Beinahe-Katastrophe in Hamburg

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"Emma" pustet Flieger fast von der Landebahn

Erschienen am 03. März 2008
Geschüttelt von Sturmböen fliegt das Flugzeug auf die Landebahn zu (Quelle: LiveLeak)
Geschüttelt von Sturmböen fliegt das Flugzeug auf die Landebahn zu (Quelle: LiveLeak) Vergrößern
Orkantief "Emma" hat am Wochenende auf dem Hamburger Flughafen beinahe eine Katastrophe verursacht. Kurz vor dem Aufsetzen auf der Landebahn erfasste am Samstag eine starke Windböe die rechte Tragfläche der aus München kommenden Lufthansa-Maschine "Suhl" mit 131 Passagieren an Bord. Augenzeugen beobachteten und filmten (siehe Video rechts). Der Airbus A 320 geriet während des Landeanflugs in Schräglage, und der linke Flügel touchierte den Asphaltboden. Der Flieger geriet dadurch ins Schlingern, die 131 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder an Bord wurden kräftig durchgeschüttelt. Für den Piloten gab es in diesem Augenblick keine andere Wahl als die Maschine durchzustarten. Bei einer Landung wäre der Flieger von der Rollbahn abgekommen. Durch die Geistesgegenwart der Piloten wurde niemand verletzt.

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Flugschreiber wird ausgewertet

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat nun eine routinemäßige Untersuchung eingeleitet und mit der Auswertung der Flugschreiber begonnen. "Wir werden die Frage stellen müssen, warum das Flugzeug nicht auf der Landebahn 33 gelandet ist, sondern auf der 23, wo der Seitenwind viel stärker war", sagte Lothar Müller von der BFU am Montag. Es gebe aber keine Hinweise auf ein Fehlverhalten des Piloten, betonte Müller. "Wir suchen die Ursache, wir verurteilen niemanden."

Hoher Verbrauch von Tüten

Der Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS), Axel Raab, sagte am Montag dem NDR, die Passagiere hätten sicherlich Todesangst an Bord gehabt. "So etwas hat es in Hamburg noch nicht gegeben", sagte Flughafen-Sprecherin Katja Tempel. Der Hamburger Airport war von den "Emma"-Ausläufern besonders betroffen. Gleich mehrere Maschinen starteten am Samstag wegen der Orkanböen durch, ähnlich brenzlige Situationen wie bei der Lufthansa-Maschine gab es nach Angaben des Flughafens aber nicht. 19 Flüge mussten unter anderem wegen hoher Windgeschwindigkeiten gestrichen werden, 118 Flüge verspäteten sich. Ungewöhnlich hoch, so berichtete Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber, war überall "der Verbrauch der berühmten Tüten", weil Passagieren übel wurde.

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Problemloser Durchstart

Das Durchstartmanöver verlief dann allerdings problemlos. "Das ist etwas, was im Flugtraining immer wieder simuliert wird", erklärte Weber. Der Pilot schiebt beim Durchstarten die Gashebel nach vorn, zieht die Maschine hoch, und Landeklappen und Fahrwerk werden eingefahren. Der Wechsel vom Landeanflug zum plötzlichen Neustart erfolgt in wenigen Sekunden. Die Verfahren werden regelmäßig trainiert und sind nicht gefährlich. Nach einer Viertelstunde konnte der Airbus doch noch erfolgreich in Hamburg landen. Unter den Passagieren gab es keine Unruhe, wie ein Fluggast später dem Fernsehsender N24 berichtete. Das beschädigte Flugzeug wurde noch am Wochenende repariert.

Piloten wieder unterwegs

Die beiden Piloten sind nur zwei Tage nach dem Beinahe-Uunfall von Hamburg bereits wieder im Routine-Einsatz. Pilot Oliver A. und seine Copilotin seien ganz normal auf Mittelstreckenflügen in Europa unterwegs, berichtete Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow in Frankfurt. Die Besatzung habe den Vorfall sehr gefasst aufgenommen. Der Pilot wolle sich nicht öffentlich zu seinem Manöver äußern. "Er hat meisterlich umgesetzt, was er zuvor hunderte Male im Simulator geübt hat", meinte Jachnow. Man habe keine Zweifel, dass die Freigabe der Landebahn durch die Deutsche Flugsicherung korrekt war, betonte Jachnow. Zusätzliche Böen im Anflug könne niemand vorhersehen.

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Video besonders nachgefragt

Im Internet kursierten am Montag zu dem spektakulären Video eines britischen Amateurfilmers mehrere hundert Kommentare. Besonders gelobt wurde dabei die Meisterleistung des 39 Jahre alten Lufthansa-Kapitäns. Bis zum Mittag wurde das Video fast zwei Millionen Mal angeschaut.

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Quelle: dpa
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