vom Sun Jan 18 13:04:31 CET 2009 | aktualisiert am Mon Feb 09 14:19:12 CET 2009
Eine Kamera filmte die mysteriöse Himmelserscheinung (Foto: sydsvenskan.se)
Ein greller Lichtblitz hat am Samstagabend den Himmel über weiten Teilen Norddeutschlands erleuchtet. Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall. Experten gehen davon aus, dass es sich um einen Meteoriten handelte, der vermutlich in die Ostsee stürzte.
Um kurz nach 20 Uhr meldeten sich zahlreiche Menschen bei Polizeistationen und Radiosendern in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Sie berichteten von einem bläulich-grünen Leuchten, das die Atmosphäre für einige Sekunden erhellt habe. Andere hörten eine Explosion. "Es gab ein dumpfes Grollen und ich spürte einen Druck auf der Brust", berichtete eine Augenzeugin in Rostock.
Auch eine Mitarbeiterin des Wetterdienstes Meteomedia auf der Insel Hiddensee registrierte das Leuchten. "Es war plötzlich hell", berichtete Juliane Pestel gegenüber t-online.de. Zuerst habe sie sich erschrocken und an ein Gewitter gedacht. Das Leuchten habe sich aber deutlich von dem typischen Millisekundenblitz unterschieden. "Das war eindeutig keine Wetter-Erscheinung, sondern etwas Astronomisches", sagte die Meteorologin.
Zwei Meter Durchmesser
Für Meteoritenexperten Mark Vornhusen von Meteomedia war es "ganz eindeutig" ein einschlagender Himmelskörper. Vornhusen schätzt, dass ein Meteorit von ungefähr zwei Metern Durchmesser in die Erdatmosphäre eingetreten ist. Dieser habe dabei einen Überschallknall erzeugt, denn mit einer Geschwindigkeit von schätzungsweise 20 Kilometer in der Sekunde sei er wesentlich schneller als der Schall gewesen.
Meteorit verglühte auf seinem Flug
Ungefähr 70 Kilometer über dem Erdboden verdichte sich die Atmosphäre so stark, dass der Meteorit zu verglühen beginne, beschrieb Vornhusen das Phänomen gegenüber t-online.de. In rund 30 Kilometern Höhe höre das Leuchten dann auf, weil der Meteorit schon so stark abgebremst worden sei.
Steinregen ging auf die Erde nieder
Vornhusen wies darauf hin, dass Augenzeugen bei dem Leuchtblitz zum Schluss eine Explosion beobachteten: Vermutlich sei der Meteorit in diesem Moment zerbrochen. "Hunderte Steine gehen dann in einem Gebiet von mehreren Quadratkilometern nieder", berichtete Vornhusen. Obwohl ein Großteil des Meteoriten während des Fluges verglühe, könnten bei einem so großen Exemplar immer noch "faustgroße Steine" übrigbleiben. "Wäre der Meteorit über Rostock abgestürzt, hätte es sicher Löcher in Dächern gegeben."
Meteorit stürzte vermutlich in die Ostsee
Meteorologin Pestel berichtet, das Phänomen sei vor allem im Nordosten Deutschlands und im Süden Dänemarks und Schwedens beobachtet worden. Vermutlich sei ein Meteorit nicht weit von Rostock entfernt in die Ostsee gefallen.
Wertvolle Fundstücke
Auch Vornhusen geht davon aus, dass der Meteorit in einem Gebiet zwischen Lolland und Darß niedergegangen ist - "sehr wahrscheinlich" sei er in die Ostsee gestürzt. Augenzeugen, die den Knall gehört hätten, seien schon sehr nah am Absturzgebiet dran gewesen: "Je lauter der Knall, desto näher". Bewohner des dänischen Ortes Nykøbing Falster hätten von einem extrem lauten Knall berichtet: Hartgesottenen Meteoritenfans rät Vornhusen daher auf der Insel Falster nach den wertvollen Restbrocken des Meteoriten zu suchen: Meist weisen die abgestürzten Meteoriten eine schwarze Kruste auf und sind durch einen hohen Eisenanteil meist ungewöhnlich schwer und magnetisch.