Londoner Bussen. Dass sie als Atheistin eines Tages in der Hölle schmoren werde, wollte Sherine nicht unwidersprochen hinnehmen. In kürzester Zeit sammelte sie mit Hilfe der Britischen Humanistischen Vereinigung umgerechnet mehr als 150.000 Euro an Spenden. Damit ließ sie die Botschaft, es gebe keinen Gott, auf 800 Busse und in der Londoner U-Bahn plakatieren.

Gegenreaktion folgte prompt

Konfrontiert mit der Londoner Kampagne ging ein evangelischer Pfarrer in Madrid zum Gegenangriff über. Fuenlabrada Paco Rubiales buchte Bus-Werbeflächen und verkündete: "Gott gibt es doch. Genieße das Leben mit Christus" Die nötigen 2000 Euro für die dreimonatige Kampagne kommen nach seinen Worten "ausschließlich aus der Kollekte der Kirchgänger". Ein Rentner in Aluche im Süden Madrids reagiert verärgert auf den Slogan: "Das ist eine Lüge. Gott gibt es nicht. Wenn ich solche Botschaften sehen will, brauche ich doch nur in eine Kirche zu gehen."

Australien lehnt Provokation ab

Im norditalienischen Genua werden Busse ab Anfang Februar folgende Botschaft verkünden: "Die schlechte Nachricht ist, dass es Gott nicht gibt. Die gute Nachricht ist, dass wir ihn nicht brauchen." In Australien und Kanada richteten atheistische Organisationen Websites und Spendenkonten für ähnliche Aktionen ein. Australiens größte Agentur für Außenwerbung, APN Outdoor, lehnte die provokanten Plakate allerdings bereits ab.

Ananasfrüchte auf dem Mond?

Nun hat die Organisation e-christians zu Spenden aufgerufen, um Kampagnen gegen die "gottlosen" Busse zu finanzieren. Und in London reichte eine christliche Lobby-Gruppe Beschwerde beim britischen Werberat ein. Begründung: Für die Nicht-Existenz Gottes gebe es keine Beweise. Dies konterte der britische Humanist Peter Cave mit der Bemerkung: "Ich sehe keine Beweise für Gott, so wie ich auch keine Beweise sehe, dass auf dem Mond Ananasfrüchte herumfliegen."

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